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Die Fans von Rot-Weiß Erfurt haben ihre Forderungen bereits 2018 geäußert
Die Fans von Rot-Weiß Erfurt haben ihre Forderungen bereits 2018 geäußert © Getty Images
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Rot-Weiß Erfurt ist nicht mehr zu retten. Nach gescheiterten Verhandlungen mit einem möglichen Investor ist das Ende des Vereins besiegelt.

Wochenlang hat Rot-Weiß Erfurt gekämpft, gezittert, gebangt - doch am Mittwochnachmittag starb auch die letzte Hoffnung.

Mit dürren Worten teilte der einstige Fußball-Meister der DDR mit, dass er mit sofortiger Wirkung den Spielbetrieb in der Regionalliga Nordost einstellt. Der tiefste Sturz der Thüringer in ihrer lange Zeit ruhmreichen Vereinshistorie war letztlich unvermeidbar. 

"Die Spieler der Mannschaft haben große Geduld bewiesen. Die meisten von ihnen wollten bleiben und haben bis Mittwoch abgewartet. Sie müssen jetzt noch vor Ende der Transferperiode die Möglichkeit zu einem Vereinswechsel bekommen", sagte Insolvenzverwalter Volker Reinhardt, nachdem die Verhandlungen mit einem neuen möglichen Investor erfolglos geblieben waren.

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Mit dem Rückzug steht der Abstieg des früheren Europapokal-Teilnehmers in die Oberliga fest. Das Heimspiel am Samstag gegen Tabellenführer Energie Cottbus kann nicht mehr stattfinden. Da Erfurt über keine zweite Mannschaft verfügt, steht ein völliger Neuaufbau in der fünfthöchsten Spielklasse bevor - die rot-weiße U19 als älteste Nachwuchsmannschaft ist Tabellensiebter in der Regionalliga. (SERVICE: Die Tabelle der Regionalliga Nordost)

Reinhardt dankt den Spielern

Reinhardt dankte allen Spielern, "dass sie diese auch für sie belastende Situation solidarisch mitgetragen haben", und wünschte ihnen allen "eine erfolgreiche sportliche Zukunft". Er und die Spieler hatten einvernehmlich beschlossen, dass bis Mittwochnachmittag die Entscheidung fallen müsse.

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Für die bisherigen RWE-Kicker, die teilweise bereits ihre Spinde geräumt und die Mannschaftskasse aufgelöst hatten, ist die Lage dennoch brenzlig: Nur noch bis Freitag haben sie Zeit, einen neuen Klub zu finden, ansonsten droht den Profis Arbeitslosigkeit zumindest bis zum Sommer. "Wir stehen mit unseren Mitgliedern in Erfurt in Kontakt und versuchen, den Jungs in dieser schwierigen Situation bestmöglich zu helfen", teilte Spielergewerkschaft VdV mit. 

Der neuerliche Absturz der Erfurter ist einer mit Ansage. Seit Jahren krebste der Klub am Existenzminimum herum, zuletzt hatte der Hauptsponsor seine Zahlungen eingestellt, das für viele Millionen renovierte Steigerwaldstadion erlebte lange nichts Erfreuliches mehr - und RWE konnte angeblich die Stadionmiete nicht mehr stemmen. Nicht nur deshalb schloss auch Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein weitere Finanzhilfen aus. 

Niedergang trotz ruhmreicher Vergangenheit

Den Erfurter Fans tut der Absturz besonders weh. Viele Jahrzehnte spielte ihr Klub oben mit, wurde unter dem Namen SC Turbine Erfurt 1954 und 1955 sogar DDR-Meister. 1966 folgte die Neugründung als FC RW Erfurt, auch in den folgenden Jahren blieben die Thüringer Stammgast in der Oberliga.

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Nach der Wende spielte der Klub, der Nationalspieler wie Thomas Linke und Clemens Fritz hervorbrachte, ein Jahr in der 2. Liga und im UEFA-Cup. 2008 war man Gründungsmitglied der 3. Liga und hielt sich dort als Dauerbrenner bis 2018. Doch eine handfeste Führungskrise leitete den Absturz ein.

Als der Abstieg im März 2018 feststand, meldete der Klub Insolvenz an - seitdem reißen die Negativmeldungen nicht mehr ab. Dass der Profifußball auf absehbare Zeit nach Erfurt zurückkehren könnte, ist nach dem neuen Tiefpunkt ausgeschlossen.

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