So tickt Mister Napoli
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Neapel - Vor Neapels Europa-League-Kracher gegen RB Leipzig spricht SSC-Paradiesvogel Marek Hamsik über Titelchancen, unerfüllte Sehnsüchte - und Diego Maradona.

Denkt man an den SSC Neapel, dann denkt man an Diego Maradona - und an Marek Hamsik. Seit 2007 trägt der Slowake das Trikot der Neapolitaner, ist deren Kapitän und seit Dezember 2017 auch Rekordtorschütze des Klubs - vor Maradona. 118 Tore hat der Mittelfeldmann mit dem markanten Irokesenschnitt in der Serie A bislang markiert. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

Vor dem Hit in der UEFA Europa League am Donnerstag gegen RB Leipzig (ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) spricht Hamsik über die Sachsen, die historische Meisterchance seines Klubs, den Vergleich mit SSC-Ikone Diego Maradona und die Wirkung seiner Frisur auf Mütter.

SPORT1: Herr Hamsik, könnten Sie einem Deutschen erklären, was es für Sie bedeutet, das Trikot des SSC Neapel zu tragen?

Marek Hamsik: Gleich vom ersten Augenblick, als ich hier war, habe ich verstanden, dass Fußball für die Neapolitaner alles bedeutet. Es ist wie eine Religion oder eine Krankheit, die dich jeden Tag begleitet.

SPORT1: Wie würden Sie den Fußball von Trainer Maurizio Sarri erklären? Worauf kommt es ihm an?

Hamsik: Er ist schön anzuschauen, aber schwer umzusetzen. Man muss sehr viel laufen, hoch pressen. Das ist kein einfacher Fußball. Wenn wir den Ball erobern, dann kommt unsere Stärke zu tragen - der Ballbesitz. Wir haben also unseren Spaß, wenn wir angreifen – aber wenn wir verteidigen, müssen wir auch sehr viel laufen.

Neapels Irokese Hamsik erklärt sein Markenzeichen

SPORT1 überträgt das Auswärtsspiel von RB Leipzig am 15. Februar beim SSC Neapel sowie das Rückspiel des BVB bei Atalanta Bergamo am 22. Februar 2018 in der Runde der letzten 32 der Europa League jeweils ab 21.05 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 (Der Countdown zur besten UEFA Europa League aller Zeiten beginnt bereits ab 19 Uhr)

SPORT1: Wenn man sich die Spiele von Neapel anschaut, fällt auf, dass niemand ins Dribbling geht. Hat Sarri dem Team ein Dribbelverbot auferlegt?

Hamsik: Unter der Woche spielen wir im Training immer mit nur zwei Ballberührungen. Wir sind also darauf aus, den Ball schnell zu bewegen. Wenn unsere Stürmer aber in Ballbesitz kommen, dann dürfen sie aber auch ins Dribbling gehen.

SPORT1: Wenn man über den SSC Neapel spricht, dann schwebt der Name von Diego Maradona immer noch über dem Klub. Ist es eher Ansporn oder Belastung?

Hamsik: Wir wissen natürlich alle, dass Diego dieser Stadt sehr viel bedeutet. Er ist die Nummer 1 und wird es für alle Zeiten bleiben. Wir müssen und wollen allerdings diesen Mythos ein bisschen verblassen lassen, indem wir gewinnen. Es ist schon lange her, dass Napoli etwas gewonnen hat - es wäre also wunderbar, wenn wir diese Zeiten wieder aufleben lassen könnten.

SPORT1: Sie sind der legitime Erbe von Maradona, den Sie neulich sogar nach Toren überflügelt haben. Was bedeutet das für Sie?

Hamsik: Um ihn zu überflügeln, braucht es viel mehr. Für uns Neapolitaner bleibt Diego immer die Nummer 1. Es gibt überhaupt keine Ähnlichkeiten zwischen uns beiden. Er war ein Stürmer mit Fantasie. Ich bin ein anderer Fußballer und Mensch, und bin zufrieden damit.

Hamsik knackt Maradonas Bestmarke bei Neapel-Sieg

SPORT1: War er denn auf dem Platz ein Vorbild?

Hamsik: Leider war ich zu jung, um Maradona noch auf dem Platz zu sehen. Ich habe zwar später einige Spiele mit ihm angeschaut, bin aber mit anderen Idolen aufgewachsen.

SPORT1: Napoli hat seit fast 30 Jahren den Scudetto nicht mehr gewonnen. Sind dieses Jahr die Vorzeichen günstig, dass sich das ändert?

Hamsik: In der Tat. Wir haben mehr als die Hälfte der Meisterschaft absolviert und führen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Juventus. Andere Vereine mussten uns ziehen lassen. Vielleicht wird es in den kommenden Jahren nie wieder so werden - deshalb werden wir alles versuchen. Juve ist ein Weltklub, der einen exzellenten Kader mit einem Wert von 600 Millionen Euro hat. Damit können wir uns nicht vergleichen. Aber wir sind drauf und dran, etwas Unglaubliches zu leisten und wollen sie schlagen. Ich bin davon überzeugt, dieses Mal sind wir dran.

SPORT1: Im Vergleich mit Juventus haben die meisten Napoli-Spieler noch nicht viel gewonnen.

Hamsik: Das stimmt. Aber vielleicht ist das ja auch unsere Chance, weil wir einen größeren Titelhunger haben.

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SPORT1: Wie sehen Sie Neapels Europa-League-Gegner RB Leipzig?

Hamsik: Ich kenne die Mannschaft noch nicht so gut. Wir müssen noch viele Videos anschauen, sowohl von der Defensive als auch der Offensive.

SPORT1: Wie schätzen Sie die Europa League ein?

Hamsik: Wir machen da keine großen Unterschiede. Die Europa League ist genauso wichtig, und wir wollen so weit wie möglich kommen.

SPORT1: Maurizio Sarri ist ein spezieller Typ. Was können Sie über ihren Trainer sagen?

Hamsik: Er ist leidenschaftlicher Raucher, das ist wirklich unglaublich. Ich habe nie jemanden gesehen, der so viel raucht.

SPORT1: Auch während der Spiele?

Hamsik (lacht): Da muss er sich Gott sei Dank zurückhalten.

SPORT1: Also geht er auch mit einer Zigarette ins Bett?

Hamsik: Sieht so aus.

SPORT1: Was zeichnet ihn ansonsten aus?

Hamsik: Wenn wir auf dem Platz stehen, fordert er höchste Konzentration und will, dass wir alles geben. Abseits des Platzes ist er locker, macht Scherze und ist sehr umgänglich.

SPORT1: Sie tragen seit vielen Jahren einen Irokesen auf dem Kopf. Was bedeutet das für Sie?

Hamsik: Es ist mittlerweile zu meinem Markenzeichen geworden. Solange ich Fußball spiele, wird das mein Style sein. Es ist vielleicht nicht jedermanns Sache, und manche Mutter würde bei ihrem Kind Einspruch erheben. Aber es ist ein Teil von mir.

SPORT1: Täuscht der Eindruck, dass in der Mannschaft ein spezieller Zusammenhalt herrscht?

Hamsik: Nein, der täuscht nicht. Wir haben unglaubliche Jungs und die Stimmung in der Kabine ist exzellent. Wir haben immer ein Lächeln auf den Lippen. Aber wenn wir arbeiten müssen, dann tun wir es auch.

SPORT1: Sie haben schon fast Wurzeln in Neapel geschlagen. Werden Sie für immer hier bleiben?

Hamsik: Man kann im Fußball zwar nichts ausschließen, aber derzeit habe ich keine anderen Pläne.

SPORT1: Warum mögen Sie Neapel so sehr?

Hamsik: Nach so vielen Jahren habe ich eine ganz besonderes Verhältnis zu den Fans entwickelt. Mir gefällt es sehr, wie es gerade läuft. Es gibt viel Liebe zwischen uns. Neapel hat das Meer, die Sonne, man kann gut essen – sogar Skifahren kann man hier.

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