Werner über FCB-Stars: "Schlechte Phase hat sie nicht verändert"
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Berlin - Timo Werner verrät im SPORT1-Interview, wie ihn sein Vater zum Sprinter machte, was er von Löw und der Nations League hält und warum ihn die Kritik an Götze aufregt.

Timo Werner kam mit ordentlich Rückenwind zur DFB-Elf, beim 6:0-Sieg seines RB Leipzig in der Bundesliga gegen den 1. FC Nürnberg erzielte der 22-Jährige einen Doppelpack. Mit vier Saisontoren ist Werner gemeinsam mit Marco Reus der treffsicherste deutsche Stürmer.

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Beim Spiel in den Niederlanden am Samstag (UEFA Nations League: Niederlande - Deutschland am 13.10. ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) will Werner an seine gute Form anknüpfen.

Dabei setzt er vor allem auf seine Schnelligkeit. Woher er diese hat, erzählt er im SPORT1-Interview. Außerdem spricht der gebürtige Stuttgarter über sein Verhältnis zu Bundestrainer Joachim Löw, die Nations League und erklärt, was ihn an der Kritik an Mario Götze nervt. 

SPORT1: Herr Werner, Ihr Vater soll ein passabler Angreifer gewesen sein. Hat er Ihnen die Stürmer-Gene in die Wiege gelegt?

Timo Werner: Er hat auf jeden Fall das Schießen sehr intensiv mit mir trainiert.

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SPORT1: Wie?

Werner: Wir sind in Stuttgart immer auf einen Fußballplatz gegangen, der nahe meines Elternhauses war. Er hat mir dann die Bälle zugespielt und ich musste beide Füße trainieren. Vor allem den linken, damit der besser wird. Mit rechts ging es. Er hat mit mir aber nicht nur viel Schusstraining gemacht, sondern auch die Schnelligkeit trainiert. Darüber bin ich sehr froh.

"Mein Vater hat mich einfach irgendwo hochgejagt"

SPORT1: Wie sah das aus, wenn Ihr Vater Sie schneller machen wollte?

Werner: Das war alles alte Schule. Nicht wie heute mit irgendwelchen Bändern. Er hat mich einfach irgendwo hochgejagt, bis ich nicht mehr konnte. Sein Motto war immer: Will man schnell sein, braucht man Kraft in den Beinen. Das war nur durch Bergläufe und lange Sprints zu erreichen.

SPORT1: Er soll auch recht schnell unterwegs gewesen sein.

Werner: Das stimmt. Er hat mir aber gesagt, dass er nicht so schnell war wie ich. Aber diese guten Gene habe ich von ihm auf jeden Fall bekommen. Der Rest war Glück.

SPORT1-Reporter Florian Plettenberg traf Timo Werner zum Interview
SPORT1-Reporter Florian Plettenberg traf Timo Werner zum Interview © DFB/PHILIPPREINHARD.COM

SPORT1: Auffällig ist, dass Sie in den vergangenen zwei Jahren körperlich enorm zugelegt haben. 

Werner: Ich bin ja auch älter geworden (lacht). Ich wurde mit 18 Jahren Profi. Da sieht man nun mal noch viel kindlicher aus. Körperlich ist bei mir aber noch viel möglich. Ich kann noch stabiler werden. Man sieht das ja auch bei Emre und Leroy.

SPORT1: Stimmt.

Werner: Sie sind durch ihre Zeit in England im Oberkörper-Bereich breiter geworden und auch in den Beinen. Da denke ich mir schon: 'Boah, die Engländer trainieren schon hart.' Man hört ja auch oft, dass dort viel Krafttraining gemacht wird. Bei mir kommt es durch das Athletiktraining. Wenn mich meine Oma oder meine Tanten immer mal wiedersehen, sagen sie immer zu meinen Eltern: 'Boah, ist der breit geworden.' Mir fällt das aber gar nicht mehr so auf. Ich bin jetzt in einer Phase, wo ich noch zulegen kann, um dann eine optimale Statur zu haben.

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SPORT1: Stichwort "optimal". Auf welcher Position fühlen Sie sich am wohlsten?

Werner: Wo genau ich vorne spiele, ist mir völlig egal. Die drei Positionen vorne drin sind in unserem System so flexibel, da kann jeder jede Position spielen und so wollen wir es auch. So, dass der eine mal über die Mitte und der andere über den Flügel kommt. Diese Variabilität erwartet der Bundestrainer auch von uns. Mir kommt das sehr entgegen, denn ich bin ein Spieler, der ungern einfach in der Mitte rumsteht und wartet. Ich suche auch gerne meine Wege nach außen und schaffe mir Platz.

"Löw ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben"

SPORT1: Bitte vervollständigen Sie: Jogi Löw ist für mich…

Werner: … ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben.

SPORT1: Warum?

Werner: Er hat mich in einer schwierigen Zeit zur Nationalmannschaft geholt und mich immer unterstützt. Damals war ja die Diskussion um die Schwalbe. Er hat trotz dieses Fehlers voll zu mir gestanden und mir abgenommen, dass es keine böse Absicht war. Da hätten viele andere anders reagiert. Er hat immer auf mich gesetzt und mir Vertrauen und Respekt entgegengebracht. Ich hoffe sehr, dass ich das Vertrauen weiter zurückzahlen kann.

SPORT1: Dabei war nach dem WM-Debakel nicht mal klar, dass er weitermacht.

Werner: Ich freue mich, dass er Bundestrainer geblieben ist. Für mich ist das sehr gut, weil er ein sehr großer Förderer von mir ist. Und wenn der Förderer dann auch noch Bundestrainer ist, kann das für einen Spieler nur gut sein.

SPORT1: Wie ist ihr Kontakt zu Löw?

Werner: Er war öfter bei den Spielen von Leipzig und beobachtet viel. Wenn er vor Ort ist, sucht er das Gespräch mit mir. Zehn, 15 Minuten. Auf einem Lehrgang wie jetzt tauschen wir uns auch alle paar Tage mal aus. Viele Experten meinen nun, er müsste das wegen der WM machen. Aber er hat das vor der WM auch schon gemacht. Er ist zu jedem Spieler immer offen gewesen, hat immer gefragt wie es einem geht, wie man sich fühlt. Das hat mir imponiert, denn man hat sich nicht verstoßen gefühlt, sondern vom Trainer aufgenommen und verstanden.

Kritik an der Nations League

SPORT1: Verstehen Sie eigentlich den Modus der Nations League?

Werner: Ehrlich gesagt: Nein. Ich weiß, dass der Gewinner unserer Gruppe am Ende in ein Final Four kommt und es dann ein Finale gäbe. Der Modus ist auf den ersten Blick nicht ganz so einfach.

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SPORT1: Kritik?

Werner: Ob es jetzt so gut ist, dass wir durch die Nations League die EM-Qualifikation innerhalb eines Jahres durchziehen? Das stelle ich mal zur Diskussion, denn es ist schon ein sehr straffes Programm. Für uns als deutsche Nationalmannschaft ist es aber cool, dass wir jetzt gegen andere große Nationen spielen und mit Holland und Frankreich zwei Riesen-Nationen bekommen haben.

SPORT1: Sie als Spieler sind sich aber darüber bewusst, dass sie in dem Modus absteigen können, oder?

Werner: Ja, das wissen wir. Aber selbst, wenn wir absteigen würden, ändert sich ja nichts, wenn wir die EM-Qualifikation bestehen. Aber klar, dann wäre der Aufschrei wieder groß. Wichtig ist, dass wir durch die Quali durchmarschieren. Die Nations League ist aber auch eine gute Sache, weil es jetzt um Punkte geht, man will gewinnen. Und es geht um Prestige.

SPORT1: Wie am Samstag gegen Holland. Welche drei Worte verbinden Sie mit unserem Nachbarland?

Werner: Orange, schnell, technisch stark.

SPORT1: Das ist für die aktuelle Elftal durchaus zutreffend.

Werner: Holland hatte schon immer eine gute, schnelle Mannschaft mit technisch starken Spielern. Auch, wenn sie zuletzt vielleicht einen kleinen Durchhänger hatten. Hinten haben sie mit van Dijk (Liverpool, d. Red.) einen Weltklasse-Innenverteidiger und mit de Ligt (Ajax Amsterdam, d. Red.) einen, der jetzt schon sehr hoch gehandelt wird. Es ist eine junge Mannschaft. Ein Ebenbild von Ajax Amsterdam. Die Spielstile ähneln sich.

Werner stärkt Götze den Rücken

SPORT1: Lassen Sie uns bitte noch kurz über Weltmeister-Torschütze Mario Götze sprechen. Ist sein Werdegang mit all den sportlichen Höhen und aktuellen Tiefen ein warnendes Beispiel für Sie als junger Spieler?

Werner: Mario wird sehr viel Unrecht getan. Jedes Mal zu schauen, ob er fit ist, ob er spielen kann oder warum er auf der Bank sitzt. Das sollte man mal runterschrauben. Er hat gegen Augsburg neulich ein richtig gutes Spiel gemacht und getroffen. Mario hat das Fußballspielen nicht verlernt, er ist ein super Spieler. Jürgen Klopp sagt ja auch immer, dass er der beste Spieler war, den er jemals trainiert hat.

SPORT1: Wie findet er zurück zu alter Stärke?

Werner: Ich wünsche ihm, dass sich die Aufregung um seine Person jetzt mal legt. Kommt dann alles wieder in ruhigere Gewässer, dann glaube ich, dass es bei ihm wieder bergauf gehen kann. Er ist ein fantastischer Fußballer. Jeder in Deutschland sieht in Götze meistens 'nur' noch den Helden, der uns zum WM-Titel geschossen hat. Dass er zeigen sollte, dass er besser als Messi sei. Sein Tor hat er super gemacht. Das steht über allem. Aber wie soll man das toppen? Er kann ja nicht jedes Spiel zehn Weltmeister-Tore schießen. Damit wird er aber immer sofort verbunden. Man sollte seine Leistung mal wieder nüchtern betrachten und nicht immer mit der Weltmeister-Latte.

SPORT1: Würden Sie sich gegen so ein geschichtsträchtiges Tor wehren?

Werner: Wer hätte da schon was dagegen (lacht).

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