Das sagt Löw zur Bayern-Krise
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Berlin - Nach der Sieglos-Serie der Bayern sollen Manuel Neuer, Mats Hummels und Co. die Köpfe im Kreis des DFB-Teams frei bekommen. Der Bundestrainer redet seine Achse stark.

Davon, dass sechs Nationalspieler des FC Bayern mit dem Rekordmeister zuletzt vier Spiele in Folge sieglos blieben, war im Kreise der Nationalmannschaft beim öffentlichen Training am Dienstagabend kaum etwas zu spüren.

Manuel Neuer etwa hielt im Trainingsspiel auf engem Raum mehrfach weltklasse, Thomas Müller zeigte sich treffsicher (Traumtor mit rechts in den Winkel), Joshua Kimmich war spritzig und zweikampfstark. Jerome Boateng indes trainierte in kleiner Gruppe und absolvierte mehrere Läufe.

Einziger Wermutstropfen: Leon Goretzka blieb wegen einer Muskelverhärtung in München. Für ihn rückte Teamkollege Serge Gnabry nach.

Bei ausgelassener Stimmung vor rund 5000 Zuschauern im Amateurstadion von Hertha BSC wird Löw die Leistung der Frust-Bayern registriert haben. "Sehr zufrieden. Seeehr zufrieden" sei er, sagte Bundestrainer Joachim Löw lächelnd zu SPORT1 über seinen Trainings-Eindruck und verschwand nach zahlreichen Autogrammen und Selfies in der Kabine. 

Löw glaubt an seine Bayern-Achse

Schon vormittags hatte der 58-Jährige klar gemacht, dass er der Bayern-Achse zutraut, die fußballerischen Sorgen des Alltags im Verein vergessen zu können.

"Flache Hand ins Gesicht": Müller spricht über Bayern-Krise

"Boateng, Müller, Hummels und Neuer haben viel Erfahrung und können innerhalb einer Woche wieder eine ganz andere Leistung zeigen als letzten Samstag", prophezeite Löw nach der 0:3-Heimpleite der Bayern gegen Borussia Mönchengladbach.

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Den Beweis freilich müssen die Spieler in den kommenden beiden Spielen in der Nations League gegen die Niederlande (Sa., ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) und Frankreich (Di., 16. Oktober) erst noch liefern. Der Trainingseindruck war jedoch schon mal positiv.

Noch am Vormittag wirkten die Angereisten locker (Müller, Joshua Kimmich) bis angespannt (Boateng, Neuer). In drei Gruppen erreichten sie am Dienstagvormittag das DFB-Quartier in Berlin.

Kimmich kam um 12.45 Uhr an, Boateng um 12.50 Uhr. Sie nutzten den freien Montag, um am Tag darauf individuell in die Hauptstadt anzureisen. Müller und Neuer fuhren um 13.15 Uhr vor, zwei Minuten später stiegen Mats Hummels, Niklas Süle und Ex-Bayer Sebastian Rudy aus dem schwarzen Van eines DFB-Sponsors.

Löw will Bayern-Stars stark reden

"Die Situation hatten wir in der Vergangenheit häufiger. Manche Spieler kommen mit Selbstvertrauen, weil sie gewonnen oder gut gespielt haben. Manche hatten vielleicht kein Erfolgserlebnis. Ich glaube aber, dass sich die Spieler alle freuen, wenn sie zur Nationalmannschaft kommen", so Löw.

Direkt nach seiner Ankunft am Teamhotel machte der Bundestrainer klar, dass er mit der Bayern-Fraktion Gespräche führen werde. Wie fühlen sie sich? Was waren die Gründe für den Sieglos-Lauf? Löw weiß wie kein Zweiter, dass er eine starke, selbstbewusste Bayern-Basis braucht, um die Nationalmannschaft nach dem WM-Debakel wieder auf Kurs zu führen.

Die gebeutelten Münchner redete der Bundestrainer entsprechend stark. "Ich weiß, welche Qualitäten diese Spieler haben. Es war in der Vergangenheit schon immer so, dass manche Spieler im Verein nicht in einer Topverfassung waren, in der Nationalmannschaft aber trotzdem eine tolle Leistung gebracht haben."

Bayern-Trainer Niko Kovac wisse, "wo er den Hebel ansetzen muss", glaubt Löw - allerdings muss es der Bundestrainer selbst schaffen, bei Hummels und Co. eben jenen Hebel umzulegen, um die Stärken zu reaktivieren und aktuelle Schwächen auszumerzen.

Wo ist der alte Manuel Neuer? 

So gilt es, Manuel Neuer an dessen früheres Level vor der Verletzung wieder heranzuführen. In der laufenden Spielzeit gibt der Bayern-Keeper bislang ein ungewohnt unsicheres Bild ab und hielt nur 58 Prozent aller Schüsse auf sein Tor - das ist der zweitschlechteste Wert der Bundesliga. Sein Schnitt lag ansonsten bei 78 Prozent. 

Auch bei Dauerbrenner Kimmich, dessen 35 Flanken noch zu keinem einzigen Tor in dieser Spielzeit führten, gibt es noch viel Luft nach oben. Die beiden Innenverteidiger Boateng und Hummels leisteten sich trotz beachtlicher Zweikampfquote (65, bzw. 67 Prozent) ungewohnte Fehler.

Und Müller? Der erzielte nach fünf Scorer-Punkten aus den ersten vier Bayern-Pflichtspielen in den darauffolgenden sieben keinen einzigen mehr.

Viel Arbeit also für den Bundestrainer. Schafft er es tatsächlich, die derzeitigen Sorgenkinder wieder zu alter Stärke zu führen, wird man das sicherlich auch in München wohlwollend zur Kenntnis nehmen.

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