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München - Emre Can zeigt sich sehr enttäuscht über die erneute Nicht-Berücksichtung im DFB-Kader. Löw scheint ihn zu übersehen, doch vieles spricht für den Juventus-Star.

Kaum ist der Rummel um die ausgebooteten DFB-Leistungsträger Thomas Müller, Jerome Boateng und Mats Hummels halbwegs verflogen, gesellt sich seit der Kadernominierung für die anstehenden EM-Qualifikationsspiele ein weiterer gefrusteter internationaler Star zu diesem Trio: Die Rede ist von Emre Can.

Mit reichlich Unverständnis reagierte der 25 Jahre alte Leistungsträger von Juventus Turin auf seine Nicht-Berücksichtigung für die kommenden Länderspiele (Deutschland - Serbien, Mittwoch ab 20.45 Uhr im LIVETICKER und Niederlande – Deutschland, Sonntag ab 20.45 Uhr im LIVETICKER).

Schon bei der WM 2018 in Russland hatte Löw auf den 21-maligen Nationalspieler trotz dessen starker Saison beim FC Liverpool (u.a. Erreichen des Champions-League-Finales) verzichtet.

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Can enttäuscht vom Trainerstab

Damals fiel die Entscheidung aufgrund einer Verletzung gegen Can, der nach Rückenproblemen erst Ende Mai wieder fit wurde – es wurde zu knapp für eine WM-Teilnahme. "Wenn man im Vorfeld aber ein paar Monate ausgefallen war, muss man die Entscheidung akzeptieren", sagte Can zwar im Interview mit der SportBild.

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Allerdings sei er "schon enttäuscht, dass niemand aus dem Trainerstab in dieser Zeit bei mir angerufen hat oder mal die Frage kam: 'Wie geht es Dir?'".

"Im Ausland werden meine Leistungen nicht berücksichtigt"

Inzwischen ist Can jedoch wieder topfit und kann bei den Gründen für die erneute Nicht-Nominierung in den DFB-Kader nur spekulieren: "Im Ausland werden meine Leistungen sicherlich anders beurteilt als in Deutschland", so Cans Theorie. 

Allerdings spielen beispielsweise auch seine Nationalmannschaftskollegen Toni Kroos und Ilkay Gündogan, beide wie Can defensive Mittelfeldspieler, in Spanien beziehungsweise England - und werden stets berücksichtigt.

Can nicht gut genug für die Nationalmannschaft?

Sind also Cans Leistungen auf Klubebene nicht gut genug für das DFB-Team?

Zu Beginn dieser Saison wechselte der Rechtsfuß ablösefrei von den Reds zu Juventus Turin und zählt dort zu den Leistungsträgern. In 30 Partien gewährte ihm Trainer Massimiliano Allegri nur zwei Mal keine Spielzeit. An Spielpraxis mangelt es Can also nicht.

Auch ein Blick auf seine Statistik stimmt positiv: In der Serie A hat er in 21 Einsätzen vier Tore und eine Vorlage vorzuweisen. Als defensiver Mittelfeldspieler kann sich eine Torbeteiligung in jedem vierten Spiel durchaus sehen lassen. Zum Vergleich: Kroos kommt in der aktuellen Saison bei Real Madrid bei der gleichen Anzahl an Spielen auf lediglich drei Vorlagen.

Auch Italiens Presse war zuletzt voll des Lobes für den gebürtigen Frankfurter Can. Er sei in der Innenverteidigung neben Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucci "fantastisch" gewesen im Champions League-Rückspiel gegen Atletico Madrid, kommentierte etwa der Corriere dello Sport.

Löw belohnt fleißigen Can nicht

Trotzdem belohnte Löw den Fleiß des Tüchtigen wieder einmal nicht. Statt auf Confed-Cup-Sieger Can zu setzen, gibt er Maximilian Eggestein von Werder Bremen erstmals eine Chance, sich im Nationaltrikot unter Beweis zu stellen. Zwar glänzt der 22-Jährige an der Weser mit Traum-Statistiken, mit Cans internationaler Erfahrung kann er allerdings nicht mithalten.

Doch auch ohne Eggestein ist die Konkurrenz im defensiven Mittelfeld bei der deutschen Nationalmannschaft auf Cans Position groß. Neben dem gesetzten Kroos konkurrieren bereits Gündogan und Bayern-Star Leon Goretzka um einen Stammplatz. Noch schwieriger gestaltet sich das Rennen auf der Sechs, seitdem Löw Joshua Kimmich neben Kroos auflaufen lässt.

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Can bleibt noch genug Zeit

Sein bisher letztes Länderspiel absolvierte Can am 13. Oktober im vergangenen Jahr beim 0:3 in der Nations League in den Niederlanden, abgeschrieben hat er das DFB-Team jedoch trotz der erneuten Nicht-Berücksichtigung noch nicht. "Mein Anspruch bleibt weiterhin, Stammspieler in der Nationalmannschaft und Leistungsträger zu sein", betonte Can.

Und noch bleibt auch genügend Zeit. Can ist erst 25. Es dürfte die Zeit kommen, in der auch Kroos (29) und Gündogan (28) der Verjüngungskur des Joachim Löw zum Opfer fallen und ein Platz im Mittelfeld frei wird.

Bis dahin wird er sich wohl oder übel gedulden müssen.

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