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84 Millionen Euro blätterte Liverpool vor 15 Monaten hin, um Virgil van Dijk zu holen. Der Verteidiger hat längst alle Skeptiker überzeugt, dass er das Geld wert ist

Die Aufgabe, das ist Robert Lewandowski vor dem Showdown gegen den FC Liverpool am Mittwoch (ab 21 Uhr im LIVETICKERalle Infos auch ab 20 Uhr im Fantalk auf SPORT1) klar, könnte viel anspruchsvoller gar nicht sein. 

"Gegen ihn wird es nicht einfach, ein Tor zu schießen, aber das ist Champions League. Da muss man versuchen, etwas Besonderes zu schaffen. Wir müssen daher jede noch so kleine Lücke finden und unsere Chancen nutzen", sagte der Bayern-Stürmer im Gespräch mit SPORT1.

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Wen Lewandowski meinte? Blickt man auf die Leistungsdaten von Liverpools Defensivspieler, wird schnell klar, dass es sich nur um Virgil van Dijk handeln kann. Jenem Mann also, der sich innerhalb kurzer Zeit zum Abwehrchef der Reds aufschwang und der beim 0:0 im Hinspiel wegen einer Gelbsperre fehlte.

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Dabei war sein Wechsel vom FC Southampton zum FC Liverpool im Januar 2018 recht holprig über die Bühne gegangen. Der begehrte Defensivspezialist wollte sich zu seinem Wunschverein streiken, nachdem ihn die Saints nicht für die gebotene Ablösesumme ziehen ließen. Erst als 84 Millionen Euro auf dem Tisch lagen, ging der Deal über die Bühne und hinterließ einen faden Beigeschmack.

Van Dijks Fehlen bremst Liverpools Offensive

Vielerorts herrschte Unverständnis und Zweifel ob einer derartig hohen Ablösesumme, zumal der Niederländer nicht von einem Spitzenklub kam, damals schon 26 Jahre alt war und auch in der Nationalelf noch keine Bäume ausgerissen hatte. Wie konnte so einer zum weltweit teuersten Abwehrspieler werden?

Die Antwort gab van Dijk schon nach kurzer Zeit im Reds-Trikot selbst: Gemeinsam mit dem im Sommer vom AS Rom abgeworbenen Keeper Allison war der 1,93 Meter große Verteidiger Liverpools fehlendes Puzzleteil auf dem Weg zu einem Spitzenteam.

Dass die Elf von Jürgen Klopp beim torlosen Hinspiel gegen die Bayern nicht die volle Offensivwucht entfaltete, lag auch am Fehlen van Dijks. Steht der 27-Jährige auf dem Platz, trauen sich seine Teamkameraden wesentlich häufiger nach vorne, wohl wissend, dass hinten schon einer steht, der sie mit aller Bierruhe absichert. 

Dass sich Liverpool nur 17 Gegentore in 30 Premier-League-Spielen eingefangen hat, liegt vornehmlich an der Klasse des immer noch teuersten Abwehrspielers der Welt. Jamie Carragher verglich van Dijk unlängst mit Tennisikone Roger Federer, weil bei beiden alles immer so einfach aussehe. "Alles fühlt sich bei ihm so an, als hätte er eine andere Ausrüstung", schwärmte die Klub-Ikone.

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Van Dijk, das wissen mittlerweile auch die größten Skeptiker, ist ein Allroundgenie auf dem Fußballplatz. Stellungsspiel, Kopfballstärke, Spielaufbau, sogar Torgefahr vereint er in einer Person. Seine Offensivstärke musste auch schon die deutsche Nationalmannschaft beim 2:2 in der Nations League anerkennen, als van Dijk kurz vor dem Schlusspfiff den Endstand markierte.

"Alles wird um seine Aura gebaut"

Van Diks Vielseitigkeit macht ihn zu einem der absoluten Lieblinge bei den Fans. Schon nach kurzer Zeit im Reds-Trikot besangen sie den Alleskönner als Abwehrass und Torjäger, den nichts aus der Ruhe bringt. "He's our centre-half, he's our number four, watch him defend and we watch him score. He can pass the ball, calm as you like, he's Virgil van Dijk, he's Virgil van Dijk!"

"Alles, was Liverpool erreicht, wird um seine Aura gebaut", schrieb die Times über den Sohn einer surinamesischen Mutter, der 2013 von Groningen zunächst zu Celtic Glasgow wechselte und zwei Jahre später bei Southampton anheuerte. Klopp beförderte van Dijk vor der laufenden Saison zum Vize-Kapitän und stabilisierte die Abwehr trotz seines offensiven 4-3-3 Systems damit noch mehr.    

Nun also trifft der Hochgelobte zum ersten Mal in seiner Karriere auf Lewandowski - und er zeigt großen Respekt vor dem polnischen Torjäger. "Man muss einfach clever sein und in jeder Situation mehr als 100 Prozent geben. Auf keinen Fall darf man ihm Chancen anbieten, denn ein Stürmer wie Lewandowski wird dich dafür bestrafen und das Tor machen", sagte er auf der Website der UEFA.

Ob es van Dijk gelingen wird, seinen Widersacher im Gigantenduell auszuschalten, wird am Mittwochabend in der Allianz Arena entschieden.  

Sicher ist aber längst, dass die 84 Millionen Euro, die vor 15 Monaten beinahe zum Politikum wurden, bestens angelegtes Geld waren. "Qualität kostet einen bestimmten Preis", sagt Klopp heute. "Das ist mit Autos genauso wie mit Spielern. Vielleicht denken die Leute jetzt, dass er zu billig war."

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