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Auch der DFB schreibt wegen der Coronakrise erhebliche Verluste. Eine zusätzliche Ausfallversicherung gegen fehlende Einnahmen bei Länderspielen mildert diese aber ab.

Die Corona-Krise trifft auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) - doch der größte Verband der Welt hat clever vorgesorgt!

Wie SPORT1 exklusiv erfuhr, hat sich der DFB mit einer zusätzlichen Ausfallversicherung gegen fehlende Einnahmen bei Länderspielen abgesichert.

DFB-Schatzmeister Dr. Stephan Osnabrügge bestätigt das auf SPORT1-Nachfrage: "Der DFB verfügt über eine Ausfallversicherung für seine Länderspiele, die auch im Falle der Länderspiele im März gegen Italien und Spanien greift. Diese Versicherung setzt eine Spielabsage von dritter Seite voraus. Sie hat zudem eine vertragliche Höchstsumme, ist also gedeckelt, und wird daher nicht alle Ausfälle des DFB abdecken."

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Nach SPORT1-Informationen hat der Verband diese Versicherung schon seit längerem. Sie griff schon im November 2015 im Zuge des Testspiels gegen die Niederlande.

Die Partie in Hannover war wegen der Gefahr eines Sprengstoff-Anschlags kurzfristig abgesagt worden. Auch mögliche Einnahmeverluste bei einer Absage des DFB-Pokalfinals sollen überdies in Teilen abgesichert sein.

Trotz Versicherung erhebliche Ausfälle

Die Austragung von Länderspielen ist für den DFB immens wichtig. Über die Spiele der A-Nationalmannschaft generiert der Verband seine Haupteinnahmen. Im aktuellen Finanzbericht 2018 betonte der DFB deshalb: "Die A-Nationalmannschaft der Herren hat für den gesamten DFB-Haushalt eine zentrale Bedeutung."

Insgesamt setzte der DFB im Jahr 2018 350,9 Millionen Euro um. 84,7 Millionen Euro fielen allein auf die sieben Länderspiele – und das trotz verkorkster Russen-WM. 50 Millionen Euro entsprangen aus der TV-Vermarktung, 13,6 Millionen Euro aus der Bandenwerbung und rund 10 Millionen Euro aus den Ticketeinnahmen.

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Der 49-jährige Osnabrügge betont aber auch: "Trotz der zu erwartenden Versicherungssummen wird der DFB in allen Erlösbereichen mit erheblichen Ausfällen zu rechnen haben. Als vorsichtige Kaufleute erstellen wir hierzu Planungen, die ausweisen, dass im schlechtesten Fall mit einem Haushaltsdefizit von rund 50 Millionen Euro vor Steuern gerechnet werden muss, wenn die Situation bis zum Herbst anhält."

"Wir spüren intern einen riesigen Zusammenhalt"

Auch beim DFB, der 150 Millionen Euro auf der hohen Kante hat, schnallen sie den Gürtel aufgrund der Corona-Krise nun etwas enger. Zurzeit sind die Mitarbeiter in Frankfurt aber noch nicht in Kurzarbeit.

Doch Osnabrügge sagt: "Die Sicherung der rund 500 Arbeitsplätze gehört für uns zum obersten Gebot, dem ordnen wir vieles unter. Wir spüren intern einen riesigen Zusammenhalt und eine große Solidarität untereinander. Von der sportlichen Leitung über das hauptamtliche Management bis hin zu jedem einzelnen Mitarbeiter – jeder bringt sich ein und leistet im Rahmen seiner Möglichkeiten Beiträge."

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Für März und April habe es noch keinen Arbeitsausfall gegeben, der eine Kurzarbeit gerechtfertigt hätte, sagt der DFB-Funktionär. "Aber wir haben uns mit der Mitarbeitervertretung verständigt, dass wir uns monatlich jeweils auf Basis der dann vorliegenden Gegebenheiten immer wieder neu mit vielen Szenarien beschäftigen müssen, auch damit. Selbstverständlich sind wir uns stets unserer Verantwortung bewusst – sowohl gegenüber der gesamten Gesellschaft, der Gemeinnützigkeit unseres Verbandswesens wie vor allem auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern."

Osnabrügge abschließend: "Wir sind zuversichtlich, dass wir diese Krise bewältigen werden, da wir in den vergangenen Jahren sehr sorgsam mit unseren Mitteln umgegangen sind und Risikorücklagen geschaffen haben. Aber diese Krise betrifft uns alle, und der Blick isoliert auf den DFB e.V. wäre falsch. Wichtig ist in erster Linie, dass wir alles tun, um unser Gesundheitssystem nicht zu überfordern, gleichzeitig aber den organisierten Fußball so wie wir ihn kennen und lieben erhalten."

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