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Tottenhams Torjäger Harry Kane ist rechtzeitig zum Finale gegen den FC Liverpool wieder fit - aber sollte Mauricio Pochettino überhaupt auf ihn setzen?

Schon beim historischen Sprung in das größte Finale der Vereinsgeschichte spürte Harry Kane keine Schmerzen mehr.

Wie ein junges Reh spurtete der Superstar von Tottenham Hotspur trotz seiner Knöchelverletzung nach dem dramatischen Halbfinal-Triumph bei Ajax Amsterdam über den Rasen der Johan-Cruyff-Arena, er überholte gar Teamkollege Victor Wanyama, ehe er wenige Momente später Ex-Bundesliga-Profi Heung-Min Son in die Arme fiel.

Nach dem Last-Minute-Treffer von Stellvertreter Lucas Moura und dem ersten Einzug in ein Champions-League-Finale schien die Identifikationsfigur der Spurs ihre hartnäckige Blessur vollkommen ausgeblendet zu haben.

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Kane: "Fühle mich gut und bin bereit"

Drei Wochen später ist der 25 Jahre alte Stürmer nicht nur scheinbar, sondern tatsächlich genesen. "Ich fühle mich gut und bin bereit", sagte der Engländer vor dem Endspiel gegen den FC Liverpool am Samstag in Madrid (Champions League: Tottenham Hotspur - FC Liverpool, Samstag 21 Uhr im LIVETICKER). "Es gibt bisher keine Probleme. Für mich geht es darum, so fit wie möglich zu werden."

Seit jenem 9. April, als Kane im Champions-League-Viertelfinale gegen Manchester City im Zweikampf mit "Three Lions"-Kollege Fabian Delph seine fünfte Knöchelverletzung binnen drei Jahren erlitt, "konnte ich einen Plan aufstellen, um für dieses Spiel bereit zu sein", sagte er: "Jetzt bin ich an einem guten Punkt."

Sollte das so bleiben, wird Teammanager Mauricio Pochettino an dem Angreifer kaum vorbeikommen. Kane ist das Herzstück der Londoner Mannschaft. Er schießt die meisten Tore, er ist Arbeiter, Kämpfer, Vorreiter - auch auf dem Weg zurück zu seiner Fitness. "Seine Einstellung ist hervorragend. Wir sind sehr zufrieden mit dem Fortschritt, den er macht", lobte Pochettino.

Trotzdem wollte sich der Argentinier am Tag vor dem Endspiel noch nicht festlegen, ob Kane auflaufen wird: "Wir haben noch eine Trainingseinheit. Danach werden wir es sehen", erklärte Pochettino.

Mertesacker: Würde Kane nicht aufstellen

Kanes Rückkehr stürzt den Spurs-Coach aber auch in ein Dilemma, schließlich hat sich in der Zwischenzeit mit Moura und Son ein neues Erfolgsduo gefunden, das vor Selbstvertrauen nur so strotzt.

"Es hat sich in seiner Abstinenz eine Mannschaft entwickelt, die den Finaleinzug geschafft hat. Son ist aufgelebt und hat viele Tore gemacht. Lucas Moura, der im Rückspiel gegen Ajax einen Hattrick erzielt hat", sagte DAZN-Experte Per Mertesacker. "Man hat Spielern Raum gegeben, um sich zu entwickeln. Jetzt kommt Harry Kane zurück, und der Trainer stellt sich die Frage, wen er aufstellen soll. Wenn ich der Trainer wäre, würde ich Harry Kane nicht aufstellen."

Auch Pochettino gestand sein Luxusproblem: "Wenn wir gewinnen war es eine großartige Entscheidung. Wenn wir verlieren, war es eine schlechte Entscheidung und ihr werdet mich erledigen."

Allzweckwaffe vor dem Tor

Das Mitwirken von "Prince Harry" im Wanda Metropolitano würde viel bedeuten. Das liegt zum einen an seiner Torgefahr. Wettbewerbsübergreifend traf Kane in dieser Saison 24-mal aus den unterschiedlichsten Lagen: elf Mal mit dem rechten Fuß aus dem Spiel heraus, je vier Mal mit dem vermeintlich schwächeren linken und mit dem Kopf sowie fünf weitere Mal vom Elfmeterpunkt. Der 1,88 Meter große Fußballer ist gedankenschnell, flink und defensivstark – kurzum: eine Allzweckwaffe.

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Zum anderen wäre da der Mensch Harry Kane, dessen Gesicht so wunderbar zum Klub aus dem Londoner Norden passt. Bei den Spurs bekam der Angreifer eine zweite Chance. In der Jugend des FC Arsenal hatte man den talentierten Fußballer im Alter von acht Jahren zwar entdeckt, ihn ein Jahr später aber wieder fallengelassen. Begründung: Er sei zu dick und wenig athletisch. Das sahen die Spurs offenbar anders.

Durchbruch unter Pochettino

Nach vier Leihgeschäften an Leyton, Millwall, Norwich und Leicester gelang ihm an der White Hart Lane unter dem Argentinier Pochettino der Durchbruch. "Er ist Weltklasse", sagte der Teammanager über seinen Stürmer, nachdem sich dieser 2016 und 2017 zwei Mal zum Torschützenkönig der Premier League krönte. Gleiches gelang ihm vergangenes Jahr bei der Weltmeisterschaft, in die er sein Land als jüngster Kapitän der Geschichte führte.  

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Längst dient Kane auch dem Mutterland des Fußballs als Hoffnungsträger auf den ersten großen Titel seit dem WM-Triumph gegen Deutschland 1966. Schon bei der Endrunde der Nations League bietet sich im Juni dazu eine, wenn auch deutlich unbedeutendere Möglichkeit.

Weitaus wichtiger dürfte Harry Kane das Endspiel mit seinem Klub sein, wo "ein Traum wahr wird", sagt er. Es fehlt nur noch ein Schritt: "Um Geschichte zu schreiben, müssen wir das Spiel gewinnen."

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