Wie Sandro Wagner vom Talent zum Typen wurde
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München - Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann spricht über Probleme im Umgang mit Sandro Wagner. Er hält aber auch ein Plädoyer für ihn.

Wie tickt Sandro Wagner als Mensch? Das ist die große Frage, die über seiner Ausbootung aus Deutschlands WM-Kader steht.

Geht es nach Bundestrainer Joachim Löw, gibt es an dem Stürmer charakterlich nichts auszusetzen.

Erst am Dienstag hat Löw über Wagner gesagt: "Er hat seine Spiele bei uns mit vollem Engagement absolviert und einen sehr guten Charakter." Da begründete er gerade dessen Nichtnominierung. Mit Komplimenten kann man jemandem das WM-Aus auch erleichtern.

Ist Wagner ein Querkopf?

Jedem, nur nicht Wagner. Der hält sich nämlich selbst für jemanden, der Dinge anspricht. Ein Geradeaus-Typ eben.

Diese Art passt angeblich nicht zu den Entscheidungsträgern im DFB-Team. So sieht es Wagner. Deshalb ist er inzwischen sogar aus der Nationalmannschaft zurückgetreten.

Welche Version stimmt denn nun? Ist Wagner ein Querkopf, der sich über die Interessen des Kollektiv stellt? Oder mag der Bundestrainer einfach keine unmündigen Spieler bei sich? 

Einer der wissen muss, wie Wagner tickt, ist Julian Nagelsmann, sein Ex-Trainer aus Hoffenheim.

Nagelsmann: Man muss Typen wie Wagner auch Raum geben

Der Bild sagte Nagelsmann vor gut einer Woche, Wagner sei "ein außergewöhnlich toller Mensch, der auf dem Feld nicht immer ganz einfach zu führen war". Er fügte hinzu: "Das weiß er auch - glaube ich."

Nichtsdestotrotz hat Nagelsmann Wagner als bereichernd empfunden. "Es ist für die Entwicklung eines Trainers wertvoll, auch mal mit jemanden zu arbeiten, der nicht ganz stromlinienförmig ist", sagte er, "das hat mich auch wachsen lassen. Ich hatte davor eher weniger komplizierte Spieler."

Thon kanzelt Wagner ab: "Muss drei Kreuze machen"

Für Nagelsmann war Wagner ein Spieler, der sich von Mal zu Mal im Grenzbereich bewegt hat. "Es gibt auch mal Situationen, wo du drüber hinweg schauen musst über irgendwas, was du nicht sofort sanktionieren willst", sagte er über seinen Ex-Spieler. 

Insgesamt verteidigte Nagelsmann Fußballer vom Schlage Wagners jedoch. "Es ist wichtig, dass man Leute, die eine Meinung haben, diese auch äußern lässt und sie nicht immer klein bügelt", sagte er. Man müsse solchen Profis "auch einen gewissen Raum" geben, "wenn sie ein bisschen extrovertierter sind, das auch auszuleben".

Als versteckte Kritik an Löws Personalentscheidung kann man sein Plädoyer allerdings nicht deuten. Nagelsmanns Aussagen entstanden, bevor Löw seinen Kader bekanntgab.

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