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Dieser Zweikampf zwischen Pique (h.) und Cristiano Ronaldo bescherte Portugal die Freistoßchance, die Ronaldo zum 3:3 nutzte
Dieser Zweikampf zwischen Pique (h.) und Cristiano Ronaldo bescherte Portugal die Freistoßchance, die Ronaldo zum 3:3 nutzte © Imago
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Sotschi - Spanien verpasst nach den Chaostagen unter Interimstrainer Hierro im ersten WM-Spiel einen Auftaktsieg gegen Portugal. Keeper David De Gea patzt folgenschwer.

Bis Cristiano Ronaldo in der 88. Minute mit einem genialen Freistoß zum dritten Mal traf, hatte Spanien auf ein Ende seiner Chaostage mit dem Trainerwechsel vom gefeuerten Julen Lopetegui zu Fernando Hierro hoffen dürfen.

Doch das 3:3 (1:2) gegen Europameister Portugal fühlte sich für den Weltmeister von 2010 eher wie eine Niederlage an.

"Es war ein großes Hin und Her. Wir hätten es schon mehr verdient gehabt, zu gewinnen, weil wir viel mehr Chancen kreiert haben", sagte Spaniens Doppeltorschütze Diego Costa (24., 55.). "Nachdem wir es zweimal gedreht haben, haben wir es doch noch aus den Händen gegeben."

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Das traf sogar wortwörtlich auf Pechvogel David De Gea zu, dem ein unplatzierter Schuss Ronaldos zum zwischenzeitlichen 1:2 (44.) durch die Hände rutschte.

Mourinho tröstet Pechvogel De Gea

"Er ist mein Junge, es schmerzt mich das sagen zu müssen, aber es war ein schlimmer Fehler", sagte sein Klubtrainer bei Manchester Unite, Jose Mourinho, bei Russia Today. "Solch einen Fehler hat er bei uns nicht gemacht, er war Spieler der Saison und hat fantastische Leistungen abgeliefert. Aber das passiert den Besten."

Spaniens Interimstrainer Fernando Hierro fand nach den turbulenten letzten Tagen und dem ebenso wechselhaften Spielverlauf positive Worte für seine Mannschaft: "Wir haben alle Widrigkeiten überwunden, und das Team hat an sich geglaubt, gekämpft, nicht aufgehört zu glauben. Das ist wichtig bei allem, was passiert ist. Ich denke, wir haben einen wichtigen Schritt gemacht, es ist gut, dass wir so zurückgekommen sind."

Nachos Kunstschuss reicht Spanien nicht

Nach der erstmaligen Führung durch eine spektakuläre Direktabnahme von Nacho (58.) steuerte Spanien lange Zeit auf einen erfolgreichen WM-Start hin, doch letztlich überstrahlte Ronaldos Torshow (4./Foulelfmeter, 44., 88.) alles.

"Es ist unglaublich", sagte Ronaldo nach dem Spiel, "ich habe viele Jahre darauf hingearbeitet, die Menschen haben an mich geglaubt, und ich habe an mich geglaubt." Zugleich versicherte er: "Das Unentschieden ist gerecht."

Von Mitspieler Cedric kam höchstes Lob: "Es war ein Wahnsinnsfreistoß. Ronaldo gibt uns eine unglaubliche Sicherheit, er ist der beste Spieler der Welt, und das hat er nochmals allen bewiesen." (LIVETICKER zum Nachlesen)

Portugals Trainer Fernando Santos lobte sein Team, fand aber auch Anlass zur Kritik: "Wir haben Spanien erlaubt, unseren Spielaufbau zu stören. Wir müssen näher am Mann verteidigen. Die Mannschaft hat sich aber wacker geschlagen, gearbeitet und war immer auf der Suche nach einem guten Ergebnis. Aber es gibt eine Menge zu korrigieren."

Ronaldo rettet Remis mit Traumtor

Portugal war 2014 noch zum WM-Auftakt von Deutschland gedemütigt worden (0:4), diesmal lief es zunächst wunschgemäß. Ronaldo war bereits in der dritten Minute unwiderstehlich in den Strafraum gezogen - er fiel dort dann dankbar über das Bein, das ihm sein Real-Mitspieler Nacho ein wenig zaghaft entgegenstreckte. 

Auch vor dem Freistoß zum späten Ausgleich bedurfte es nur eines leichten Kontakts von Spaniens Innenverteidiger Pique, um Ronaldo zu Boden sinken zu lassen. "Er ist nun einmal bekannt dafür, sich fallen zu lassen", ärgerte sich Pique nach dem Abpfiff.

Spanien, vor vier Jahren in Brasilien bereits in der Vorrunde gescheitert, war durch die spontane Scheidung von Lopetegui (wechselt zu Real Madrid) massiv erschüttert worden, spielte aber dennoch so, wie Spanien eben so spielt: Mit schnellen Ballpassagen versuchte die Rote Furie, die Abwehr der Portugiesen zu knacken. Getreu Hierros Vorgabe, nichts zu ändern, was in den zwei Jahren unter Lopetegui gut war.

Costa setzt sich robust gegen Pepe durch

In der Tat schienen die Spanier weder vom Trainerwechsel noch von den Rückständen schwer getroffen. Der Ausgleich durch Costa, der Pepe zuvor unsanft aus dem Weg geräumt hatte, hielt auch der Nachfrage Rocchis beim Videoassistenten stand. Isco traf mit einem strammen Schuss die Latte (26.), der Ball sprang von der Linie zurück ins Feld.

Auch Ronaldo ging nicht frei von Aufregung in das Spiel. Eine gerichtliche Quelle bestätigte wenige Stunden vor dem Anpfiff, dass der 33 Jahre alte Portugiese eine zweijährige Haftstrafe auf Bewährung erhält. Zudem muss er 18,8 Millionen Euro zahlen. Ihm wird die Hinterziehung von insgesamt 14,7 Millionen Euro an Steuern vorgeworfen. 

Mit seinem Treffer zur Führung fand Ronaldo Eingang in einen exklusiven Kreis: Als erst vierter Spieler hat er nun bei vier WM-Endrunden mindestens ein Tor erzielt - nach Uwe Seeler, Miroslav Klose und Pele. Ebenfalls die Chance gleichzuziehen haben in Russland Tim Cahill (Australien) und Rafa Marquez (Mexiko).

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