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Trotz des Sieges in Nordirland zeigt sich, dass Löws Team eine klare Spielidee fehlt, der Kader derzeit Mittelmaß ist. Kommentar von SPORT1-Chefreporter Florian Plettenberg.

In 276 Tagen beginnt die Europameisterschaft, von einer EM-Euphorie ist rund um die deutsche Nationalmannschaft aber noch wenig zu spüren. Daran ändert auch der hart erkämpfte Sieg gegen Nordirland nichts.

Nach den Eindrücken der vergangenen Tage geht eher die Angst um, dass die fußballerische Depression, in der sich die Elf von Joachim Löw weiterhin befindet, noch länger anhält. EM-Favorit wäre die DFB-Auswahl, Stand heute, bei weitem nicht.

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Die Gründe sind vielfältig. 

Der DFB-Kader ist nur noch Mittelmaß!

Erfolgs-Gesichter des vergangenen Jahrzehnts wie jene von Thomas Müller, Sami Khedira, Mats Hummels oder Jérôme Boateng gibt es kaum noch. Das ist von Löw gewollt und gilt es zu akzeptieren. Im aktuellen Kader findet sich Routine, potenzielle Weltklasse - aber auch viel Durchschnitt. Die richtige Mischung hat Löw noch nicht gefunden.

Angeschlagene Akteure wie Antonio Rüdiger sind ob der dargebotenen Defensiv-Schwächen plötzlich Heilsbringer. Für Supertalent Kai Havertz gibt es noch keinen Startelfplatz. Positiv ist aber, wie Niklas Süle immer mehr zum Abwehr-Boss wird, Julian Brandt seine Chance in Nordirland genutzt und sich Jonathan Tah trotz Patzern gegen die Niederlande in Belfast behauptet hat.

Es gibt keine Spielidee!

Die Niederländer ziehen ihr filigranes, technisches Spiel durch. Die Nordiren zerreißen sich auf dem Platz, getragen vom Stolz ihrer Fans. Löw hingegen ist nach dem WM-Debakel und dem Abstieg in der Nations League noch immer auf der Suche nach dem neuen Patentrezept.

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Mal ist es die Dreier-, dann wieder die Viererkette. Mal die Einzelspitze, dann wieder der Dreiersturm. Den einst dominanten Ballbesitz-Fußball gab Löw nach der Russland-Schmach auf. Seitdem wird vorrangig gekontert - zum Leidwesen vieler Spieler.

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Dreht man es positiv, ist Löw flexibel. Kritiker können ihm Unentschlossenheit vorwerfen. Gegen die Niederlande verzichtete er stoisch auf einen Systemwechsel. Es folgten vier Gegentore. Die vergangenen beiden Auftritte waren geprägt von Nervosität und Fahrlässigkeit. Gegen Nordirland wurde in der zweiten Hälfte für den Erfolg aber hart gearbeitet. Das hatte zumindest was von der zuletzt beschworenen "Bolzplatzmentalität".

Es entsteht kein Wir-Gefühl!

WM-Aus, blamabler Abstieg aus der Nations-League - dem deutschen Fan wurde zuletzt viel zugemutet. Um die Wogen zu glätten, versuchte es der DFB mit Fan-Nähe. In Berlin gelang das mit einem öffentlichen Training hervorragend, in Wolfsburg schon weniger. In Aachen wurde ein Trainingsspiel Elf gegen Elf angekündigt, das nicht stattfand. Dafür wurde trainiert, die Fans bekamen Autogramme.

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In Hamburg aber schottete sich der DFB-Tross wieder komplett ab, obwohl er ganze sechs Tage in der Stadt weilte. Die Stimmung im Volksparkstadion war zum Einschlafen. Eine Verbundenheit zwischen Mannschaft und Fans kann so nicht entstehen.

Nach einer Depression folgt ja zumeist der Aufschwung. Löw und sein Trainerteam haben auf dem angekündigten Weg zurück zur Weltspitze aber noch viel Arbeit vor sich. Mit einer Mannschaft, die sich zwar im Umbruch befindet, von der die Fans aber zeitnah den nächsten Schritt erwarten müssen. Auch, weil das Gros der Spieler seit langer Zeit dabei ist.

Siege gegen Peru, Weißrussland, Estland und Nordirland dürfen jedenfalls keine Gradmesser sein - und der Umbruch keine Ausrede.

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