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München - Manchester City geht gegen die UEFA-Sperre vor und zieht vor den CAS. Häufig ist dies eine gute Idee, einige Strafen wurden zurückgenommen. SPORT1 blickt zurück.

Als die Welle um die Sperre für Manchester City die Fußballwelt erfasste, war der englische Meister bereits vorbereitet.

"Manchester City ist enttäuscht, aber nicht überrascht von der UEFA-Entscheidung", schrieben die Citizens in einem Statement nach dem Ausschluss aus der Champions League für zwei Jahre. Die UEFA habe einen "vorverurteilenden Prozess" initiiert, dessen Urteil ManCity nicht akzeptiere.

Vielmehr wolle man "so schnell wie möglich eine unabhängige Untersuchung" beginnen, als erster Schritt wurde Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof CAS eingelegt.

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Financal Fair Play ein Instrument ohne Macht?

Dort könnte es "innerhalb weniger Tage" zu einer Entscheidung kommen, erfuhr SPORT1 am Montag aus Kreisen der UEFA. Die Indizien seien erdrückend. Möglicherweise spielt ManCity aber auch auf Zeit und hofft, dass bis zur Verkündung des CAS-Urteils - das laut BBC spätestens auch erst im Winter fallen könnte - die Sperre ausgesetzt wird.

"Der Klub ist immer davon ausgegangen, dass er ein unabhängiges Gericht ersuchen muss, das die unwiderlegbaren Beweise unserer Sichtweise beurteilen kann", hieß es von Vereinsseite. Die UEFA trete in den Augen der Citizens als Richter, Jury und Henker auf.

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In der Vergangenheit revidierte der CAS bereits einige Urteile der UEFA. So wurde das 2011 eingeführte Financial Fair Play in der Öffentlichkeit lange als eine stumpfe Waffe angesehen, häufig wurden lediglich kleinere Klubs aus UEFA-Wettbewerben ausgeschlossen.

SPORT1 fasst zusammen, was aus Klub-Ausschlüssen am Ende resultierte.

FENERBAHCE UND BESIKTAS ISTANBUL

Wegen ihrer Verwicklung in den türkischen Manipulationsskandal 2010/11 wurden beide Klubs im Sommer 2013 für zwei (Fenerbahce) bzw. ein Jahr (Besiktas) von allen UEFA-Wettbewerben ausgeschlossen.

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Nach dem Einspruch der Klubs setzte der CAS die Sperre aber überraschend aus - nur um sie nach erfolgreicher Qualifikation für den Europacup Ende August doch wieder zu verhängen und den Einspruch abzulehnen. Beide Klubs blieben daraufhin gesperrt.

FC MALAGA

Der damalige spanische Topklub, mittlerweile nur noch in der 2. Liga, wurde im Dezember 2012 mit einem Jahr Sperre belegt und durfte trotz sportlicher Qualifikation in der Saison 2013/14 nicht in der Europa League spielen.

Der Einspruch vor dem CAS wurde fallen gelassen. Die Androhung eines weiteren Jahrs Sperre umging Malaga, weil der Klub bis März 2013 den UEFA-Verpflichtungen nachkam.

RAYO VALLECANO

Als Profiteur vom Ausschluss des FC Malaga sollte 2013/14 eigentlich Rayo Vallecano im Europacup spielen dürfen. Wegen ausstehender Schulden verweigerte die UEFA dem Klub jedoch die Zulassung, auch der CAS bestätigte den Ausschluss.

Letztlich durfte der neuntplatzierte FC Sevilla in der Europa-League-Qualifikation starten.

METALIST CHARKIW

Unmittelbar vor den Playoffs zur Champions League 2013 gegen Schalke wurde der ukrainische Klub für alle Europapokal-Wettbewerbe der laufenden Saison gesperrt. Grund dafür war ein Manipulationsskandal, über den die UEFA bereits 2008 ein Disziplinarverfahren eröffnete. Der Einspruch vor dem CAS wurde abgewiesen.

GALATASARAY ISTANBUL

Die im März 2016 ausgesprochene Ein-Jahres-Sperre für Galatasaray wurde vom türkischen Spitzenklub angefochten, der CAS bestätigte den Ausschluss jedoch drei Monate später.

Wegen Verstößen gegen das FFP musste Galatasaray in der Saison 2016/17 zuschauen.

PANATHINAIKOS ATHEN

Auch der griechische Topklub wurde vom Bann des FFP getroffen. Drei Jahre muss Panathinaikos im Europacup zuschauen, der Beschluss fiel im April 2018. Ein Jahr später gaben die Athener bekannt, dass sie Einspruch gegen das Urteil einlegen. Dieser ist noch nicht final verhandelt, solange bleibt Panathinaikos gesperrt.

RUBIN KASAN

Der russische Klub wurde im Oktober 2018 für ein Jahr vom Europacup ausgeschlossen, weil er gegen das Financial Fair Play verstieß. Ein halbes Jahr später zog der Klub vor den CAS. Das Verfahren ist allerdings nicht abgeschlossen, weil sich Kasan im vergangenen Jahr nicht für einen europäischen Wettbewerb qualifizierte.

Die Sperre würde auch in der kommenden Saison in Kraft treten, anschließend wäre sie abgelaufen. Eine Vergleichsvereinbarung mit der UEFA trat nie in Kraft, weil Kasan die gestellten Bedingungen nicht einhielt.

AC MAILAND

Milan wurde 2019 wegen erheblicher Verstöße gegen das Financial Fair Play für die aktuelle und die kommende Saison aus dem Europacup ausgeschlossen, statt eines erlaubten Minus von 30 Millionen Euro machte der Klub zwischen 2014 und 2017 satte 255 Mio. Euro Verlust.

Milan klagte erfolgreich vor dem CAS und bekam einen Freispruch mit der Auflage, dass sie ein Jahr ausgeschlossen werden, wenn die Finanzen bis zum Jahr 2021 wieder in Balance sind.

Nach einer erneuten Überprüfung kamen weitere schwerwiegende Vorwürfe gegen Milan auf, vor dem CAS einigte sich der Klub deshalb auf einen Vergleich und muss nur in dieser Saison im Europacup zuschauen.

PSG kommt mit milder Strafe davon

Nicht immer reagiert die UEFA mit einer fixen Sperre für den Europacup.

So erhielten beispielsweise Olympique Lyon und Besiktas Istanbul zweijährige Sperren wegen Fan-Ausschreitungen, diese wurden jedoch für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

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Auch diverse Untersuchungen wurden letztlich lediglich mit Geldstrafen oder der Vorgabe, den Kader zu reduzieren, abgeschlossen. Zahlreiche Kleinklubs wie der FC Sion (Schweiz), FK Tirana (Albanien), FK Ertis Pawlodar (Kasachstan) oder FK Vojvodina aus Serbien wurden aus dem Europacup ausgeschlossen, mit Manchester City trifft es nun erstmals einen absoluten Weltklub.

Die jahrelangen Ermittlungen gegen Paris Saint-Germain musste die UEFA auf Anraten des CAS einstellen, mögliche Verstöße gegen das Financial Fair Play konnten wegen eines Formfehlers nicht weiter verfolgt werden.

2014 wurde PSG zu einer Strafe von 60 Millionen Euro verurteilt, das Urteil der UEFA im Jahr 2019 fiel moderat aus: Bis zum Ende der vergangenen Saison musste Paris die Mindesteinnahme von 60 Mio. Euro aus Transfers vorweisen, um die Finanzen wieder in Ordnung zu bringen. Auch durch einen neuen Trikotsponsor und einen neuen Ausrüster kam genug Geld auf die Konten, um eine UEFA-Sperre zu vermeiden.

Chelsea und Barca umgehen Transfersperre

Dass die 222 Millionen Euro Ablöse für Neymar nicht in den Bilanzen auftauchen, liegt daran, weil das Geld damals vom Sponsor Katar und nicht von PSG selbst aufs Konto des Brasilianers floss - der die Weltrekord-Ablöse 2018 dann persönlich an seinen Ex-Klub FC Barcelona überwies, um die Ausstiegsklausel zu bezahlen.

Dass nicht nur die UEFA gegen Finanz-Tricksereien zuweilen chancenlos ist, beweisen die Transfersperren der FIFA gegen den FC Chelsea und den FC Barcelona.

Chelsea durfte schon ein halbes Jahr vor dem Ende der ursprünglich bis Sommer 2020 geltenden Sperre wieder Spieler einkaufen, der CAS gab den Blues im Berufungsverfahren 2019 Recht.

Auch Barca legte Einspruch beim Sportgerichtshof ein, der Klub war wegen Transfers von Jugendlichen im Jahr 2015 zu einer einjährigen Sperre verurteilt worden. Der Klub umging das Verbot aber und verpflichtete mit Arda Turan und Aleix Vidal zwei Spieler, die zwar sofort wechselten, aber erst nach Ablauf der Sperre im Januar 2016 in Spielen eingesetzt wurden.

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