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Essen - Rot-Weiss Essen scheitert im Pokal-Viertelfinale gegen Holstein Kiel nach einem strittigen Elfer. Der VAR greift nicht ein, RWE-Boss Uhlig lässt Dampf ab.

Bayern-Schreck Holstein Kiel steht im Halbfinale des DFB-Pokals, das Märchen von Viertligist Rot-Weiss Essen ist beendet. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Mit 3:0 (2:0) setzte sich der Zweitliga-Zweite am Ende durch, allerdings sorgte der Video-Schiedsrichter einmal mehr für Ärger. (SERVICE: Alles zum DFB-Pokal)

Alexander Mühling (26.) hatte Kiel mit einem umstrittenen Strafstoß in Führung gebracht. Nur zwei Minuten nach dem Elfer erhöhte Janni Serra (28.) für die bis dahin unterlegenen Störche. Kurz vor Schluss traf außerdem Joshua Mees (90.).

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RWE-Boss wettert gegen VAR: "Ein Riesenskandal!"

Schon in der Pause ließ Marcus Uhlig, Vorstand des Regionalliga-Tabellenzweiten Rot-Weiss Essen, wegen des Nicht-Eingreifens des VAR beim Elfer Dampf ab.

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"Dafür ist der Video-Schiedsrichter da, um Fehlentscheidungen zu korrigieren, vor allem grobe Fehlentscheidungen. Das ist eine ganz krasse Fehlentscheidung, da passiert gar nix, das ist für mich ein Riesenskandal", wetterte er bei Sky.

"Wir haben 20.000 Euro für die Installation der Videokameras bezahlt und man fragt sich, ob die alle geschlafen haben", schimpfte Uhlig weiter: "Dann wird man vom Vierten Offiziellen noch arrogant abgekanzelt." (SERVICE: DFB-Pokal: Spielplan und Ergebnisse)

Der RWE-Boss hatte sich in der Halbzeit schon bei Guido Kleve (Vierter Offizieller) beschwert und wollte auch bei Videoassistent Robert Hartmann "anklopfen, vielleicht wecke ich jemanden".

Warum griff der VAR nicht ein?

Was war passiert? Bevor Mühling in der 26. Minute einen strittigen Elfmeter zur Kieler Führung verwandelte, sah Referee Markus Schmidt ein Foul von Essens Dennis Grote an Kiels Finn Porath.

Zwar ging Grote ungeschickt in den Zweikampf und bekam sogar Gelb, Porath fiel jedoch schon früh und bereitwillig zu Boden, bevor es überhaupt einen Kontakt geben konnte.

"Oh wow", kommentierte auch der Essener hinterher selbst bei Sky die Szene, nachdem sie ihm zum ersten Mal vorgespielt wurde: "Ja, so würde ich eher sagen, wir rutschen aneinander vorbei. Das war auch im Spiel mein Gefühl. Ist halt clever gemacht, von mir ein bisschen dumm, dass ich überhaupt runtergehe."

Er habe zwar mit Schiedsrichter Schmidt gesprochen, "aber er hat mir sofort die Gelbe Karte gegeben und gesagt, für ihn ist es klar, und dass sich der Videoschiedsrichter das anguckt".

Porath selbst erklärte in der ARD: "Ich wollte nicht runtergehen, sondern mich in den Gegner reindrehen. Man kann es anders entscheiden, aber dafür haben wir ja den VAR."

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Kiel-Leader Bartels räumt ein: "Da haben wir Glück gehabt"

Selbst Kiels Fin Bartels, Vorlagengeber zum 2:0, räumte ein: "Er (Grote, Anm. d. Red.) geht extrem rein, aber er (Porath, Anm. d. Red.) liegt auch schon halb vorher. Ich weiß nicht, ob es eine klare Fehlentscheidung ist, denn nur dann kannst du ihn ja zurücknehmen, aber da haben wir Glück gehabt."

Für Essens Trainer Christian Neidhart hätte Referee Schmidt aber zwingend nachschauen müssen. "Wenn er diese Möglichkeit hat, egal, wie sicher er sich ist, sollte er das tun. Wenn der Schiedsrichter sich das anschaut, kommt er zu einer anderen Entscheidung", sagte der RWE-Coach.

"Wir haben alle die Bilder gesehen. Ich habe keinen Kontakt gefunden", beschwerte sich Uhlig und meinte, genau dafür gebe es doch den VAR, der in der Bundesliga bei jeder Kleinigkeit eingreife.

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Bitterer Kiel-Doppelschlag gegen Essen

Kurz nach Mühling sorgte Janni Serra (28.) auf Vorlage des Ex-Bremers Bartels sogar für den Doppelschlag innerhalb von zwei Minuten, der letztendlich schon Essens Aus besiegelte.

Für Uhlig wäre dieser Treffer womöglich gar nicht gefallen, wären die Essener nach dem VAR-Ärger nicht noch von der Rolle gewesen. "Der Doppelschlag hat uns gefühlt etwas den Stecker gezogen", meinte er. "Wenn das erste Tor nicht fällt, fällt das zweite auch nicht", war sich auch RWE-Trainer Neidhart sicher.

RWE gab in der Folge nicht nach, spielte mit Wut im Bauch, Simon Engelmann (45.), Marco Kehl-Gomez (45.+3), Isiah Young (64.) und Joshua Endres (80.) kamen zu Chancen. Kiel blieb insgesamt behäbig, fand durch die Führung aber auch deutlich mehr Sicherheit und geriet nicht mehr in Bedrängnis.

Essen schaltet mehrere Bundesligisten aus

Essen hatte auf dem Weg ins Viertelfinale zuvor die Bundesligisten Bayer Leverkusen (Achtelfinale) und Arminia Bielefeld (1. Runde) sowie Bundesliga-Absteiger Fortuna Düsseldorf (2. Runde) ausgeschaltet.

Kiel hatte vor allem mit dem Sieg gegen Triple-Sieger FC Bayern München in der 2. Runde für Aufsehen gesorgt, neben Oberligist 1. FC Rielasingen-Arlen (1. Runde) wurde auch der SV Darmstadt 98 (Achtelfinale) besiegt - und so steht Holstein nun erstmals nach 80 Jahren wieder im Halbfinale des nationalen Pokalwettbewerbs.

Überhaupt erst einmal hatte Holstein bislang die Runde der letzten Vier erreicht: Zu Kriegszeiten stand Kiel 1941 im Halbfinale des Vorgänger-Wettbewerbs Tschammerpokal, ins Finale schaffte der Klub es nie - am 1. oder 2. Mai hat er dazu nun erneut die Chance.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)

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