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Straßburg - Eintracht Frankfurt droht nach einer katastrophalen ersten Hälfte in Straßburg das Europa-League-Aus. Es fallen deutliche Worte - doch es gibt auch Hoffnung.

Nach der durchaus überraschenden, aber nicht unverdienten 0:1-Niederlage bei Racing Straßburg im Playoff-Hinspiel um die Europa League fühlte sich Kevin Trapp an die vergangene Europapokal-Saison erinnert.

Ja, tatsächlich. An jene Spielzeit, in der Eintracht Frankfurt bis ins Halbfinale der Europa League gestürmt war - in der aber auch längst nicht immer alles rund lief.

"Wir haben eine ähnliche Situation wie letztes Jahr gegen Benfica: Wir müssen zwei Tore schießen und dürfen keins kassieren, dann sind wir in Europa", erklärte Trapp im Gespräch mit SPORT1 - und hob zugleich einen entscheidenden Unterschied hervor: "Aber letztes Jahr haben wir im Spiel bei Benfica einen besseren Fußball gezeigt als heute zumindest die erste Halbzeit."

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Denn da wirkte es fast, als hätten die Frankfurter nach sechs Siegen aus den ersten sechs Pflichtspielen der Saison - darunter vier Europapokalpartien - auf einmal ihr Europa-Gen verloren.

Hütter: Waren nicht bereit

Was die Eintracht in den ersten 45 Minuten im Stade de la Meinau ablieferte, war erschreckend. Hinten wacklig, im Mittelfeld ideenlos, vorne unsichtbar. Auch wenn der Führungstreffer ein Stück weit ein Zufallsprodukt war, hätte der vermeintliche Außenseiter aus Straßburg zur Pause höher als nur mit 1:0 führen können.

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"Wir waren einfach nicht bereit, was das Umschaltspiel betroffen hat. Wir haben uns vorne überhaupt nicht gut bewegt, sind jedes Mal in einen Konter gelaufen, der dann gefährlich war", monierte Trainer Adi Hütter nach dem Spiel bei Nitro.

Ganz und gar nicht einverstanden war der Eintracht-Coach mit der Leistung von Vize-Weltmeister Ante Rebic. In den Anfangsminuten noch mit der einen oder anderen ordentlichen Aktion auf dem linken Flügel, tauchte der Kroate anschließend komplett ab.

Rebic gibt Rätsel auf

"Eine Erklärung habe ich grundsätzlich überhaupt keine, ich habe aufgrund der Leistung auch das Verständnis nicht", sagte Hütter auf Rebic angesprochen. Dieser habe in der Halbzeit im Kabinengang zwar angezeigt, dass er angeschlagen sei, "ich hätte ihn aber so oder so rausgenommen", stellte der Österreicher klar: "Diese Leistung passt einfach nicht, passt auch nicht zu ihm, weil er auch schon gezeigt hat, dass es viel besser geht."

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Sich in einem derart wichtigen Spiel "so zu bewegen, sich so zu verhalten", das habe ihm nicht gefallen, legte Hütter nach.

Nicht nur Rebics Körpersprache gab Rätsel auf. Schon früh im Spiel warfen sich die Frankfurter fragende Blicke zu, immer wieder waren Gesten der Resignation und Unzufriedenheit zu sehen. Statt der begeisternden Einheit der vergangenen Monate schienen plötzlich elf Einzelspieler auf dem Rasen zu stehen.

Trapp: Sind keine Spitzenmannschaft

"Wir dürfen uns jetzt nicht das schlechtreden lassen, was uns letztes Jahr stark gemacht hat", meinte Trapp zur Frage, ob der Teamgeist über die Sommerpause gelitten habe: "Wir können jetzt nicht auf einmal sagen, wir seien keine Mannschaft, nachdem wir letztes Jahr immer gesagt haben, dass wir eine sind - und es haben uns zwei Spieler verlassen."

Zwischen den Zeilen ließ aber auch der Nationaltorhüter durchblicken, dass es dem einen oder anderen Teamkollegen zuvor an der nötigen Einstellung gefehlt haben könnte.

"Natürlich sind wir keine Spitzenmannschaft, das ist so. Wenn bei uns nicht jeder Einzelne mitzieht, dann wird es für uns extrem schwierig, egal gegen wen", monierte Trapp bei SPORT1: "Wir haben einen Plan - und wenn dann nicht alle elf Spieler mitziehen, die auf dem Platz stehen, dann wird es für alle anderen auch schwierig."

Zweite Halbzeit macht Mut

Und so hoffen in Frankfurt mit Blick auf das Rückspiel am kommenden Donnerstag (Europa League: Eintracht Frankfurt - Racing Straßburg am Do. ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) alle darauf, dass die Mannschaft dann das Gesicht der zweiten Hinspiel-Hälfte zeigt. In der schienen sich die Adlerträger auf einmal daran zu erinnern, dass sie das Europa-Gen in sich tragen.

Nachdem Hütter in der Halbzeit den indisponierten Rebic und den komplett unsichtbaren, allerdings vor dem Spiel auch angeschlagenen Mijat Gacinovic durch Sebastian Rode und Goncalo Paciência ersetzte, übernahm die Eintracht die Initiative - und wurde plötzlich auch gefährlich.

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"Wenn wir es so machen wie in der zweiten Halbzeit, dann bin ich sehr positiv, dass wir das auch schaffen", sagte Trapp, der nach der Pause mehrfach den Torschrei auf den Lippen gehabt haben dürfte. Insbesondere der Japaner Daichi Kamada drehte in den zweiten 45 Minuten auf und verpasste zwei Mal denkbar knapp den Ausgleich.

"Alle haben wieder so gefightet, wie es sich gehört - nur die Torchancen hätten wir nutzen müssen", stimmte auch Hütter noch versöhnliche Töne an: "Ich finde, mit der zweiten Halbzeit kann man leben."

Und mit den Fans im Rücken sowie den Erfahrungen der vergangenen Saison in der kommenden Woche dafür sorgen, dass die Eintracht ihr Europa-Gen endgültig wiederfindet - und auch in dieser Saison auf eine längere Reise geht.

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