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München und Madrid - Jürgen Klopp führt den FC Liverpool auf Europas Thron. Was kann denn jetzt noch kommen? Der 51-Jährige will mit dem Triumph eine Ära begründen.

Die Abbey Road ist zweifellos eine der berühmtesten Straßen Englands.

Die legendäre Liverpooler Band The Beatles nahmen dort 1969 ihr letztes Studioalbum auf. Die Platte mit dem Zebrastreifen auf dem Cover schrieb Musikgeschichte. 50 Jahre später feiert Liverpool erneut Historisches.

Was liegt da näher, als den Vater des Erfolgs mit den berühmten Söhnen der Merseyside-Metropole in Verbindung zu bringen?

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Auf Twitter kursierte eine Fotomontage mit Jürgen Klopp auf dem berühmten Zebrastreifen an der Abbey Road. Statt der vier Beatles-Mitglieder, war vier Mal Klopp abgebildet. Drei Mal bitter enttäuscht mit Silbermedaille um den Hals, stellvertretend für die drei Finalniederlagen mit den Reds in Ligapokal, Europa League und Champions League. Das vierte Motiv zeigte Klopp mit dem Henkelpott in der Hand.

Klopp überwindet Final-Trauma

Sechs große Endspiele hatte Klopp in Serie verloren. Der 2:0-Erfolg gegen Tottenham Hotspur am Samstag war daher auch Klopps persönlicher Triumph über den eigenen Finalfluch.

"Für gewöhnlich sitze ich hier ein bisschen früher und muss erklären, wie man dieses Spiel verlieren konnte", begann Klopp zu später Stunde im Wanda Metropolitano seine Ausführungen.

"Dieses Mal liebe ich es zu erklären, warum ...", fuhr er fort - und unterbrach sich gleich selbst: "Obwohl, eigentlich will ich es gar nicht erklären. Ich möchte es einfach genießen, dass wir gewonnen haben. Alles andere ist nicht wichtig."

Liverpool-Idol Owen glaubt an weitere Titel

Dazu zählte vor allem die Art und Weise, die so gar nicht zum bekannten Liverpooler Powerfußball passte. Eher "very British" verteidigte Klopps Team die frühe Führung durch Mo Salah, ehe sein Edeljoker Divock Origi für die späte Entscheidung sorgte.

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"Wen kümmert es schon, ob sie gut oder schlecht gespielt haben?", fragte Liverpool-Idol Michael Owen. "Diese Mannschaft ist gerade in einer unglaublichen Phase und sie müssen Trophäen gewinnen, also warum nicht mit der größten anfangen?"

Als Klopp im Oktober 2015 seine Arbeit bei den Reds aufnahm, versprach er den Anhängern des Traditionsklubs die Rückkehr zu altem Glanz. "Wenn wir in vier Jahren hier sitzen, werden wir einen Titel gewonnen haben. Oder ich werde vielleicht Trainer in der Schweiz", versicherte Klopp damals.

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Klopp: "Das ist erst der Anfang"

Wenige Monate vor Ablauf der Frist hat der 51-Jährige sein Versprechen eingelöst. Die Fans in England können also beruhigt sein, dass ihr verehrter Erfolgscoach nicht die Flucht in die Schweiz antreten muss. Aber was kann denn jetzt nach dem Champions-League-Titel überhaupt noch kommen?

Bei all den Forderungen nach Trophäen betonte Klopp am Samstag, dass für ihn die Entwicklung der Mannschaft immer im Vordergrund stehe. "Das ist echt eine erwachsene Truppe geworden - und trotzdem ist das erst der Anfang", kündigte er am Sky-Mikrofon an.

Die nach der bitteren Finalniederlage im Vorjahr gegen Real Madrid um Schlüsselspieler wie Alisson Becker und Fabinho punktuell verstärkte Mannschaft erntete jetzt in Form des Henkelpotts die Früchte von Klopps Arbeit.

Sehnsucht nach dem Premier-League-Titel

Nun gilt es, auch Liverpools größte Sehnsucht zu befriedigen: Die nach dem ersten englischen Meistertitel seit 30 Jahren. Selbst die diesjährige Rekordsaison des Klubs mit 97 Punkten reichte nicht, weil Pep Guardiolas Manchester City noch besser war.

"Ich habe gerade mit Pep Guardiola am Telefon gesprochen, wir haben uns versprochen, dass wir uns nächstes Jahr wieder gegenseitig in den Hintern treten werden", scherzte Klopp auf der PK in Madrid.

Doch bevor er neue Ziele in Angriff nimmt, will er den Triumph von Madrid noch auskosten. Den Sieg widmete Klopp seiner Familie: "Dieses Jahr fahren wir mit der Goldmedaille in Urlaub. Das werden wir genießen. Wenn wir verloren haben, hat meine Familie immer mehr gelitten als ich. Ich bin froh, dass ich meiner Frau die Goldmedaille heute schenken kann."

Bei einem Job als Vereinstrainer kommt die Familie oftmals zu kurz. Ein Posten, der ihm diesbezüglich mehr Freiräume bieten könnte, wäre der des Bundestrainers. Aber allein wegen der Vertragslaufzeiten von Joachim Löw und Klopp stellt sich diese Frage vor 2022 praktisch nicht.

Bundestrainer als reizvolle Aufgabe?

Nicht unbedingt in naher Zukunft wäre es für Klopp selbst aber durchaus eine reizvolle Aufgabe. "Sollte ich irgendwann einmal gefragt werden und ich wäre verfügbar, dann würde ich darüber nachdenken", sagte er nach der WM 2018 in einem Welt-Interview.

Doch zunächst wird Klopp lieber an weiteren Denkmälern arbeiten - weniger an der Abbey Road, vor allem an der Anfield Road.

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