Ekstase in Paris - und alle grölen den Pavard-Song
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Neben den Jubelfeiern über den Triumph der Franzosen kommt es im Land auch Ausschreitungen und Plünderungen. Zwei Fans sterben sogar im Partyrausch.

Der Fan hatte Tränen der Wut in den Augen. "So feiert man nicht", jammerte der Mann in seinem Frankreich-Trikot, nachdem die rauschende WM-Party in Randale ausgeartet war.

In Paris und dem Rest des Landes gab es Plünderungen, Ausschreitungen und Vandalismus, die Polizei musste an vielen Orten Tränengas und Wasserwerfer einsetzen.

Gegen 0.30 Uhr in der Nacht zu Montag räumten die Sicherheitsbehörden den Prachtboulevard Champs-Elysees, nachdem Hunderttausende zuvor im Herzen von Paris ihre neuen Helden wie Antoine Griezmann, Kylian Mbappe und Co. noch friedlich gefeiert hatten.

Zudem passierten mehrere schwere Unfälle am Rande der WM-Feiern: Zwei Fans der Equipe Tricolore starben sogar im Rausch über den zweiten WM-Titel Frankreichs nach 1998.

Im südöstlichen Annecy brach sich ein 50-jähriger Mann nach Polizeiangaben das Genick, als er nach dem Schlusspfiff von Moskau in einen flachen Kanal sprang. In Saint-Felix in Nordfrankreich feierte ein Mann in den Dreißigern in seinem Auto hinterm Steuer und raste kurz nach dem 4:2 gegen Kroatien in einen Baum.

Zerstörte Autos werden abgeschleppt

Am Morgen danach begannen in Paris und anderen Städten die Aufräumarbeiten nach den Ausschreitungen. Scherben wurden zusammen gekehrt, zerstörte Autos abgeschleppt und die Überreste der Pyrotechnik weggefegt.

In der Hauptstadt hatten erst die Glocken der Kathedrale Notre-Dame zu Ehren des Teams von Trainer Didier Deschamps geläutet, doch schnell heulten dann auch die Sirenen von Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen durch Paris. Etwa 110.000 Polizisten waren im Einsatz.

Rund um die Champs-Elysees zerstörten Dutzende von teils vermummten Jugendlichen die Fensterscheiben von Geschäften. Rund 30 Randalierer brachen in das Geschäft "Publicis" ein und stürmten mit Wein- und Champagnerflaschen wieder hinaus.

Einige lachten und filmten sich selbst mit ihren Handys. Manche bewarfen die Sicherheitskräfte mit Flaschen und anderen Gegenständen, die Polizei reagierte mit dem Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern. Mindestens ein Mann wurde schwer verletzt, als ihm bei einer Schlägerei ein Motorradhelm gegen den Kopf gerammt wurde.

Jugendliche rauften sich mit Polizei

Auch im Rest der Republik kam es zu unschönen Szenen, unter anderem in Lyon, Marseille, Straßburg und Rouen. In Lyon lieferten sich rund hundert Jugendliche Zusammenstöße mit der Polizei, nachdem die Halbwüchsigen beim Public-Viewing des Spiels auf ein Polizeiauto geklettert waren.

Die Polizei setzte Tränengas ein, die Jugendlichen warfen Gegenstände und setzten Mülltonnen in Brand. Auf einer Brücke versuchten rund 50 Jugendliche, eine Polizeiabsperrung zu durchbrechen. Es gab acht Festnahmen.

In Marseille erinnerten die Ausschreitungen in Ansätzen an das Chaos der EM 2016, als sich in der südfranzösischen Hafenstadt Russen und Engländer Straßenschlachten lieferten. "Es gab zahlreiche Geschosse, zwei Angehörige der Sicherheitskräfte wurden verletzt, und zehn Menschen wurden verhaftet", sagte ein Polizeisprecher.

In Rouen wurden zwei Journalisten von Schlägern gewaltsam angegriffen, nachdem sie die Ausschreitungen gefilmt hatten - sie mussten ins Krankenhaus gebracht werden.

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