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Mainz - Jan-Moritz Lichte ist mit Fehlentscheidungen mitverantwortlich für das Aus des FSV Mainz im DFB-Pokal gegen Bochum. War es das letzte Spiel für den Trainer?

War das Jan-Moritz Lichtes letzte große Ansprache als Trainer?

Der Coach rief die Mainzer Profis nach emotionalen 120 Minuten vor dem Elfmeterschießen gegen den VfL Bochum noch einmal zusammen, hielt eine kurze Rede im Kreis – und musste anschließend hilflos mit ansehen, wie die Nerven vollständig versagten. Lähmendes Entsetzen machte sich breit bei den 05ern, der endgültige Tiefpunkt 2020 war kurz vor Mitternacht mit dem 0:3 im Elfmeterschießen erreicht. (SERVICE: Das Spiel zum Nachlesen im Ticker).

Lichte verwechselt sich gravierend

Eine zwischenzeitliche 2:0-Führung? Reichte nicht! Überzahl in der Nachspielzeit gegen einen schon von Krämpfen geplagten Zweitligisten? Reichte nicht! Eine Schiedsrichterleistung, die den Mainzern eher geholfen hat? Reichte nicht! Ein Elfmeterschießen gegen einen Gegner mit einem unerfahrenen Keeper zwischen den Pfosten? Auch das reichte nicht! Die Bochumer holten einen Rückstand auf und krönten ihren couragierten Auftritt mit einem 3:0 im Elfmeterschießen. (Ergebnisse/Spielplan des DFB-Pokals)

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Bezeichnenderweise traten für die 05er drei Einwechselspieler an: Adam Szalai, Kevin Stöger und vor allem der zuvor schon enttäuschende Jean-Philippe Mateta.

Lichte hatte bei seinen Entscheidungen kein glückliches Händchen. Mit Jonathan Burkardt, Leandro Barreiro, Robin Quaison und der ordnenden Hand Danny Latza nahm der Coach Qualität und Mentalität vom Platz, die frischen Kräfte brachten dem Team keinerlei Halt. Besonders die Arbeitsverweigerung von Mateta stach ins Auge, der Franzose wirkte lustlos und verschoss seinen Elfmeter aufreizend lässig. Seine Reaktion? Frust sieht anders aus. Hat da schon jemand mit dem Klub abgeschlossen?

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Lichte wollte auf Nachfrage von SPORT1 nicht den Stab über seinen Angreifer und die anderen Einwechselspieler brechen: "Ich habe mir bei den Wechseln etwas gedacht. Bei der einen Einwechslung kommt mehr heraus als bei einer anderen. Ich bin persönlich sehr enttäuscht - nicht von einem einzelnen Spieler, sondern von dem, was heute und in den letzten Wochen passiert ist."

Der Coach sprach mit Blick auf den Spielverlauf von einem "Sinnbild dessen, was wir schon über Wochen erleben". Adam Szalai ist das perfekte Beispiel dafür: Der Ungar wurde vor der Saison aussortiert, wegen dieser Personalie gingen die Profis in den Trainingsstreik. Nun sollte der Angreifer gegen Bochum retten, was nicht mehr zu retten war. Nur einmal strahlte er etwas Torgefahr aus, ansonsten konnte der 33-Jährige dem Tempo kaum noch flogen. Passend zu dieser Geschichte flog Szalais Elfmeter an den Innenpfosten und von dort aus auf den Rasen zurück.

Lichte ist mit nur sechs Punkten gescheitert

Lichte, der sich stets korrekt, ruhig und sachlich verhalten hat, ist in seinen zwölf Partien als Cheftrainer bei Mainz auch daran gescheitert, dass er aus Individualisten kein Team formen konnte. Sechs Punkte in elf Bundesligapartien und das Pokal-Aus gegen einen Zweitligisten – wenngleich dieser sehr ambitioniert agiert – sind in Summe viel zu wenig für eine weitere Zusammenarbeit. Zwischenzeitlich schien Lichte zwar die Kurve zu bekommen, in drei Partien sammelte das Team fünf Zähler.

Doch dann folgten bittere Niederlagen in Begegnungen auf Augenhöhe in Bielefeld (1:2), gegen Köln (0:1) und Bremen (0:1).

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Das Duell gegen Bochum verdeutlichte, dass nicht alle Profis voll mitziehen. Warum blieben Daniel Brosinski und Stefan Bell, die sich mit dem Klub identifizieren und jahrelang Stützen waren, die komplette Spielzeit auf der Bank? Hätte der gegen seinen Ex-Klub so starke Latza nicht noch sechs Minuten durchhalten können? Warum springen zumeist die jungen Akteure wie Barreiro oder Burkardt in die Bresche und nicht die Erfahrenen? Es gibt viele Fragen, die Lichte am Ende nicht beantworten konnte.

Kehrt Bo Svensson nach Mainz zurück?

"Für den Verein ist es ganz, ganz wichtig, dass jetzt schnell klare Entscheidungen getroffen werden", sagte Lichte.

Er gab mit Blick auf seine Person zu: "Ich kann keine Ergebnisse schönreden. Die Verantwortlichen wissen, wie ich arbeite und was ich tue. Aber sie müssen nun die Entscheidung treffen." Lichte jedenfalls konnte nicht für sich werben.

Somit dreht sich nicht nur alles um Christian Heidel, sondern auch um einen neuen Coach. Bo Svensson gilt als nach SPORT1-Informationen als Wunschkandidat, laut kicker soll es eine Klausel für eine Rückkehr nach Mainz geben.

Rettet Bayern Lichte vorerst den Job?

Das nächste Spiel der 05er steigt am 3. Januar gegen den FC Bayern München. Für einen neuen Trainer wäre kein schwererer Start möglich - erhält Lichte also noch eine Gnadenfrist?

So oder so: Die nächsten Tage sind weit entfernt von einer besinnlichen Weihnachtszeit, wenngleich Lichte betonte, sich die Feiertage "nicht miesmachen" lassen zu wollen.

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