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München - Im zentralen Mittelfeld hat Joachim Löw ein Überangebot. Sieben Kandidaten streiten sich um maximal drei Plätze. Gesetzt ist Joshua Kimmich. Das hat Gründe.

Wie ein Terrier hechtete Joshua Kimmich am Freitag beim lockeren Kreisspiel dem Ball hinterher. Bloß nicht in die Mitte müssen wegen eines Fehlpasses, stattdessen volle Konzentration und Vollgas schon beim Aufwärmprogramm.

Eine Szene, die viel über den 24-Jährigen aussagt und erklärt, warum ihn Bundestrainer Joachim Löw in der deutschen Nationalmannschaft trotz namhafter Konkurrenz im Zentrum die Fäden ziehen lässt. Dort, wo er auch schon in der Jugend spielte.

Endlich die 6

Zum einen baut sich Löw mit Thilo Kehrer gerade einen Kimmich-Nachfolger auf der rechten Seite auf. Zum anderen weiß der Bundestrainer, neben der Verbissenheit, um Kimmichs weitere Mittelfeld-Stärken: Beidfüßigkeit, Antizipationsgabe, Passsicherheit und Zweikampfverhalten.

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Auch optisch ist Kimmich nun ein Sechser, denn im DFB-Dress trägt der Bayern-Star fortan die Nummer 6. Seine "Lieblingsrückennummer", wie er selbst sagt, übernahm er von Kumpel Leon Goretzka, der wiederum seine 18 übernahm.

Dass ihm diese Nummer jetzt zugeteilt wurde, zeigt, dass Löw mit Kimmich auch zukünftig im defensiven Mittelfeld plant. Ungeachtet dessen, dass er sich beim FC Bayern zu einem der besten Rechtsverteidiger der Welt entwickelt hat und für seine Position namhafte Spieler wie Ilkay Gündogan und Goretzka in Frage kämen – oder die Talente Kai Havertz und Maximilian Eggestein.

Was Löw an Kimmich jedoch vor allem schätzt, sind seine schon jetzt ausgeprägten Führungsqualitäten, welche er im Zentrum besser einbringen kann als auf der Außenbahn.

Kimmich geht verbal voran

Zu sehen war das zuletzt gegen Serbien beim 1:1 im Testländerspiel. Kimmich baute seine Mitspieler nach missglückten Aktionen auf, rüttelte sie bei Standardsituationen wach, freute sich überschwänglich beim Ausgleich durch Goretzka.

Mit seiner verbalen Stärke unterscheidet sich Kimmich von seiner Konkurrenz. Zwar besitzen Kroos (der ebenfalls gesetzt ist) und Gündogan auch Führungsqualitäten und haben teilweise noch mehr Erfahrung. Im Vergleich zu Kimmich sind sie aber eher stille Vertreter.

Als zukünftigen Kapitän sehe er sich übrigens nicht, sagte Kimmich nach dem Serbien-Spiel. Darüber würde er sich derzeit auch keine Gedanken machen. Nach SPORT1-Informationen ist die Kapitänsbinde aber durchaus in seiner Karriere-Planung vorhanden – beim DFB und bei den Bayern. Es wäre die logische Folge seiner Entwicklung.

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Schon jetzt hat er 39 Länderspiele bestritten. Nur Kroos (91) und Manuel Neuer (85) haben mehr. "Stolz" sei er darauf und das sei auch ein Grund, "vornewegzugehen".

Auch verbal, denn Kimmich hat abseits des Platzes ebenso eine starke Meinung, ist selbstkritisch, spricht Missstände an und scheut sich auch nicht vor Kritik.

Aufstieg in der Hierarchie

"Wenn ich das aus Spielersicht bewerten muss, ist die Art und Weise nicht okay. Da verstehe ich absolut, dass die Jungs darüber enttäuscht sind", sagte er nach der Hauruck-Ausbootung seiner Bayern-Mitspieler Mats Hummels, Thomas Müller und Jerome Boateng beim DFB und scheute sich nicht davor, indirekt auch Löw zu kritisieren.

Der Bundestrainer nahm ihm das aber nicht übel. Er respektierte Kimmichs Meinung.

Durch die knallharte Löw-Entscheidung ist Kimmich in der DFB-Hierarchie sogar nach oben geklettert. Fortan steht er auf einer Stufe neben Kapitän Neuer, Kroos und Reus.

Nach SPORT1-Informationen hat es in dieser Woche darüber aber keine tiefgründigen Gespräche zwischen ihm und Löw gegeben. Es ist quasi ein stilles Abkommen der beiden, die sich seit Tag eins ihrer Zusammenarbeit schätzen.

Kimmich ist unter Löw unangefochtener Stammspieler, startete daher auch gegen Serbien. Diesmal an der Seite von Gündogan, der etwas offensiver als Kimmich agierte.

Kimmich: "Will wieder gewinnen"

Während Gündogan am Sonntag gegen die Niederlande die Bank droht, sofern sich Löw für ein 3-4-3 mit nur zwei zentralen Positionen entscheidet, wird Kimmich neben Kroos spielen. Das ließ der Bundestrainer bereits durchblicken und begründete es mit ihrer "Spielstärke", die sich bereits in der Nations League bewährt habe. (EM-Qualifikation: Niederlande - Deutschland, So. am 20.45 Uhr im LIVETICKER)

Gegen die Holländer wird nicht nur von Kimmich, sondern der gesamten Mannschaft eine Top-Leistung notwendig sein, um erfolgreich in die EM-Qualifikation zu starten. Nach dann 274 Tagen ohne einen Pflichtspielsieg der Löw-Elf sagt "Terrier" Kimmich deutlich: "Ich will jetzt endlich mal wieder gewinnen."

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