Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

München - Oliver Bierhoff sieht das Image des DFB-Teams in Gefahr und macht Druck auf den Bundestrainer. Bei SPORT1 spricht ein 1990er-Weltmeister über die Lage.

Ist das der erste Schritt zur Versöhnung im Zoff zwischen den WM-Helden von 1990 und dem DFB?

Nachdem Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff bei SPORT1 erklärt hatte, er würde sich "freuen, wenn die Unstimmigkeiten ausgeräumt werden und wir uns alle als eine große Fußballfamilie betrachten", hat nun Ex-Nationalspieler Olaf Thon Gesprächsbereitschaft signalisiert.

"Ich wäre absolut bereit für ein klärendes Gespräch, er hat ja meine Nummer", sagte Thon im Gespräch mit SPORT1.

Anzeige

Nachdem bereits Rekordnationalspieler Lothar Matthäus Anfang Oktober nach dem 3:3-Unentschieden gegen die Türkei harsche Kritik geübt hatte, hatte Thon noch einen drauf gesetzt und den Rücktritt von Bundestrainer Joachim Löw gefordert.

"Nach dem nächsten Turnier, nach der Europameisterschaft im kommenden Jahr, muss Jogi Löw seinen Posten räumen. Es muss ein neuer Bundestrainer her", schrieb der 1990er-Weltmeister in seiner kicker-Kolumne.

Tippkönig der Königsklasse gesucht! Jetzt zum SPORT1 Tippspiel anmelden 

Bierhoff macht Druck auf Löw

Bierhoff wurde jetzt erstmals deutlich und macht Druck auf Löw, was die gemeinsame Zukunft betrifft. In der FAZ wird der 52-Jährige wie folgt zitiert: "Den Weg, den der Bundestrainer eingeschlagen hat, gehe ich bis einschließlich der EM mit." Tags zuvor schon hatte er im SPORT1-Interview gesagt: "Bei einer Nationalmannschaft ist jedes Turnier eine Art Zäsur, egal wie lange die Verträge laufen. Und das hängt natürlich stark von den Ergebnissen ab."

Löws Vertrag läuft bis Ende 2022. Thon lobte die exzellente Arbeit des 60-Jährigen in den vergangenen Jahren. Ginge es nach der Schalke-Ikone, hätte Löw aber schon "nach der Enttäuschung 2018 Platz machen müssen". Damals war das DFB-Team nach der Vorrunde des Turniers ausgeschieden.

Seitdem ist das Interesse der Fans am DFB-Team merklich abhanden gekommen. Bierhoff sprach in der vergangenen Woche ganz offen über ein Image-Problem, indem er sagte, die Nationalmannschaft sei "nicht mehr Deutschlands liebstes Kind".

Meistgelesene Artikel

Thon ist gesprächsbereit

1990er-Weltmeister Andreas Brehme wurde daraufhin im SPORT1-Interview deutlich. "Das hat sich der DFB selbst zuzuschreiben", sagte der 60-Jährige.

Vor dem Nations-League-Spiel gegen Spanien am heutigen Abend (Nations League: Spanien - Deutschland, ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) in Sevilla schlägt Thon nun bei SPORT1 versöhnliche Töne an. "Erstmal muss ich sagen, dass Oliver Bierhoff und ich ein sehr gutes Verhältnis haben, auch, wenn wir uns nicht so oft sehen", meint er.

Der 54-Jährige ergänzt: "Grundsätzlich haben wir alle das gleiche im Sinn, nämlich die Nationalmannschaft zu unterstützen. Falls es Redebedarf gibt, stehe ich zur Verfügung."

"Dann muss man das auch sagen dürfen"

Thon glaubt aber, dass dies nach dem jüngsten 3:1-Sieg gegen die Ukraine nicht mehr nötig sei, rechtfertigt aber seine deutlichen Worte noch mal. "Wenn die Ergebnisse nicht gut sind wie es in den vergangenen Jahren oft der Fall war, dann muss man das auch sagen dürfen. Trotzdem respektieren wir die Leistung des DFB und Löw. Jetzt das Ergebnis gegen die Ukraine mit jungen Spielern war sehr gut."

Dies sei die Zukunft und "bei unserer Kritik ging es immer um die Leistung und nicht um das Alter", meint Thon noch und zeigt inzwischen sogar Verständnis für Löw. "Da eine gute Balance hinzubekommen, ist sicher nicht ganz einfach. Ich bin guter Dinge, dass Jogi Löw das jetzt in den Griff bekommt."

Und weiter: "Wenn die Leistungen und Ergebnisse gut sind, werden wir ihn loben, wenn es schlecht wird und wir verlieren gegen Spanien 0:5, was ich nicht glaube, dann ist halt Redebedarf da. Für ein klärendes Gespräch steht sicher jeder zur Verfügung." Auf SPORT1-Nachfrage wollten sich allerdings Matthäus und Brehme nicht mehr zu der Sache äußern.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image