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Jürgen Klinsmann kann die Berliner Kritik an seinem Sohn nachvollziehen
Jürgen Klinsmann kann die Berliner Kritik an seinem Sohn nachvollziehen © Imago
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Der Torhüter musste zuletzt bei Hertha BSC harte Worte über sich ergehen lassen. Klinsmann senior hat dazu seine Meinung. Auch über Joachim Löw spricht er.

Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat sich in einem kicker-Interview zur öffentlichen Kritik von Herthas Torwarttrainer Zsolt Petry an seinem Sohn Jonathan geäußert.

"Natürlich hat Zsolt recht. Jonathan muss lauter werden auf dem Platz, mehr Persönlichkeit zeigen, mehr coachen. Aber das weiß er selbst, und das wird kommen", sagte Klinsmann.

Petry hatte Anfang März den 20 Jahre alten Jonathan Klinsmann, der bei Hertha BSC Torwart Nummer drei ist, in den Medien hart kritisiert. Der Ungar vermisse beim in den USA aufgewachsenen Klinsmann aktuell "das seriöse und fokussierte Arbeiten", da sei er "noch ein bisschen zu amerikanisch".

Dafür bekam der Torwarttrainer von Manager Michael Preetz einen Rüffel, Klinsmann senior sieht die Sache gelassener: "Ich war mit Zsolt neulich einen Kaffee trinken in Berlin. Wenn ein Trainer so etwas öffentlich sagt, will er dich anstacheln. Das hat Jonathan verstanden."

Klinsmann glaubt an Vereinszukunft von Löw

In dem Interview geht Klinsmann auch auf die Frage ein, ob sein Nachfolger Joachim Löw noch einmal als Vereinstrainer arbeiten wird.

"In seiner Güteklasse reden wir von den Top-6-Klubs auf der Welt. Wenn einer von denen den richtigen Moment erwischt, kann ich mir vorstellen, dass Joachim das reizt", sagte Klinsmann in einem Interview mit dem Kicker: "Mich hat damals der FC Bayern gereizt. Wenn Real Madrid oder Barcelona bei ihm anklopfen, reizt ihn das vermutlich auch."

Klinsmann, der nach dem Aus als Nationaltrainer der USA vor zwei Jahren nicht mehr als Trainer gearbeitet hat, sieht sich dagegen auch wegen seiner familiären Situation in naher Zukunft wieder als Nationaltrainer.

Klinsmann sorgt sich um Bundesliga

Zwölf Jahre nach dem WM-Sommermärchen in Deutschland spricht der 53-Jährige weiter positiv über seinen damaligen Co-Trainer: "Er ist ein Glücksfall für den DFB. Und der DFB wird alles tun, um ihn möglichst lange zu behalten."

Deutschland nicht der Topfavorit

Für Klinsmann ist die deutsche Nationalmannschaft bei der WM in Russland nicht der heißeste Anwärter auf den Titel. "Wir sind einer der Favoriten - aber nicht der Top-Favorit", sagte der frühere Bundestrainer.

Vor allem von der Entwicklung Englands zeigte sich der frühere US-Nationalcoach angetan. "England hat eine spannende Mannschaft mit vielen jungen, hochtalentierten Spielern und verfolgt inzwischen einen anderen Ansatz", sagte Klinsmann. Der Fußball auf der Insel hole sich viel Input von außen. Geheimfavorit auf den Titel ist für den 53-Jährigen allerdings Argentinien.

Für Deutschland sei es schwer, den Titel zu verteidigen. "Du musst noch mal den gleichen Hunger entwickeln, das ist unglaublich schwer. Ich habe es 1994 und 1998 bei der WM erlebt. Da hatten wir den Hunger, den wir 1990 hatten, nicht mehr", sagte der Weltmeister von 1990.

Klinsmann: Mertesacker hat Stärke gezeigt

Nach der Offenbarung von Per Mertesacker im Gespräch mit dem Spiegel, in dem es unter anderem um Druck im Profifußball ging, schlägt sich Klinsmann auf die Seite des Arsenal-Profis. "Es hat mir imponiert, dass er so geradeaus und ehrlich darüber geredet hat. Er hat damit vermutlich vielen Kollegen aus der Seele gesprochen", erklärte der 53-Jährige. 

So kann Klinsmann auch die Kritik von Lothar Matthäus nicht nachvollziehen, der gesagt hatte, "Mertesacker hätte ja aufhören können, wenn der Druck zu groß gewesen sei".

Klinsmann sieht es genau andersherum. "Gerade weil er eben nicht aufgehört hat, sondern sich trotz der psychischen Anspannung einen Weg gefunden hat, eine Super-Karriere hinzulegen, hat er Stärke gezeigt. Kapitän in einem Klub wie Arsenal wirst du mal nicht eben so." 

Der ehemalige Nationaltrainer der USA zieht dabei auch einen Vergleich mit Lukas Podolski. "Es gibt Typen, die schweben über den Dingen, wie Lukas Podolski. Per war immer eher nachdenklich und der ruhende Pol."

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