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München - Muss Mesut Özil die Hymne singen, damit sich der Erdogan-Wirbel legt? Stefan Effenberg stößt im CHECK24 WM Doppelpass eine emotionale Diskussion an.

Gefährdet der Ärger um Mesut Özil und Ilkay Gündogan die Mission Titelverteidigung bei der WM 2018 in Russland?

Heftig diskutiert werden die Folgen ihres Fotos mit Recep Tayyip Erdogan auf jeden Fall weiterhin. Stefan Effenberg, früherer Kapitän des FC Bayern München, hat im CHECK24 WM Doppelpass eine kontrovers geführte Debatte um die beiden ausgelöst.

Effenberg, der bereits unter der Woche wegen des Falls Özil/Gündogan massive Kritik am DFB geübt hatte, befand vor dem ersten Gruppenspiel gegen Mexiko (ab 17 Uhr im LIVETICKER), die Mannschaft habe in dieser Hinsicht "ein Päckchen" mit nach Russland genommen, "und das sind die beiden, das kann man nicht einfach wegschieben".

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Und das war nur der Anfang.

Effenberg: "Dann muss Özil die Hymne singen"

Effenberg bekräftigte in der Dopa-Runde seine Meinung, dass der DFB und Löw Özil und Gündogan eigentlich nicht nominieren hätten sollen (SERVICE: Der WM-Spielplan).

"Beide wussten definitiv, was sie tun, das ist Fakt", befand der 49-Jährige, der bei der WM 1994 selbst wegen der berühmten Stinkefinger-Affäre nach Hause musste: "Fakt ist dann auch, dass der DFB - wäre er konsequent - beide zuhause gelassen hätte. Da sie es nicht getan haben, haben sie ein Riesen-Problem, und das Problem werden sie die nächsten vier Jahre mit sich herumtragen. Punkt, Ende, Aus!"

Auch in weiteren Punkten ging er über die Kritik hinaus, die unter anderem auch SPORT1-Experte Reinhold Beckmann und der frühere DFB-Mediendirektor Harald Stenger an Özil, Gündogan und dem Krisenmanagement des DFB übten.

Als Stenger Özils Schweigen über das Thema kritisierte, hakte Effenberg ein: "Wenn er so zu seinem Land, Deutschland, steht, dann muss er auch die Hymne mitsingen."

Stenger: Özil soll "sich treu bleiben"

Effenberg bekam für diese Ansicht Applaus aus dem Publikum, stieß in der Runde auf deutlichen Widerspruch.

"Auch wenn ich mit jetzt ein Pfeifkonzert einhandle: Seit Özil spielt, hat er nie die Nationalhymne gesungen", antwortete Stenger: "Er hat mehrfach erklärt, dass er sich in diesem Moment konzentriert und ein Gebet spricht. Das kann man auslachen, aber an der Stelle stehe ich hundertprozentig hinter Mesut. Da braucht er sich jetzt nicht unter Druck setzen lassen und muss sich treu bleiben."

Stenger warnte: "Wir müssen darauf achten, rechtspopulistischen Trittbrettfahrern mit diesem Argument nicht noch eine zusätzliche Bühne geben." Der frühere DFB-Pressesprecher kritisierte Özil, Gündogan und den DFB ausdrücklich, fand auch die Pfiffe gegen Gündogan beim Testspiel gegen Saudi-Arabien völlig legitim: "Aber was sich da zuletzt in den sozialen Medien breitgemacht hat, die rechtsradikalen Hohlköpfe mit ihren dummen Gags: Da mahne ich bei solchen Diskussionen zur Vorsicht."

Beckmann und andere wiesen zudem darauf hin, dass das Singen der Hymne bei früheren Nationalspielern gar nicht üblich war - tatsächlich ordnete dies erst Franz Beckenbauer 1984 an. Stenger erinnerte zudem daran: "Der Großteil der Spieler mit Migrationshintergrund singt mit."

Oliver Pocher: "Man pickt Rosinen raus" 

Moderator Oliver Pocher neigte trotzdem eher zu Effenberg: "Man nimmt immer die ganzen Vorteile der Nationalmannschaft mit, aber ich glaube, wenn die Türkei erfolgreicher wäre, hätten sie tendenziell eher für die Türkei als für Deutschland gespielt. Das ist einfach Fakt: Man pickt sich die Rosinen raus. Auch wenn zwei Herzen in ihrer Brust schlagen, es wäre schon ein Statement mitzusingen."

Pocher sah es letztlich doch aber auch nicht ganz so eng: "Sie können auch Lip Sync (Playback, d. Red.) machen, so tun als ob. Es muss auch nicht so ein Mitschmettern wie bei Italien sein. Es bräche aber wirklich keinem ein Zacken aus der Krone, wenn er ein bisschen mitsummt."

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