Löws kühler Konter auf die Ballack-Kritik
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Das DFB-Team trifft in der Nations League auf die Niederlade. Vor der Partie in Amsterdam äußert sich Bundestrainer Joachim Löw auch zur Kritik von Michael Ballack.

Joachim Löw hat die Kritik seines langjährigen Kapitäns Michael Ballack gelassen gekontert.

"Er kann gerne was sagen, das ist völlig egal. Jeder kann gerne seine Meinung sagen", sagte der Bundestrainer vor dem Nations-League-Spiel am Samstag (Nations League: Niederlande - Deutschland, 20.45 Uhr im LIVETICKER) in Amsterdam gegen die Niederlande.

Ballack hatte betont, er sei "wie viele andere überrascht", dass Löw nach dem WM-Desaster seinen Job behalten habe und seinem früheren Chef indirekt einen Rücktritt nahegelegt. "Ich habe das gesehen, die Überschrift, aber nicht gelesen, weil es mich diese Woche nicht interessiert, da habe ich andere Gedanken", sagte Löw, "und nächste Woche erst recht nicht".

Der 58-Jährige präsentierte sich in Amsterdam außergewöhnlich ruhig. "Ich bin jetzt seit 2006 Nationaltrainer", sagte er auf SPORT1-Nachfrage, "ich spüre nicht mehr Druck als bei der Heim-WM 2006, der WM 2010 oder 2014. Warum sollte ich?"

Die Pressekonferenz mit Löw und Thomas Müller zum Nachlesen im Ticker:

+++ Vereinssituation eine Belastung? +++

"Grundsätzlich begleitet einen das Thema bei der Nationalmannschaft. In den Tischgesprächen äußert man sich schon darüber. Man denkt darüber nach, was die Probleme sind. Es begleitet einen, aber nicht, wenn man auf dem Platz steht. Sobald der Ball im Spiel ist, kann ich nicht über Dinge nachdenken. Im Leben gibt es ganz andere Situationen, die einen nachdenklich in ein Training gehen lassen würden. Aber beim FC Bayern haben wir nicht so eine Situation. Ich gehe relativ frei in ein Training rein. Da kann ich alles ausblenden. Wir sind im Fußball aber immer von der Mannschaftsleistung und von Ergebnissen abhängig. Es geht immer um das nächste Spiel, da gilt es, die Kohlen aus dem Feuer zu holen", sagt Müller.

Ballack gegen Löw - Chronik eines Zoffs

+++ Müller über das WM-Abschneiden +++

"Die Veränderungen sind in einer Nationalmannschaft ganz normal. Rückblickend hatten wir bei der WM ein Negativ-Erlebnis, dass wir nicht für möglich gehalten haben. Man kann sagen, dass es ohne diese Spieler nicht lief. Aber es geht auch weiter. Bei Mannschaftssportarten ist nicht alles an einzelnen Namen festzumachen. Die Entwicklung geht immer weiter", sagt Müller über das Fehlen von Säulen wie Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger bei der WM.

+++ Müller: Druck ist uns bewusst +++

"Natürlich haben wir nach der WM Druck. Das haben wir schon sehr detailliert analysiert und thematisiert. Der Erfolgsdruck ist uns durchaus bewusst", sagt Müller.

+++ Müller lobt De Jong +++

"Sie versuchen sehr viel, fußballerisch zu lösen. Sie bewegen sich sehr gut in den Zwischenräumen. Sie spielen variabel. Auffällig ist, dass die Außenspieler nach innen kommen und die Zwischenräume besetzen. Von hinten heraus, lassen sie sich schwer unter Druck setzen. Ein Beispiel ist Frenkie de Jong, der sich auf keinen Fall unter Druck setzen lässt und den Ball auf keinen Fall zurück spielt", sagt Müller.

+++ Müller über Vogels Besuch +++

"Bewegend ist, wenn man sich das Ganze zu Gemüte führt. Das gilt nicht nur für den Fußball, sondern generell für das Leben. Es kann im Leben viel passieren, womit man auch nicht rechnet. Man sollte immer die Augen und Ohren offen halten und sich dessen bewusst sein. Das öffnet einem wieder die Augen. Der Kontakt war gut. Kristina Vogel ist eine sehr offene Person, sie wirkt sehr stark. Es war beeindruckend zu sehen, wie sie mit der Situation umgeht. Wir wussten zunächst auch nicht, welche Fragen wir stellen sollten. Mut machen, ist das einzige, was wirklich hilft. Bohrende Fragen und Mitleidsbekundungen will man ja selbst nicht hören. Es war bewegend, aber ein Stück weit auch Normalität, sie in unserer Mitte zu begrüßen, deswegen war es für beide Seiten eine gute Sache", sagt Müller über den Besuch von Kristina Vogel, die nach einem schweren Trainingsunfall querschnittsgelähmt ist.

Müller: So emotional lief das Treffen mit Vogel

+++ Lasches Training? Müller redet Klartext +++

"Die Geschichten sind immer ganz amüsant. Es wird da selten erwähnt, welche Spieler da gemeint waren. Ich habe niemanden eine Extra-Schicht im Kraftraum absolvieren sehen. Wir haben am Mittwoch eine gute Intensität hingelegt, da war gleich eine straffe Einheit auf dem Plan mit sechs gegen sechs auf engem Raum. Es war nicht zu lasch. Wir hatten die nötige Zeit, um die geistige Frische zu finden. Wenn du vom Verein kommst, brauchst du ein, zwei Tage. Man spürt, dass wir auf das Spiel am Samstag brennen. Wie gut die Trainingswoche war, wird dann nach dem Spiel bewertet", sagt Müller.

+++ Müller visiert drei Punkte an +++

"Wir wollen ein gutes Spiel machen und drei Punkte holen. Verlieren ist nicht die Option, die wir bevorzugen. Entsprechend werden wir auch viel investieren. Das gilt auch für mich persönlich", sagt Müller.

+++ Müller setzt auf Spielwitz +++

"Zwei Spiele liegen vor uns, die nicht nur vom Namen her interessante Gegner versprechen. Wir sollten Punkte holen und gewinnen, um uns vor dem letzten Spiel im November gut zu positionieren. Wir gehen mit Frische in die Partie. Wir wollen auf jeden Fall zeigen, was wir können. Den Spielwitz, den man in den Trainingseinheiten erkennen konnte, wollen wir ins Spiel mitnehmen", sagt Müller.

+++ Löw ist fertig +++

Der Bundestrainer verlässt das Podium, Thomas Müller nimmt nun Platz.

+++ Löw über Torflaute +++

"Wir haben schon viele Chancen herausgespielt, aber in der Verwertung war es nicht so gut. Da hatten wir schon ein gewisses Problem. Wir haben viele Spieler in der Offensive, die immer in der Lage sind, Tore zu erzielen, wenn sie in Szene gesetzt werden. Von unserer Spielidee haben wir auch genug Möglichkeiten, dass wir uns genügend Chancen herausspielen", sagt Löw über die Torflaute.

+++ Löw über besonderen Druck +++

"Nein, ich spüre keinen anderen Druck. Ich bin jetzt seit 2016 Bundestrainer. Es gab immer mal wieder Situationen, in denen wir Niederlagen einstecken mussten. Ich verspüre jetzt in der Nations League nicht mehr Druck, als bei einem WM-Turnier", sagt Löw auf SPORT1-Nachfrage.

+++ Löw über Parallelen +++

"Parallelen sehe ich nicht, weil wir uns ja immer für jedes Turnier qualifiziert haben", sagte Löw auf die Frage nach Parallelen zu den Situationen in beiden Ländern mit einem Grinsen.

+++ Löw über das Prestigeduell +++

"Holland gegen Deutschland ist immer geprägt von einer gesunden Rivalität. Ich kann mich noch gut an die Duelle bei großen Turnieren erinnern. Was ich in den letzten Monaten gesehen habe, ist, dass Holland wieder aus diesem Tal herausgekommen ist. Sie haben eine gute und eingespielte Mannschaft. Ich sehe Holland auf Augenhöhe, sie haben technisch gute Spieler, die sehr gut ausgebildet sind. Für Holland lief es mal ein bisschen in die andere Richtung, aber das ist auch normal", sagt Löw.

+++ Löw über Max' Chancen +++

"Wir haben ihn einige Male gesehen, er hat letztes Jahr gut gespielt, auch in diesem Jahr hat er gut begonnen. Ich sehe Nico Schulz eine Nasenlänge vorne, er ist defensiv einen Tick stärker als Philipp Max. Jonas Hector hat in den letzten Jahren bei uns immer gute Leistungen gebracht. Die WM klammere ich mal aus, da waren alle schlecht. Nico Schulz hat auch gegen Peru ein gutes Spiel gemacht. Die Zweite Liga hat Jonas Hector nichts an Qualität genommen", sagt Löw über die Linksverteidiger.

Ballack zählt Löw an

+++ Startelfgarantie für Müller +++

"Thomas Müller wird von Anfang an spielen. Die Bayern-Spieler haben diese Woche einen guten Eindruck hinterlassen. Die Spieler haben schon viel erlebt. Sie sind dann ein, zwei Tage frustriert, aber sie können sehr schnell den Schalter wieder umlegen. Sie waren sehr motiviert. Müller hat auf mich einen sehr agilen Eindruck gemacht. Sie lassen sich von solch einer Phase nicht aus der Bahn werfen. Ich vertraue diesen Spielern absolut", sagt Löw über die Bayern Spieler.

+++ Löw über die Balance +++

"Wir müssen weiter daran arbeiten, dass wir die richtige Balance finden. Daran müssen wir arbeiten, dass wir die richtige Ausgewogenheit haben. Gute Organisation war diese Woche das Thema. Wir müssen wieder die richtige Mischung finden", sagt Löw.

+++ Löw über Abwehrformation +++

"Ich glaube, dass die Variante mit vier Innenverteidigern eine gute Maßnahme war. Jetzt steht uns Jonas Hector als Linksverteidiger zur Verfügung. Rechts wird Matthias Ginter bleiben", sagt Löw über die Abwehrreihe.

+++ Löw: Kritik interessiert mich nicht +++

"Jeder darf gerne sagen was er möchte, aber diese Woche interessiert es mich nicht. Ich habe diese Woche andere Gedanken im Kopf und nächste Woche erst recht", sagt Löw angesprochen auf Ballacks Kritik: "Das interessiert mich wirklich nicht. Für mich ist das relativ unerheblich."

Der frühere Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack hatte nach dem WM-Debakel von Löw entsprechende Konsequenzen erwartet.

"Ich war wie viele andere Leute auch überrascht, dass er seinen Job behalten hat. Er hat lange mit dem Team gearbeitet. Manchmal funktioniert es einfach nicht mehr, wenn jemand so lange mit einer Mannschaft zusammen ist wie er", sagte Ballack der Deutschen Welle.

+++ Löw freut sich auf Nations League +++

"Man will aus dieser Gruppe eins nicht absteigen, das ist auch klar. Das Wichtigste ist die Qualifikation für die EM 2020. Wir wollen natürlich nicht absteigen, sondern in erster Linie die Gruppe gewinnen. Man sollte das aber nicht zu hoch hängen", sagt Löw.

+++ Löw über Druck auf seine Person +++

"Wir haben mit Sicherheit nicht zu lasch trainiert. Wir haben dort weitergemacht, wo wir im September aufgehört haben. Wir haben sehr konzentriert gearbeitet. Die Einheiten waren absolut in Ordung, ich habe bei jedem Spieler gespürt, dass die richtige Intensität da ist", sagt Löw.

+++ Löw über das Personal +++

"Es war übers Wochenende hektisch, bis der Kader feststand. Es gab Absagen von Spielern, mit denen wir absolut gerechnet haben. Auf der anderen Seite haben wir nie lamentiert. Wir haben drei Trainingseinheiten zusammen. Emre Can, Serge Gnabry und Bernd Leno haben sich sehr gut eingefunden, weil sie die Mannschaft größtenteils auch kannten. Ich denke, wir sind gut vorbereitet. Wir freuen uns auf die Nations League. Wenn man ein Spiel verliert, gerät man schon entscheidend ins Hintertreffen. Aber wir freuen uns und sind gut vorbereitet. Es gibt keine Verletzungen und niemand ist angeschlagen", sagt Löw.

+++ Los geht's +++

Löw ist da, die Pressekonferenz beginnt.

+++ Verspätete Ankunft +++

Das DFB-Team landete am Nachmittag mit 50-minütiger Verspätung in Amsterdam.

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