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Berlin und München - Nicht nur der FC Bayern erlebt eine turbulente Saison. Auch Trainer Niko Kovac geht durch ein Wechselbad der Gefühle. Was bleibt?

Nein, Niko Kovac ist nicht nur Stand jetzt der Trainer des FC Bayern. Der Kroate wird es auch in der kommenden Saison sein - auch wenn es anscheinend erst das Double brauchte, damit endlich Tacheles geredet werden konnte.

"Niko Kovac ist definitiv in der kommenden Saison unser Trainer", verkündete Präsident Uli Hoeneß am Sonntag in den Gemäuern des Rathauses am Münchner Marienplatz.

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Mit einem 3:0-Sieg erkämpfte sich die Kovac-Elf gegen RB Leipzig einen Tag zuvor den 19. Pokaltitel sowie das zwölfte Double der Vereinsgeschichte - und Kovac sich seine Jobgarantie.

Rummenigge zieht positive Saisonbilanz

"Damit haben wir eine Saison abgeschlossen, mit der man hochzufrieden sein kann", bilanzierte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

Was sind nach dem letzten Pflichtspiel der Saison 2018/19 aber die Fakten, die laut Sportdirektor Hasan Salihamidzic bereits ohnehin für ihn sprachen - und was bleibt an Negativem haften?

Kovac ist für die sensationelle Aufholjagd von zwischenzeitlich neun Punkten Rückstand auf Borussia Dortmund maßgeblich mitverantwortlich. Doppelsechs und weniger Rotation waren die Patentrezepte. In der Bundesliga blieb sein Team die letzten 14 Spiele ungeschlagen.

"Wie Niko sich über die Saison entwickelt hat, ist einfach fantastisch. Ich habe die Kritik nicht verstanden, weil er von Beginn an gute Arbeit gemacht hat. Dass du mal Dellen in einer Saison hast, ist völlig normal", meinte Düsseldorf-Trainer Friedhelm Funkel im CHECK24 Doppelpass. SPORT1-Experte Marcel Reif ergänzte: "Ich ziehe meinen Hut vor ihm."

Erfolgreichste Rückrunde der Vereinsgeschichte

Hängen bleibt auch die erfolgreichste zweite Saisonhälfte der Vereinsgeschichte. "In der Rückrunde hat die Mannschaft erfolgreichen, großartigen Fußball gespielt", lobte Rummenigge in der ARD.

Aus Kovacs Sicht wichtig: Der 47-Jährige ist trotz einer schwierigen Saison (u.a. Herbst-Krise, Maulwurf-Affäre, fehlende Job-Garantie) zumindest öffentlich seiner Linie treu geblieben, indem er besonnen und respektvoll blieb.

Wollte Kovac mal Frust und Gedanken ablassen, so tat er das - wie bei seinem Menschlichkeits-Appell vor wenigen Wochen ("Weniger draufhauen"). Zwischenzeitlich scheute er sich auch nicht, Spieler öffentlich zu kritisieren (u.a. Niklas Süle). Wesenszüge, die vor allem bei den Fans ankamen.

Als aus der Südkurve am 34. Spieltag mehrfach Kovac-Sprechchöre zu hören waren, war nicht nur Kovac erstaunt, sondern laut SPORT1-Informationen auch einige Spieler. Es könnte der unsichtbare, wenngleich deutlich hörbare Wendepunkt in der Causa Kovac gewesen sein.

Bosse vermeiden Bekenntnisse zu Kovac

Just ab diesem Moment besaß er die Unterstützung einer einflussreichen Schar, deren Meinung die Bosse nicht mehr ignorieren konnten, denn im Gegenzug wurden sie für ihren Umgang mit dem Cheftrainer kritisiert. Mit fehlenden Zukunfts-Bekenntnissen à la "wir werden sehen" (Salihamidzic) erwiesen sie Kovac (Vertrag bis 2021) einen Bärendienst.

Auch deshalb erhielt Kovac, der nun als Erster im deutschen Fußball als Spieler (2003) und Trainer das Double holte, die Unterstützung tausender Fans. In Berlin wurde er gefeiert und sprach nach Abpfiff per Megafon zu ihnen. Hinterher erklärte er: "Titel holt man nur, wenn man eine Symbiose zwischen Mannschaft und Fans hat. Ich habe mich auch von Herzen bedankt, dass sie mich in schweren Zeiten unterstützt haben."

Die laut Verein knapp 15.000 Fans am Marienplatz huldigten seiner Leistung am Sonntag mit "Niko, Niko"-Gesängen. Auf einem Plakat stand geschrieben: "Mia san Kovac!"

Unsichtbare Grenze zwischen Trainer und Spielern

Die Atmosphäre zwischen dem Trainer und Teilen seiner Mannschaft ist hingegen nicht ganz so herzlich: Das Binnenverhältnis ist ein respektvolles, aber nach wie vor unterkühltes. Mehr Zweckbeziehung als echte Liebe.

Bezeichnend dafür, wie bei beiden Jubelorgien nach Abpfiff zu erkennen war, welche unsichtbare Grenze zwischen beiden Parteien herrscht. Öffentlich herzte kaum ein Spieler von sich aus den Trainer oder übergab ihm eine der Trophäen.

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Kovac trottete in der Allianz Arena vergangenen Samstag meterweit seiner Mannschaft hinterher, als sich diese zur Ehrenrunde begab. Kovac wurde weder in die Luft geworfen, noch verpasste man ihm eine spontane Flüssigkeits-Dusche auf der Pressekonferenz. Kein Muss. Aber ein Kann.

Hängen bleibt auch, dass Kovac auf dem Höhepunkt der Herbstkrise, beim 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf, schon einmal kurz vor der Entlassung stand. Seine Position hat das nicht gestärkt. Ebenso wenig wie der mutlose Auftritt im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen den FC Liverpool.

Anschließend kritisierten Spieler öffentlich seine Taktik (u.a. Thiago, Robert Lewandowski). Auch die Bosse grübelten, ob Defensiv-Denker Kovac der Mann für höchste internationale Ansprüche ist.

Kovac aber kämpfte sich zurück, fuhr Titel ein und wird Trainer des FC Bayern bleiben.

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