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Udine - Beim EM-Finale drückt Joachim Löw der deutschen U21 im Stadion die Daumen. Aber wie steht es um eine mögliche Zukunft der DFB-Youngster beim Bundestrainer?

Als die deutsche U21 vor zwei Jahren bei der EM in Polen ihren Finalsieg feierte, konnte sich Bundestrainer Joachim Löw nur aus der Ferne mitfreuen, schließlich befand er sich selbst noch auf Titelmission beim Confederations Cup in Russland.

Nun stehen die deutschen Youngster bei der UEFA U21 EM 2019 vor der Titelverteidigung - und diesmal wird auch Löw beim Finale gegen Spanien in Udine am Sonntag (U21-EM, Finale: Deutschland - Spanien ab 20.45 Uhr im LIVETICKER, Highlights ab 23.30 Uhr im TV auf SPORT1) persönlich im Stadion anwesend sein.

Dass neben ihm auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff, die beiden Vizepräsidenten Reinhard Rauball und Rainer Koch sowie zahlreiche weitere Funktionsträger anreisen, spricht für die Bedeutung des Spiels.

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Klar: Es geht um die Zukunft des deutschen Fußballs, erst recht nach der ernüchternden WM im Sommer 2018. Zumindest Löw ist schon vor dem Endspiel begeistert von seinen potenziellen künftigen Schützlingen.

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Joachim Löw schwärmt von deutscher U21

"Es ist beeindruckend, wie diese jungen Spieler die Vorgaben umsetzen, wie diszipliniert sie sind, wie sie - wie auch gegen Rumänien - kämpfen, und wie viel Spielfreude sie zeigen", schwärmte der Bundestrainer nach dem gewonnenen Halbfinale und prophezeite: "An so manchem Spieler werden wir bestimmt auch über die U21 hinaus noch unsere Freude haben.“

Aber ist das tatsächlich so? Wie realistisch ist es, dass die Spieler dieser U21-Auswahl anschließend auch in der A-Nationalmannschaft für Furore sorgen?

Schon der Blick auf den erfolgreichen Kader der U21-EM 2017 lässt Zweifel aufkommen: Insgesamt sechs Spieler, die vor zwei Jahren den Titel holten, wurden schon einmal von Löw nominiert. Bei Max Meyer (4 A-Länderspiele), Yannick Gerhardt (1) und Maximilian Arnold (1) war das zuletzt jedoch bereits vor ihrem U21-Erfolg der Fall, bei Arnold ist es sogar schon fünf Jahre her.

Gnabry und Kehrer setzen sich bei Löw durch

Niklas Stark durfte im März 2019 zwar mal beim A-Team reinschnuppern, kam jedoch nicht zum Einsatz. Bleiben also nur Serge Gnabry (8 Länderspiele, 7 Tore) und Thilo Kehrer (7 Einsätze), die sich bislang durchsetzen konnten.

In Kuntz' aktuellem Kader stehen sogar vier Spieler, die schon mit zu Löw durften. Unter ihnen hat derzeit Jonathan Tah die besten Chancen, auch künftig eine feste Rolle in der A-Nationalmannschaft zu spielen - schließlich schob der Bundestrainer auch seinetwegen Mats Hummels und Jérôme Boateng vorzeitig aufs Abstellgleis.

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Lukas Klostermann darf dank der geringen Leistungsdichte auf den Außenverteidigerpositionen auf weitere Einsätze hoffen. Gleiches gilt für Benjamin Henrichs, der sich allerdings erst einmal von einer mehr als unruhigen ersten Saison bei AS Monaco erholen muss.

Maximilian Eggestein, der bei seiner bislang einzigen Nominierung von Löw nicht eingesetzt wurde, hat im zentralen Mittelfeld in absehbarer Zukunft namhafte Konkurrenz wie Toni Kroos, Ilkay Gündogan, Joshua Kimmich und Co. vor sich.

Was wird aus Waldschmidt, Richter und Co.?

Und wie sieht es aus mit den Senkrechtstartern der Europameisterschaft? Insbesondere der Freiburger Luca Waldschmidt spielte sich in den Vordergrund, stellte mit sieben Toren schon vor dem Finale den Turnierrekord ein. Dass dieser keine Garantie für eine Weltkarriere ist, zeigt jedoch das Beispiel des zuvor alleinigen Rekordhalters Marcus Berg aus Schweden.

Genau wie der Augsburger Marco Richter oder Levin Öztunali von Mainz 05 spielt Waldschmidt bislang nur bei einem kleineren Bundesliga-Verein, Erfahrung im internationalen Vereinsfußball haben sie alle kaum vorzuweisen. Mit 23 (Waldschmidt, Öztunali) bzw. 21 Jahren (Richter) sind sie noch dabei, sich im Profifußball zu etablieren - da sind gerade im internationalen Vergleich viele Top-Talente schon deutlich weiter.

"Natürlich haben wir erkannt, dass die Zahl der Wahnsinns-Talente in den einzelnen Jahrgängen ein bisschen zurückgegangen ist", gestand daher auch Kuntz im Interview mit dem sid. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass der U21-Coach auf seine wohl größten Juwele schon längst verzichten muss.

Sané und Werner hätten bei U21 spielen können

Leroy Sané, Timo Werner, Kai Havertz, Julian Brandt, Thilo Kehrer - sie alle wären bei der laufenden U21-EM noch spielberechtigt gewesen, haben aber schon den dauerhaften Sprung zu Löw geschafft.

Und auf der anderen Seite hat der Europameister von 1996 in Markus Schubert, Arne Maier, Lukas Nmecha und Johannes Eggestein schon vier Spieler mit dabei, die auch bei der EM 2021 noch für die DFB-Junioren auflaufen dürfen. Sie könnten zumindest mittelfristig eine Perspektive bei Löw haben.

Der 21-jährige Schubert, Torwart von Dynamo Dresden, sagte nach SPORT1-Informationen jüngst dem FC Arsenal ab und könnte den bisherigen U21-Stammkeeper Alexander Nübel nicht nur beim DFB, sondern auf Sicht auch bei Schalke 04 beerben.

Nübel selbst stellte bei der U21-EM derweil eindrucksvoll unter Beweis, dass sich Fußball-Deutschland zumindest um seine Torhüter keine Sorgen machen muss.

Auch der vielgelobte Schlussmann der Königsblauen wird sich auf absehbare Zeit jedoch schwertun, regelmäßige Einsätze bei Joachim Löw zu bekommen. Marc-André ter Stegen ist schließlich auch erst 27.

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