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Igor Akinfejew wurde mit zwei parierten Elfern zum Helden und verschwand in der Jubeltraube
Igor Akinfejew wurde mit zwei parierten Elfern zum Helden und verschwand in der Jubeltraube © Getty Images
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Moskau und München - Der WM-Traum von Gastgeber Russland geht weiter. Elfer-Held Igor Akinfejew läutet die nächste Party ein - und rührt seinen Trainer zu Tränen.

Als würden sie sich erhobenen Hauptes vom Turnier verabschieden, drehten die Spieler der Sbornaja mit Tränen in den Augen eine Ehrenrunde. Doch auf den Rängen des Luschniki-Stadions in Moskau ging die Party währenddessen erst richtig los.

"Spielt für uns!", stand auf dem Banner, das das Team vor dem Achtelfinale gegen Spanien von den Fans mit auf den Weg bekam und jetzt auf dem Rasen hochhielt. Und das Spiel ist für den WM-Gastgeber noch lange nicht zu Ende.

Mit einem 4:3-Erfolg im Elfmeterschießen hatte Russland gegen den Weltmeister von 2010 ein "kleines Wunder" vollbracht. Im Viertelfinale am Samstag (20 Uhr im LIVETICKER) soll sich in Sotschi die russische WM-Party gegen Kroatien fortsetzen.

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Akinfejew wird zum Volksheld

Mit defensiver Disziplin hatten die Russen in den 120 Minuten zuvor Spanien zur Verzweiflung gebracht und ein 1:1 (1:1, 1:1) verteidigt. "Im Laufe der zweiten Halbzeit haben wir versucht unser Tor zu verteidigen und auf das Elfmeterschießen gehofft. Das haben wir geschafft", sagte Torhüter Igor Akinfejew.

Als der Keeper von ZSKA Moskau dann nach dem Elfmeter von Koke auch noch den entscheidenden von Iago Aspas parierte, stieg er vor den 78.011 laut aufschreienden Zuschauer endgültig zum Volkshelden auf. "Die Fans sehen jetzt, dass wir Russen genau wissen, wie man Fußball spielt", sagte Akinfejew. "Jetzt spüre ich eine völlige Leere. Eine Leere vor Freude."

Russlands Held parierte allein im Elfmeterschießen mehr Torschüsse, als sein Gegenüber David De Gea im gesamten Turnier – mit neun Paraden in den 120 Minuten zuvor hielt er sein Team im Spiel.

Tschertschessow weint - Putin nimmt Druck

Sein Coach Stanislaw Tschertschessow kämpfte hinterher mit Freudentränen. "Ich muss mich bei meinen Spielern bedanken. Wir haben zwei Jahre hart dafür gearbeitet und einen großartigen Job gemacht", sagte der 54-Jährige.

Der russische Staatspräsident Wladimir Putin zeigte sich offenbar schon vor dem Achtelfinale zufrieden mit dem Abschneiden der Sbornaja. "Putin meinte, dass ungeachtet des Ergebnisses des Spieles niemand im Land sie verurteilen würde", sagte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow über ein Telefonat zwischen Putin und Tschertschessow, das am Mittag stattgefunden habe.

"Putin sagte, unter Tschertschessows Führung haben unsere Männer bereits das Unmögliche möglich gemacht, indem sie die Gruppenphase überstanden haben", sagte Peskow. Putin selbst verfolgte das Spiel nicht im Stadion, sondern vor dem Fernseher.

Artem Dschjuba (41.) per Handelfmeter hatte in der ersten Halbzeit das Eigentor von Alexander Ignaschewitsch (12.) ausglichen. In der Verlängerung durften sich die Russen bei Akinfejew bedanken, der seinen müden Mitspielern gegen den eingewechselten Rodrigo (109.) das 1:1 rettete.

Schirkow droht WM-Aus

Getrübt wurde die Freude von der verletzungsbedingten Auswechslung von Flügelspieler Juri Schirkow in der Halbzeitpause. "Ich glaube, dass Schirkow sein letztes Spiel gemacht hat. Vielleicht könnte er im Finale spielen, wenn wir es erreichen. Er hat eine Verletzung am Bein", sagte Tschertschessow.

"Ihr seid geboren, um Träume wahr werden zu lassen", stand vor Spielbeginn im Fanblock auf einer riesigen russischen Flagge - und tatsächlich gelang das "kleine Wunder", wie Dschjuba die große Überraschung im Vorfeld bezeichnet hatte. Für den Stürmer war es "das Spiel unseres Lebens", und so traten die Hausherren gegen ratlose Spanier auch auf.

Dschjuba lässt Fans weiter vom Wunder träumen

Dschjuba sorgte dafür, dass der Traum der Russen nach dem frühen Schock des Eigentors wieder erwachte. Erst köpfte er Gerard Pique den Ball an den ausgestreckten Arm, danach verwandelte er sicher den Strafstoß.

Und das, obwohl er in der abgelaufenen Saison seine beiden Elfmeter in der russischen Liga verschoss.

Angetrieben von der Euphorie scheint den Russen derzeit alles zu gelingen. Auch der zuvor nicht für möglich gehaltene Halbfinal-Einzug ist plötzlich möglich – das wäre dann mehr als nur ein "kleines Wunder".

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