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Berlin - Paul Glatzel ist Kapitän der U18 des FC Liverpool - und seit dieser Saison Profi bei den Reds. Ein Interview über Träume, Ängste und eine SMS von Steven Gerrard.

Paul Glatzel erscheint leicht ermüdet zum ersten großen Interview seiner noch jungen Karriere.

Der Grund: Er will sich das "Creators Camp" seines Ausrüsters in der adidas Football BASE im Berliner Stadtteil Wedding nicht entgehen lassen und hatte sich noch in der Nacht aufgemacht von der Insel in die deutsche Hauptstadt.

Der 18-Jährige hat viel vor. Auch in seiner Karriere. Der Sohn deutscher Eltern ist in Liverpool aufgewachsen und spielt bereits seit der U9 bei den Reds. In dieser Saison kam der Stürmer in der U18, in der Youth League mit der U19 und bereits vereinzelt in der U23 zum Einsatz.

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Unter Frank Kramer spielte er zuletzt in der U18-Auswahl des DFB. Der Lohn: Im Februar unterzeichnete der Kapitän des Liverpooler U18-Teams seinen ersten Profivertrag bei den Reds. (Champions-League-Finale: Tottenham Hotspur - FC Liverpool, ab 21 Uhr im LIVETICKER)

Im SPORT1-Interview spricht Glatzel über seine erste schwere Verletzung, WhatsApp-Nachrichten von Steven Gerrard und seinen großen Traum.

Glatzel: Klopp hat "in jedem Bereich die Intensität erhöht"

SPORT1: Aus den Augen eines Jugendspielers: Was zeichnet den FC Liverpool aus?

Paul Glatzel: Der ganze Verein ist wie eine große Familie. Alle arbeiten für die Ziele zusammen. Und als Jürgen Klopp 2015 zu uns kam, hat er noch mal in jedem Bereich die Intensität erhöht - vor allem auf dem Feld. Man sieht ja jede Woche, wie das Gegenpressing abläuft und die Spieler alles reinhauen.

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SPORT1: Noch müssen Sie das Finale der Champions-League von zu Hause verfolgen. Ihr Tipp?

Glatzel: Wir hoffen natürlich alle, dass Liverpool gewinnt. Die Mannschaft hat eine überragende Saison abgeliefert. Es war schon enttäuschend, dass sie nicht Meister wurden, obwohl sie super gespielt haben.

Liverpool-Talent Robert Glatzel im Gespräch mit SPORT1-Chefreporter Florian Plettenberg
Liverpool-Talent Robert Glatzel im Gespräch mit SPORT1-Chefreporter Florian Plettenberg © SPORT1

SPORT1: Sie haben im Februar Ihren ersten Profivertrag bei den Reds unterschrieben. Mit welchen Gedanken?

Glatzel: Dass ich einen Schritt näher an meinen Träumen bin. Durch den Profivertrag weiß ich, dass ich mich ab sofort die ganze Zeit auf Fußball konzentrieren muss. Aber ich habe noch viel zu tun.

SPORT1: Sie erlitten mit 15 Jahren einen doppelten Beinbruch, fielen monatelang aus.

Glatzel: Das passierte am Ende der Saison, in welcher ich schon die ganze Zeit verletzt war. Ich dachte zu dem Zeitpunkt, dass ich fit in die nächste Saison gehen kann und dann passierte so etwas. Ich dachte mir nur: 'Was passiert jetzt? Bin ich danach noch der gleiche Spieler? Schaffe ich es, noch mal zurückzukommen?'. Ich hatte Angst.

SPORT1: Ihnen half …

Glatzel: ... vor allem meine Familie. Sie war immer für mich da. Aber auch die vielen Menschen im Verein haben es geschafft, dass ich diese harte Zeit trotzdem positiv sehe und selbstbewusst weitermache. Das hat mir wirklich geholfen, nicht aufzugeben.

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Das sagt Trainer Steven Gerrard vor jedem Spiel

SPORT1: Sie wurden in Liverpool geboren, wuchsen dort auf, fingen in der U9 der Reds an, sind Kapitän. Die Parallelen zu Steven Gerrard sind unverkennbar.

Glatzel: Ja, aber es ist immer schwer, sich mit jemandem wie Steven Gerrard zu vergleichen. Er ist eine Legende. Man kann nur davon träumen, was er geschafft hat. An das, was er geschafft hat, möchte ich aber so nah drankommen wie möglich. Denn das ist unfassbar. Ich hatte ihn auch letzte Saison als Trainer in der U18, habe aber leider nicht so oft unter ihm trainiert wegen meinen Verletzungen. Er hat mir aber immer wieder geholfen, damit klarzukommen und Gas zu geben.

SPORT1: Steven Gerrard betritt auf einmal die Kabine. Wie ist das?

Glatzel: Schwer zu beschreiben. Man hat ihn zuvor immer im TV gesehen und ist so mit ihm aufgewachsen. Wenn er dann vor dir steht und dein Trainer ist, ist es bemerkenswert, und man weiß erstmal nicht genau, was man machen soll.

SPORT1: Was nehmen Sie von Trainer Gerrard mit?

Glatzel: Er hat immer gesagt: 'Empty the tank'. Damit wollte er uns klarmachen, dass wir immer alles geben sollen und man fertig sein muss, wenn man vom Platz runterkommt. Das hat er uns wirklich vor jedem Spiel gesagt. Darauf hat er großen Wert gelegt und das hat man auch bei ihm gesehen, wenn er früher gespielt hat.

SPORT1: Wie muss man sich abseits des Platzes die Kommunikation mit ihm vorstellen?

Glatzel: Er hat es schon anders gemacht als andere Trainer. Er will nicht, dass ihn jeder anrufen kann, aber er war schon bei uns in der WhatsApp-Gruppe dabei und hat ein paar SMS geschickt. Das war schon krass.

SPORT1: Sie haben auch schon unter Jürgen Klopp trainiert, erstmals im vergangenen Jahr.

Glatzel: Ich bin ganz normal zur Academy gefahren. Dann sagte mir mein Trainer, dass ich heute nicht mittrainiere, sondern direkt zum Melwood (Trainingszentrum der Profis, d. Red.) fahren soll. Da musste ich dann auch selbst hinfahren. Das war komisch, denn das habe ich zuvor noch nie gemacht. Dann kommst du an, siehst die ganzen Spieler vor dir und weißt wieder nicht wirklich, was du machen sollst. Dann kam der Trainer (Klopp, d. Red.) zu mir rüber, sprach auf Deutsch mit mir und hat nachgefragt, wie es so läuft. Das hat mir geholfen. Danach konzentriert man sich aufs Training. Ich war danach auch noch ein paar Mal im Profitraining dabei. Hoffentlich wird es zukünftig noch mehr.

Glatzel: Man kann nicht immer das machen, was Freunde machen

SPORT1: Was planen Sie? Was sind Ihre Träume?

Glatzel: Mit dem Planen war es zuletzt so eine Sache, denn ich war fast zwei Jahre lang verletzt und habe in den letzten zwei Saisons (2016/17, 2017/18, d. Red.) nur fünf oder sechs Spiele gemacht. Diese Saison habe ich aber kaum Spiele verpasst. Aber klar, ich habe Träume. Ich will Profi-Fußballer werden und für Liverpool spielen.

SPORT1: Ist auch eine Rückkehr nach Deutschland für Sie vorstellbar?

Glatzel: Ich bin schon mein ganzes Leben lang in Liverpool. Mein großer Traum ist es, für diesen Verein mein Profi-Debüt zu geben und für diesen Verein viel zu spielen. Ich habe schon einmal in der Jugend in einem Pokal-Halbfinale in Anfield gespielt. Da waren allerdings noch nicht so viele Zuschauer dabei.

Paul Glatzel (M.) ist Kapitän von Liverpools U18 Als Kapitän führte Glatzel sein Team zum Erfolg im FA Youth Cup 2019 gegen Manchester City
Paul Glatzel (M.) ist Kapitän von Liverpools U18 Als Kapitän führte Glatzel sein Team zum Erfolg im FA Youth Cup 2019 gegen Manchester City © Getty Images

SPORT1: Sie spielten in den Junioren-Nationalmannschaften bereits für England, zuletzt für Deutschland in der U18. Für welches Land wollen sie zukünftig auflaufen?

Glatzel: Ich habe noch keine Entscheidung getroffen, aber im Moment sehe ich es so, dass ich gerne für Deutschland spielen würde, weil meine Familie auch aus Deutschland kommt. Ich möchte sie stolz machen. Das klappt wahrscheinlich besser, wenn ich für Deutschland spiele.

SPORT1: Was empfehlen Sie den Kids, die Ihren Weg nachahmen wollen?

Glatzel: Man muss immer an sein Ziel glauben. Man muss immer fokussiert sein und weitermachen. Man kann auch nicht immer das machen, was die Freunde machen. Ausgehen und so geht nicht wirklich. Man muss sich halt ein Ziel setzen und daran arbeiten.

SPORT1: Ihre Stärken?

Glatzel: Meine Mannschaftsdienlichkeit. Meine Spielintelligenz - und ich kann auch mal ein Tor schießen.

SPORT1: Schwächen?

Glatzel: Ich habe diese Saison viel mit meinem rechten schwächeren Fuß trainiert und viel Krafttraining gemacht wegen meiner Verletzungen. Unsere Physios haben mir dabei geholfen.

SPORT1: Vorbilder?

Glatzel: Lionel Messi. Er ist der beste Spieler der Welt. Luis Suárez und Gerrard zählen aber auch zu meinen Vorbildern. Bei Messi schaue ich oft drauf, wie er mit dem Ball umgeht und was er alles auf dem Platz sieht. Ich schaue mir auch die Highlights seiner Spiele und Videos von ihm an, aber ich will es auch irgendwie alleine schaffen.

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