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Die Amtszeit von Phil Neville als englischer Nationalcoach der Frauen fängt mit Komplikationen an
Die Amtszeit von Phil Neville als englischer Nationalcoach der Frauen fängt mit Komplikationen an © Getty Images
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Die Amtszeit des neuen englischen Frauen-Nationaltrainers fängt denkbar schlecht an. Phil Neville hat wenige Stunden nach Bekanntgabe eine Sexismus-Debatte am Hals.

Phil Neville, neuer Teammanager der englischen Frauenfußball-Nationalmannschaft, muss nach seinen sexistischen Kommentaren keine Strafe durch den englischen Verband FA befürchten.

Die Äußerungen würden "nicht die Schwelle überschreiten, um Ermittlungen einzuleiten", schrieb FA-Generaldirektor Martin Glenn am Mittwochabend in einem Brief an die Anti-Diskriminierungs-Organisation "Kick It Out". Diese hatte zuvor Nevilles Engagement kritisiert.

Bereits am Morgen hatte sich der frühere Defensivspieler von Manchester United und des FC Everton in einer offiziellen Stellungnahme entschuldigt. Er wolle klarstellen, dass die Kommentare "keine wahre und ernsthaft gemeinte Reflexion weder meines Charakters noch meiner Überzeugungen sind", sagte Neville.

Kurz nachdem der Verband FA am Dienstag Nevilles Engagement bekannt gegeben hatte, waren fragwürdige Social-Media-Posts aufgetaucht, die vom Twitter-Account des 41-Jährigen gesendet worden waren. In einem Beitrag vom 3. Juli 2012 hieß es beispielsweise: "Ihr Frauen wolltet immer Gleichberechtigung, bis es darum geht, Rechnungen zu bezahlen #Heuchler." 

In einem weiteren Post hatte Neville geschrieben: "Guten Morgen, Männer. Ein paar Stunden Cricket vor der Arbeit rüsten mich gut für den Tag."

Nevilles Account gelöscht

Auf die Frage, warum er sich ausschließlich an Männer gewandt hatte, entgegnete der frühere Spitzenverteidiger: "Als ich sagte 'Guten Morgen, Männer', dachte ich, dass die Frauen damit beschäftigt wären, Frühstück zu machen, sich um die Kinder zu kümmern oder die Betten zu machen - sorry: Guten Morgen, Frauen." Mittlerweile existiert der Account nicht mehr. 

Nach seiner Ernennung am Dienstag hatte sich Neville geehrt gezeigt. "Es gibt keine größere Ehre, als sein Land zu repräsentieren, und es ist ein Privileg, es wieder zu tun", sagte der 59-malige Nationalspieler, der einen Vertrag bis 2021 erhielt.

Neville, der seine aktive Karriere 2013 beim FC Everton beendet hatte, feierte während seiner elf Jahre als ManUnited-Profi unter anderem den Triumph in der Champions League 1999 im Endspiel gegen Bayern München sowie sechs Meistertitel in der Premier League.

Vorgänger nach Rassismus-Eklat abgesetzt

Im vergangenen September war der Waliser Mark Sampson nach einem Rassismus-Skandal als englischer Frauen-Nationalcoach entlassen worden. In der Zwischenzeit hatte Mo Marley den Weltranglistendritten als Interimstrainerin betreut. Neville war dem Vernehmen nach nicht die erste Wahl: Auch Ex-Bundestrainerin Silvia Neid war nach SID-Informationen angefragt worden.

Sie sagte jedoch ab, weil sie sich auf ihre Aufgabe als Leiterin der Scouting-Abteilung Frauen- und Mädchenfußball beim DFB konzentrieren wolle.

Zu den Top-Kandidaten der FA gehörte außerdem der Engländer John Herdman - doch der 42-Jährige wechselte stattdessen innerhalb des kanadischen Fußball-Verbandes von der Trainerbank der Frauen-Auswahl auf den Posten des Männer-Nationalcoaches.

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