"Uns war klar: Er wird einen Elfer für Frankreich geben"
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Paris - Nach der Niederlage in Frankreich sieht Bundestrainer Joachim Löw viel Positives - während Oliver Bierhoff die Veränderungen in der Aufstellung lobt.

Die deutsche Nationalmannschaft hat sich knapp Weltmeister Frankreich geschlagen geben müssen.

Das DFB-Team unterlag in Paris trotz einer guten Leistung und Halbzeitführung mit 1:2 (1:0). Nach dem Spiel überwog bei den Spielern die Enttäuschung, Bundestrainer Joachim Löw sah aber auch viel Positives.

SPORT1 fasst die Stimmen aus der ARD und der Mixed Zone zusammen:

Joachim Löw (Bundestrainer) über ...

... das Spiel: "Ich bin über das Ergebnis enttäuscht, das hätte nicht sein müssen. Wir waren absolut auf Augenhöhe mit dem Weltmeister und hätten normalerweise in der ersten Halbzeit ein zweites Tor machen müssen. Wir sind für das seht gute Spiel nicht belohnt werden. Frankreich hat individuell eine unglaubliche Klasse und nutzt jede Unachtsamkeit. Wir haben eine sehr gute Reaktion gezeigt, mutig gespielt und das Herz in die Hand genommen. Wenn wir cleverer sind, machen wir das 2:0 und werden das Spiel gewinnen. Jetzt müssen wir mit dem schlechten Ergebnis leben."

"Großartige Leistung!" Löw trotz Pleite stolz auf seine Spieler

... die Taktik: "Nach dem Spiel in den Niederlanden wollten wir Veränderungen bringen. Meine Entscheidungen treffe ich nicht, weil sie jemand will - als Trainer trifft man Entscheidungen immer aus voller Überzeugung. Die Franzosen hatten lange keinen Zugriff auf unsere Grundordnung. Wir konnten uns gut lösen und befreien. Wir müssen auch in Zukunft variabel sein." (Das Spiel zum Nachlesen im LIVETICKER)

... einen möglichen Umbruch: "Wir müssen sukzessive einen Umbruch einleiten, die jungen Spieler brauchen aber noch ein bisschen Erfahrung. Wenn man dauerhaft erfolgreich sein soll, braucht man eine gute Mischung. Es sind noch drei, vier ältere Spieler dabei, alle anderen sind jung. Nur mit Jungen kann man auch nicht spielen. Die anderen Spieler haben nicht von heute auf morgen das Fußballspielen verlernt. Mats Hummels, Toni Kroos oder Manuel Neuer sind super Spieler. Die Jungen brauchen auch diesen Halt."

... den Elfmeter zum 2:1: "Das war sicherlich kein Elfmeter. Mats (Hummels, Anm. d. Red.) berüht Matuidi nicht, sondern der Franzose steigt ihm auf den Fuß. Jetzt hätten alle Gegner des Videobeweises ihn gern gehabt."

... einen möglichen Abstieg: "Das wollen wir vermeiden. Wir haben immer noch die Möglichkeit, den Abstieg aus eigener Kraft zu vermeiden, wenn Frankreich in den Niederlanden gewinnt. Wir wollen eigentlich nicht absteigen, aber unser Denken ist auf zwei Jahre ausgelegt und die EM-Qualifikation steht über allem. Das nächste Turnier ist das wichtigste Ziel." (SERVICE: Die Tabelle der deutschen Gruppe)

... mögliche Zweifel an ihm: "Das Gefühl habe ich nicht. Ich habe nach dem Niederlande-Spiel mit dem Präsidenten gesprochen, es ist absolut in Ordnung. Bei zwei so wichtigen Spielen denke ich an anderes. Nach dem Niederlande-Spiel war eine gewisse Ohnmacht da, aber ich habe der Mannschaft gesagt, dass sie den Schalter schnell umlegen soll."

... seine Zukunftshoffnungen: "Mir macht einiges Hoffnung und Mut. Die Leistung heute war gut, einige junge Spieler haben Potenzial, brauchen aber noch Erfahrung. Die Leistung heute war auch nach der herben Kritik in den vergangenen Tagen sehr konzentriert. Das macht mir Mut für die Zukunft."

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Oliver Bierhoff (Nationalmannschaftsdirektor): "Ich bin stolz, wie die jungen Spieler das angenommen und ein gutes Spiel gemacht haben. Wir hätten sicher zumindest ein Unentschieden verdient gehabt. Es ist ein Umbruch da. Wir müssen nur weiter Einsatz zeigen. Ich bin zuversichtlich, dass wir diesen Weg gut weitergehen werden. Wir müssen aber gewisse Fehler abstellen. Was mir Mut macht, ist, dass die Maßnahmen der Trainer von der Mannschaft umgesetzt werden."

... über die Bedeutung des Spiels für Löw: "Bei der Bewertung geht man ja nicht nur von den Ergebnissen aus, die natürlich in der Distanz kommen und da sein müssen. Man muss vor allem eine Entwicklung sehen, dass der Trainer die Mannschaft erreicht und das Dinge umgesetzt werden, die trainiert oder eingefordert werden. Die habe ich schon beim Holland-Spiel in den ersten 30 Minuten gesehen. Dann haben wir den Faden und den Schwung verloren. Hier war es mit Sicherheit, trotz des schlechten Ergebnisses, ein gutes Ergebnis."

... über Löws Aufstellungsänderungen: "Löw macht seinen Job mit Leidenschaft. Er hat sich ja im Sommer bewusst dafür entschieden und will das angehen und weiß, dass das ein Weg und Arbeit ist. Insofern habe ich auch jetzt bei ihm noch die Entschlossenheit gesehen. Ich sehe aber auch, und ich kenne ihn lange, dass er daran nicht klammert, wenn er das Gefühl hat, dass es nicht weitergeht oder dass man nichts mehr geben kann. Dann wäre er der Erste, der das zurückgeben würde. In der Nacht nach Holland war klar, dass was passieren muss, weil ein gewisser Esprit und Energie fehlte. Dass es nur mit Spielern geht, die unverbraucht waren, ist auch klar."

DFB-Stars schwärmen über Taktik-Plan von Löw

Toni Kroos (Deutschland): "Natürlich bin ich enttäuscht. Gerade wenn man so ein Spiel macht, wo vieles funktioniert, was man sich erhofft hatte, man sich dann aber wieder nicht belohnt. Trotzdem sehe ich erstmal keinen Grund, dass wir uns erschießen. Im November sind wieder zwei Spiele und dann geht's weiter. Das langfristige Ziel muss die EM 2020 sein. Wie wir dahin kommen, ist mir egal. Hauptsache wir kommen da hin."

Manuel Neuer (Deutschland): "Es fühlt sich schlecht an, wenn man verliert. Wir haben 1:0 geführt und alles im Griff gehabt. Das ist sehr bitter und enttäuschend. Wenn man sieht, was wir für einen Aufwand betrieben haben, haben wir uns in der ersten Halbzeit nur mit dem Elfmeter belohnt. Wir haben das zweite Tor aber nicht gemacht. Jogi Löw und das Trainerteam hatten einen klaren Plan und der ist im Prinzip auch aufgegangen. Das Resultat spiegelt das Spiel wieder nicht wider. In der ersten Halbzeit haben wir sehr mutig gespielt und es hat ausgesehen, als ob wir in Holland 3:0 gewonnen hätten und nicht gegen den Weltmeister spielen, sondern gegen ein Frankreich, das Angst vor uns hat. Das ist bitter und enttäuschend."

... über den Neuaufbau nach der WM: "Es war klar, dass wir nach der WM Zeit brauchen. Das haben wir uns nicht gewünscht, aber man hat es gesehen. Gestern haben wir ein positives Signal gesetzt, dass trotzdem mit einer deutschen Nationalmannschaft zu rechnen ist. Aber die Kaltschnäuzigkeit fehlt uns noch. Wir gehen trotzdem positiv aus dem Spiel und wir werden auch in Zukunft wieder eine gestärkte deutsche Nationalmannschaft sehen."

Reinhard Grindel (DFB-Präsident): "Die Mannschaft ist natürlich sehr enttäuscht, weil sie sich nicht belohnt hat für ein sehr gutes Spiel. Wir hätten einfach das zweite Tor nachlegen müssen. Es war eine sehr gute Mannschaftsleistung. Der Elfmeter ist natürlich bitter. Aber wir können die Gruppe A noch halten, auch wenn wir Schützenhilfe brauchen. Ich finde, dass wir ein Stück Umbruch gesehen haben, der Mut macht für die Zukunft. Was diese junge Mannschaft heute gezeigt hat, darauf lässt sich aufbauen. Man kann mit Zuversicht auf die nächsten Wochen schauen."

Nico Schulz (Deutschland): "Wir haben gut gespielt und hinten gut gestanden. Es ist enttäuschend, dass wir nicht gewonnen haben. Wir haben zweimal in der Defensive nicht aufgepasst und nach dem 1:0 nicht nachgelegt. Wir sind defensiv besser gestanden als gegen Holland und haben wenig zugelassen." (SERVICE: Spielplan UEFA Nations League)

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Serge Gnabry (Deutschland): "Wir waren in keinster Weise schlechter als Frankreich, sondern haben es gut gemacht und sind in Führung gegangen. Hintenraus war es schwer. Wenn wir die Konter besser ausspielen, können wir sogar 2:0 in Führung gehen."

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