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Norwegen muss bei der Frauen-WM in Frankreich ohne seinen Superstar auskommen. Weltfußballerin Ada Hegerberg bleibt bei ihrem Boykott des Nationalteams.

In Frankreich treten die weltbesten Fußballspielerinnen bei der Frauen-WM an. (Service: Spielplan Frauen-WM)

Doch die vielleicht allerbeste von ihnen fehlt: Ada Hegerberg.

Im Dezember 2018 gewann die norwegische Fußballerin für ihre Leistungen den heiß begehrten Ballon d'Or - doch für ihre Nationalmannschaft läuft sie nicht auf.

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Seit 2011 hatte sie für die Nationalelf Norwegens und dort in 66 Spielen 38 Tore erzielt - sechs Jahre später beendete sie ihre Laufbahn im Trikot der "Wikinger" jedoch bereits im Alter von nur 22 Jahren.

Albträume, mentale Probleme, deprimierende Gefühle

Der Grund: ein Streit mit dem norwegischen Verband über den Umgang mit Fußballerinnen und ihre Beteiligung an Prämien.

Wenn die Norwegerinnen ihr erstes Spiel bei der Weltmeisterschaft bestreiten (Frauen-WM: Norwegen - Nigeria, ab 21 Uhr im LIVETICKER), wird die 23-Jährige daher nach wie vor nicht für ihr Land auflaufen, sondern das Turnier nur als TV-Expertin begleiten.

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Laut Nationaltrainer Martin Sjögren habe sie sich im Vorfeld nochmals energisch gegen eine Rückkehr ausgesprochen. "Wir haben versucht, es zu lösen. Wir hatten ein Treffen, aber sie hat sich dazu entschieden, nicht zu spielen", erklärte er.

Die Zeit bei der Nationalmannschaft beschrieb die 23-Jährige selbst als äußerst belastend. Mentale Probleme und Albträume plagten die derzeit beste Fußballerin der Welt. "Es war ein zutiefst deprimierendes Gefühl. Ich hatte Albträume, nachdem ich bei der Nationalmannschaft war. So etwas sollte man nicht haben", sagte sie. "Mir kam schlagartig der Gedanke, dass ich meine Laufbahn im Nationalteam beenden muss."

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Für Hegerberg sei der Rücktritt daher wie eine Befreiung gewesen. "Alles fiel danach von mir ab und ich habe wieder gut geschlafen", sagte die Stürmerin des französischen Serienmeisters Olympique Lyon dem norwegischen Fußballmagazin Josimar.

Norwegen bezahlt Männer und Frauen gleich

Auch nachdem der norwegische Verband als erster der Welt ankündigte, sein Frauen- und Männerteam gleich zu bezahlen indem die Prämien der Frauen von 316.000 auf 612.000 Euro angehoben wurden, änderte dies nichts an ihrer Meinung.

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Sie strebt nach einer Professionalisierung des Frauenfußballs auf allen Ebenen. "Für mein Gefühl war es nicht genug - und es ist nicht gut genug. Fußball ist der beliebteste Sport in Norwegen für Mädchen und Jungen und das schon seit Jahren, aber gleichzeitig haben Mädchen nicht die gleichen Chancen wie die Jungen", monierte sie in einem Gespräch mit dem englischen Guardian.

Odegaard: "Respektiere Norwegen"

Für das Interview erntete Hegerberg allerdings auch harsche Kritik. Der norwegische Nationalspieler Martin Odegaard kritisierte sie in einem Instagram-Post scharf. Für den 20-Jährigen sei der Zeitpunkt des Interviews "furchtbar" und "unbegreiflich".

"Vielleicht könnte man sich mit anderen Sachen beschäftigen, als die Vorbereitung des Teams auf die WM zu stören?", schrieb der Nationalspieler und attestierte der Weltfußballerin mangelnden Respekt: "Die Entscheidung, nicht für Norwegen zu spielen, ist deine. Aber respektiere Norwegen und unser Nationalteam. Es reicht jetzt."

Es sei nun an der Zeit, den Fokus auf die Nationalspielerinnen zu richten. "Sie haben sich mit ihrem Land für die Weltmeisterschaft qualifiziert (eine der größten Sachen, die man im Fußball erleben kann), und sie hatten bereits genug negative Aufmerksamkeit. Sie verdienen etwas Besseres", so der Offensivspieler weiter.

Sasic stärkt Hegerberg den Rücken

Anders schätzt hingegen SPORT1-Expertin Celia Sascic die Angelegenheit ein. "Ich kenne die Details nicht, Ada wird sicher nicht aus Lust und Laune gesagt haben, dass sie nicht dabei ist", sagt die frühere deutsche Nationalspielerin im Gespräch mit SPORT1 und stärkt der ehemaligen Potsdamerin den Rücken.

Gleichzeitig bedauert sie auch deren Entscheidung, nicht bei der WM auf dem Feld zu stehen. "Ada gehört zu den Gesichtern des Frauenfußballs. Viele junge Mädels identifizieren sich mit ihr. Es wäre natürlich gut, wenn solche Gesichter bei den größten Turnieren der Welt vertreten sind", sagt Sasic.

Hegerberg selbst wollte sich zu dem persönlichen Angriff von Odegaard nicht äußern.

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