vergrößernverkleinern
Pro und Contra: Florian Plettenberg (li.) und Martin Volkmar beleuchten Joachim Löws Kadernominierung für die WM 2018 in Russland © SPORT1-Grafik: Marc Tirl/Getty Images/SPORT1
teilenE-MailKommentare

Dortmund und München - Ohne Mario Götze, dafür mit dem verletzen Manuel Neuer und Außenseiter Nils Petersen: Joachim Löws WM-Kader birgt viel Stoff zur Diskussion. Das Pro und Contra.

Pro: Weltmeisterliche Mischung und ein großer Trumpf

Von Florian Plettenberg: Chefreporter Digital

27 Spieler hat Bundestrainer Jogi Löw in seinen vorläufigen WM-Kader berufen. Die Mischung? Weltmeisterlich! Trotz vieler Sorgenkinder wie Neuer (Mittelfußbruch), Boateng (Muskelbündelriss) und Özil (Rücken). Trotz vermeintlicher Backups auf Mittelklasse-Niveau wie Ginter, Plattenhardt und Rudy.  

Nur allzu verständlich ist es auch, dass ehemalige WM-Helden wie Götze, Schürrle, Höwedes oder Mustafi nicht berufen wurden. Ihre Leistungen in den vergangenen Monaten hätten eine Aufnahme in den Kader schlichtweg nicht gerechtfertigt. Petersen für Wagner? Kann man auch machen. Ein Stoßstürmer wie Gomez reicht.

Fakt ist, dass der Großteil der Mannschaft von fitten Weltmeistern wie Hummels, Khedira, Kroos und Müller angeführt wird. Und von Supertalenten mit Potenzial zum WM-Durchstarter wie Kimmich, Sane und Werner. Sie werden Jogis Achse bilden.

Süle, Rüdiger, Brandt, Goretzka, Gündogan und Reus haben ihre Fähigkeiten national und international längst unter Beweis gestellt. Sie kann Löw jederzeit bringen.

Der größte Trumpf der Mannschaft ist für mich aber das Trainerteam. Löw und seine Co-Trainer Schneider, Sorg, Köpke und Manager Bierhoff sind eingespielt, hochmotiviert und wissen sogar Aufreger-Themen wie das Erdogan-Foto von Özil und Gündogan konsequent zu lösen. Weltmeisterlich eben.

Mit Neuer, ohne Götze! Löws WM-Kader in der Übersicht

Contra: Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt

Von Martin Volkmar: Verantwortlicher Redakteur

Mag sein, dass ein Großteil des deutschen WM-Kaders schon seit Monaten feststand. Mag auch sein, dass die meisten Spieler in der Vergangenheit ihre Verdienste für die DFB-Auswahl hatten.

Nur: Rein nach dem Leistungsprinzip kann ich einige Entscheidungen von Joachim Löw nicht nachvollziehen.

Im Tor etwa birgt das Festhalten am seit acht (!) Monaten pausierenden Manuel Neuer einige Risiken. Denn wenn der Kapitän nicht fit wird, klafft hinter Ersatzmann Marc-Andre ter Stegen eine große Lücke.

Gemessen an den Leistungen und den Statistiken hätten sowohl Sven Ulreich als auch Ron-Robert Zieler eine WM-Nominierung weit eher verdient gehabt als PSG-Reservist Kevin Trapp und auch Bernd Leno.

Noch unverständlicher ist für mich der Verzicht auf Sandro Wagner, der beim Confed Cup seinen Wert für die Nationalmannschaft bewiesen hat, in der Rückserie bei Bayern täglich in einem Weltklasse-Kader trainierte und dort Champions-League-Erfahrung sammelte.

Zudem kam der Stürmer trotz seiner klaren Rolle als Ersatzmann von Robert Lewandowski auf zwölf Tore in 25 Bundesligaspielen, obwohl er nur 18-mal in der Startelf stand. Der stattdessen überraschend berufene Nils Petersen traf hingegen bei 32 Einsätzen nur zehnmal aus dem Spiel (plus fünf Elfmetertreffer) und wäre mit Freiburg fast abgestiegen.

Das muss man nicht verstehen - ebenso wenig wie das Festhalten des Bundestrainers an Jonas Hector (mit Köln abgestiegen) und Marvin Plattenhardt (mit Berlin nur Mittelmaß), während der beste deutsche Linksverteidiger Nico Schulz aus Hoffenheim ebenso wenig ein Thema war wie der zweitbeste Torvorbereiter Philipp Max aus Augsburg.

Mindestens auf dieser Position könnte Löws Entscheidung bei der WM noch gravierende Nachteile haben. Dabei hätte es nicht nur hier rein nach der Leistung bessere Kandidaten gegeben.

-----

Lesen Sie auch:

Das ist Löws vorläufiger WM-Kader

Löw begründet Petersen-Nominierung

Nächste Artikel
previous article imagenext article image