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München - Das Urteil der UEFA trifft das Projekt Manchester City bis ins Mark. Sollten die Sanktionen Bestand haben, wären die Folgen für das Guardiola-Team fatal.

Es war ein turbulentes Wochenende für Manchester City - und dabei stand der englische Meister gar nicht selbst auf dem Rasen.

Am Freitagabend die Nachricht, dass die Citizens von der UEFA für die kommenden zwei Saisons aus der Champions League ausgeschlossen und zudem zu einer Geldstrafe von 30 Millionen Euro verurteilt wurden.

Gefolgt von Spekulationen in englischen Medien, dass in der heimischen Liga rückwirkend ein Punktabzug droht - und damit unter anderem der Meistertitel aus der Saison 2013/14 aberkannt werden könnte.

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Womöglich aber ist all das nur die Spitze des Eisbergs. Das Durchgreifen der UEFA, die laut Mitteilung "schwerwiegende" Verstöße gegen das Financial Fairplay (FFP) erkannt hat, trifft den Verein bis ins Mark. Und es könnte sogar dafür sorgen, dass das gesamte Projekt ManCity auf der Kippe steht.

Steigen Bayerns Chancen auf Sané?

Da sind zunächst einmal personelle Fragen: Sollte der englische Meister wirklich zwei Jahre nicht in der Königsklasse spielen dürfen, wird es für das Team von Pep Guardiola kaum möglich sein, alle Superstars zu halten. Spieler wie Kevin De Bruyne, Raheem Sterling oder auch Leroy Sané wollen sich mit den Besten Europas messen.

Im Falle Sanés wird auch der FC Bayern München die Entwicklungen haargenau verfolgen. Die Chancen auf einen Wechsel des Nationalspielers dürften in den vergangenen Tagen jedenfalls nicht gesunken sein.

Und auch Guardiolas Zukunft bei den Engländern hängt am seidenen Faden. Der Katalane wurde im vergangenen Sommer immer wieder mit einem Wechsel in Verbindung gebracht. Zudem hatte The Times im Dezember berichtet, dass der Katalane eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag habe. Demnach könne der 48-Jährige den Klub unter bestimmten Umständen zum Saisonende verlassen, vor allem Juventus wurde immer wieder als Interessent genannt.

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Einem Bericht des Mirror zufolge will Guardiola seinen Vertrag jedoch auch bei möglicher Nichtteilnahme an der Königsklasse erfüllen. Dieser läuft allerdings ohnehin nur noch bis Sommer 2021.

Über 100 Millionen Euro fehlen

City dürfte seine Superstars sicher nicht freiwillig abgeben und auf laufende Verträge pochen. Schließlich bezahlt der englische Meister seinen Spielern gutes Geld - und genau da liegt das nächste Problem. Denn auch die finanziellen Auswirkungen der Nichtteilnahme an der Champions League wären für die Citizens verheerend.

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Fußballfinanzexperte Kieran Maguire rechnete bei der BBC vor: "Liverpool hat mit dem Gewinn der Königsklasse mehr als 100 Millionen Pfund (120 Millionen Euro, Anm. d. Red) verdient, sie haben auch Boni von Sponsoren erhalten - und dann können die sechs oder sieben Heimspiele, die bis zum Finale führen, jeweils fünf Millionen Pfund wert sein."

Wenn man das alles zusammenzähle, sei die Teilnahme an der Champions League für einen Klub umgerechnet bis zu 180 Millionen Euro wert. Das wäre mehr als ein Viertel des Jahresumsatzes der Skyblues.

Manchester City will vor den CAS ziehen

Im vergangenen Geschäftsjahr verbuchte City einen operativen Gewinn von rund zwölf Millionen Euro, 2018 war es ein ähnlicher Betrag. Eine Umsatzlücke von über 100 Millionen Euro würde also ein massives Loch in die Finanzen des englischen Spitzenklubs reißen.

Vom Spiegel im November 2018 geleakte E-Mails und Dokumente von City-Offiziellen hatten gezeigt, dass City-Eigentümer Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan das jährliche Sponsoring in Höhe von 81,2 Millionen Euro offenbar zu großen Teilen selbst finanziert hatte. Anders als deklariert, kamen von den Sponsorengeldern wohl nur rund zehn Millionen Euro von Mansours Fluglinie Etihad, die als Hauptsponsor der Skyblues auftritt.

Nachdem die UEFA diesem durch das FFP untersagten Konstrukt nun ganz offensichtlich auf die Schliche gekommen ist, sind derartige Finanztricks wohl Geschichte. Stattdessen muss ManCity nach aktuellem Stand der Dinge wohl sein Gehaltsvolumen senken und zusätzliche Einnahmen durch Spielerverkäufe generieren. Sonst drohen erneute Probleme beim FFP.

Die Daily Mail nennt in diesem Zusammenhang drei Verkaufskandidaten: Sterling, De Bruyne und Aymeric Laporte.

Wie gravierend die Folgen für City genau sein werden, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar, zumal das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Der Klub hat bereits angekündigt, vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS "schnellstmöglich" gegen das Urteil Berufung einzulegen. 

Klar ist: Bis der CAS sein Urteil fällt, werden die Sanktionen aufgeschoben. Ein Start der Citizens in der kommenden Spielzeit der Königsklasse liegt also weiter im Bereich des Möglichen.

Die Erschütterung, die das Urteil der UEFA ausgelöst hat, bleibt trotzdem enorm. Und sie dürfte mögliche Nachahmer abschrecken.

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