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Joachim Löw äußert in einer Videoschalte Gesellschaftskritik. Der DFB muss aufgrund der Coronakrise Maßnahmen ergreifen und schickt Mitarbeiter ins Homeoffice.

Joachim Löw hat sich im Angesicht der Coronakrise emotional und mit intensiver Gesellschaftskritik zu Wort gemeldet.

Der Fußball-Bundestrainer rief sichtlich angefasst zur Mäßigung im Kapitalismusdenken und zu mehr Empathie auf. "Die Welt hat ein kollektives Burn-out erlebt. Die Erde scheint sich ein bisschen zu wehren gegen den Menschen, der immer denkt, dass er alles kann und alles weiß", sagte Löw am Mittwoch in einer Videoschalte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

In den vergangenen Jahren hätten weltweit "Machtgier, Profit und Rekorde" im Vordergrund gestanden."Das Tempo, das wir vorgegeben haben, war nicht mehr zu toppen", betonte Löw: Verheerende Brände in Australien oder Ebola in Afrika "haben uns nur am Rande berührt. Jetzt haben wir etwas, was die ganze Menschheit betrifft, und merken, was wirklich zählt: Freunde, Familie und Respekt füreinander." Die Corona-Pandemie habe die Welt "fest im Griff, und nichts ist mehr, wie es vorher war".

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DFB schickt Mitarbeiter ins Homeoffice

Die Coronakrise hat den DFB zu Maßnahmen zum Schutz seiner Mitarbeiter gezwungen.

"Im DFB haben wir Notstand", sagte Verbandsdirektor Oliver Bierhoff am Mittwoch, "wir haben alle nach Hause geschickt und überlegen, welche Reisen man machen muss. Die meisten Mitarbeiter sind im Homeoffice."

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DFB-Präsident Fritz Keller zitierte den Klassiker "Über den Wolken" von Reinhard Mey: "Was uns gestern noch wichtig und richtig erschien, ist heute nichtig und klein."

Keller ruft zu Solidarität auf

Keller rief zur Solidarität in der Gesellschaft auf und passt die Planung des Verbandes von Tag zu Tag an. Auch Kurzarbeit für die 500 Mitarbeiter ist ein Thema, Bierhoff und Löw hätten bereits Gehaltsverzicht angeboten. 

"Alles, was wir planen, kann morgen schon überholt sein, wir wollen aber Lösungen erarbeiten. Die Struktur von 25.000 Vereinen und sieben Millionen Mitgliedern muss erhalten werden", sagte Keller.

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Anderswo sei es freilich noch schlimmer: Er habe bei der Konferenz der Verbände zur Verschiebung der Europameisterschaft ins kommende Jahr "in sehr besorgte und entsetzte Gesichter meiner Kollegen aus Italien und Spanien" geblickt. Die Verschiebung sei ohne Alternative gewesen.

Werden Länderspiele im Sommer nachgeholt?

Die abgesagten Länderspiele gegen Italien und Spanien wird die deutsche Fußball-Nationalmannschaft womöglich im Sommer nachholen.

"Wie es aussieht, sollen die Spiele im Juni gespielt werden", sagte Löw, "es sind mal Termine anberaumt".

Ob diese zu halten sein werden, ist offen. Ursprünglich hätte sich die Mannschaft am 26. März in Madrid gegen Spanien und am 31. März in Nürnberg gegen Italien langsam, aber sicher für die EM einspielen sollen. Diese wurde inzwischen jedoch von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) in den Sommer 2021 verschoben, um Platz für die Restsaison der nationalen Ligen zu schaffen.

Löw betonte, er hätte seine Mannschaft nach dem Umbruch gerne schon im Turnier gesehen. "Wir wären bereit gewesen", sagte er, "wir hatten Strategien entwickelt und gute Lösungen parat."

Nun habe seine Mannschaft möglicherweise den Vorteil, dass verletzte Spieler wie Leroy Sane und Niklas Süle (Manchester City bzw. Bayern München/beide Kreuzbandriss) mehr Zeit bekommen: "Wer aber nächstes Jahr zur Verfügung steht oder sich verletzt, weiß ich auch nicht." 

DFB prüft Hilfsprogramm für Vereine

Der Deutsche Fußball-Bund prüft angesichts der finanziellen Probleme vieler Vereine durch die Corona-Pandemie ein Hilfsprogramm. Dies verkündete der Verband am Mittwoch während einer Videokonferenz mit DFB-Präsident Fritz Keller, Verbandsdirektor Oliver Bierhoff und Bundestrainer Joachim Löw.  

"Der DFB hat gut daran getan, Rücklagen zu bauen. Wir können auf ein kleines, aber gutes Polster zurückgreifen, das wir jetzt auch abgeben an die Landesverbände", sagte Keller. 

"Es sind nicht nur kleine Vereine gefährdet, sondern auch Bundesligavereine - es geht von ganz oben bis zur Kreisliga", sagte Keller. "Wir wollen 250.000 hauptamtlichen Mitarbeitern den Job erhalten und uns darüber hinaus um die Ehrenamtlichen kümmern." Allerdings wies der Verband darauf hin, dass er keine Verluste seiner Klubs ausgleichen kann und darf. 

"Wir haben das Projekt Zukunft ausgerufen - das wird man jetzt auch noch mal überarbeiten müssen", betonte Bierhoff. "Das ist die Aufgabe jedes Mitglieds im DFB, dass er auf seine Budgets schaut und bewertet, was wirklich notwendig ist. Wir werden sicher den Gürtel enger schnallen müssen."

Vereine mit Problemen, insbesondere "Insolvenzproblemen", sollten die Möglichkeit haben, wieder Fuß zu fassen. Rückmeldungen kleiner Vereine seien derzeit "dramatisch". 

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