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München - Bayern-Talent Adrian Fein glänzt derzeit beim HSV - und in der U21. Im Interview spricht er über Kuntz' Erfolgsgeheimnis, Vorbilder und schlechte Wortspiele.

Wie es sich anfühlt, mit ganz großen Namen auf dem Platz zu stehen, weiß Adrian Fein schon ganz genau.

Der heute 20-Jährige durfte beim FC Bayern unter Carlo Ancelotti erstmals bei den Profis reinschnuppern und gilt noch immer als hoffnungsvolles Talent der Münchner.

"Wir sehen hier die Chance, dass eines unserer Talente nach überzeugenden Lehrjahren im Profifußball zum FC Bayern zurückkehrt und Mitglied unserer Mannschaft wird", sagte Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic kürzlich in der Sport Bild: "Wir stehen in regelmäßigem Austausch mit dem Jungen, er hat die Qualität, das zu schaffen."

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Nach einer Saison bei Jahn Regensburg ist der Mittelfeldspieler seit Saisonbeginn vom Rekordmeister an den Hamburger SV ausgeliehen und verpasste dort bisher keine einzige Pflichtspielminute.

Auch in der U21 sorgte Fein bei seiner ersten Nominierung direkt für Aufsehen: Im ersten Qualifikationsspiel zur EM 2021 gelangen ihm beim 5:1-Erfolg in Wales ein Tor und eine Vorlage. 

Vor dem Testspiel in Spanien (U21: Spanien - Deutschland ab 19.45 Uhr im LIVETICKER) spricht Fein im SPORT1-Interview über das Erfolgsgeheimnis von U21-Coach Stefan Kuntz, Erfahrungen mit Arjen Robben und Joshua Kimmich, seine Vorbilder - und schlechte Wortspiele.

SPORT1: Herr Fein, am Donnerstagabend steht mit der U21 das Duell mit Spanien an, so etwas wie die Neuauflage des EM-Finals im Juni. Wie haben Sie das Spiel damals erlebt?

Adrian Fein: Ich habe es damals geschaut, das war ein sehr hochklassiges Spiel. Diesmal hatten die Spanier auch ein bisschen das nötige Glück auf ihrer Seite, nachdem vor zwei Jahren unsere Jungs gewonnen haben. Aber die deutsche U21 hat ein richtig geiles Turnier gespielt.

SPORT1: Inzwischen haben Sie selbst Ihre ersten beiden Spiele in der U21 gemacht, im ersten EM-Qualifikationsspiel in Wales direkt ein Tor und eine Vorlage beigesteuert. Welche Bedeutung hat es für Sie, für die deutsche U21 auflaufen zu dürfen?

Fein: Eine sehr große Bedeutung! Es ist sehr schwierig, hier reinzurutschen. Mittlerweile ist es ja so, dass bei der U21 eigentlich nur Spieler sind, die im Profifußball schon Fuß gefasst haben und in ihren Vereinen teilweise schon eine sehr große Rolle spielen. Da ist es dann schon eine Ehre, nominiert zu werden.

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SPORT1: Viele Namen in der neuen U21 sagen den Fans vielleicht noch nicht ganz so viel, bei Alexander Nübel, Luca Waldschmidt und Co. war das vor zwei Jahren aber nicht anders. Ist das ein Ansporn, es dem Vorgänger-Jahrgang nachzumachen?

Fein: Wir wollen uns natürlich über die U21 noch mal empfehlen. Viele Jungs spielen ja in der Zweiten Liga. Aber dort ist es als junger Spieler auch nicht so leicht, Fuß zu fassen. Die U21 kann für uns sicher eine Art Sprungbrett sein. Und natürlich ist es ein Ziel, dass die Leute in zwei Jahren sagen: Den kenne ich, der macht dieses und jenes - und dass sie wissen, wie wir Fußball spielen.

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SPORT1: Stefan Kuntz hat die U21 seit seinem Amtsantritt zwei Mal in Folge ins EM-Finale geführt. Wie haben Sie ihn bisher erlebt, haben Sie schon ein Erfolgsgeheimnis bei ihm ausmachen können?

Fein: Er geht einfach sehr gut mit der Mannschaft um. Es herrscht eine lockere Atmosphäre, aber sobald wir auf dem Platz sind, geht es nur noch darum, dass guter Fußball gespielt wird. Ich finde es gut, dass er uns in gewisser Weise ein paar Freiheiten gibt, auch was zum Beispiel die Freizeitgestaltung angeht. Auf dem Platz hat das Trainerteam eine klare Vorstellung davon, wie wir Fußball spielen wollen - und das versuchen wir umzusetzen. Wir hatten jetzt erst einen Lehrgang, sind eine komplett neue Mannschaft, da kann noch nicht alles funktionieren. Aber je öfter wir zusammenspielen, desto besser wird es werden.

SPORT1: Joachim Löw hat jetzt einige Spieler nominiert, die vor kurzem noch in der U21 gespielt haben. Inwiefern ist das auch für Sie ein Zeichen, dass einem die Tür nach oben offensteht?

Fein: Natürlich registriert man das - und es zeigt einem, dass die U21 ein großartiges Sprungbrett sein kann. Erst einmal will hier aber jeder spielen und auf sich aufmerksam machen. Da ist glaube ich noch niemand dabei, der jetzt schon konkret an die A-Nationalmannschaft denkt. Aber es ist schon gut, das im Hinterkopf zu haben, dass gute Leistungen in der U21 - und natürlich auch im Verein - da schon registriert werden.

SPORT1: Am vergangenen Wochenende haben Sie beim HSV mit einem traumhaften Flugball das 2:0 gegen Fürth vorbereitet. Wo sehen Sie persönlich Ihre Stärken - und wo haben Sie noch Nachholbedarf?

Fein: Ich finde es immer schwierig, mich selbst zu beurteilen. Es gibt jetzt nichts, wo ich nicht noch Luft nach oben hätte. Aber das Spiel mit dem Ball zählt mit Sicherheit zu meinen größten Stärken. Dafür habe ich im Defensivverhalten, im Kopfballspiel und auch in Sachen Torgefahr bestimmt noch großes Verbesserungspotenzial.

SPORT1: Gibt es Vorbilder, bei denen Sie sich für Ihre Entwicklung etwas abschauen?

Fein: Da gibt es einige. Wenn man bei Bayern gespielt hat, war auf meiner Position natürlich Bastian Schweinsteiger einer, bei dem man immer genauer hingeschaut hat. Aber der Fußball von Paul Pogba oder Toni Kroos gefällt mir genauso, auch wenn das unterschiedliche Spielertypen sind. Man versucht, sich da in unterschiedlichen Bereichen was abzuschauen.

Adrian Fein (r.) hat beim Hamburger SV in dieser Saison noch keine einzige Pflichtspielminute verpasst ©

SPORT1: In Sachen Vorbilder die Frage aller Fragen: Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo?

Fein: Meiner Meinung nach ist Messi der deutlich bessere Fußballer, aber Ronaldo macht durch seinen Ehrgeiz und seine harte Arbeit viel wett - deswegen bin ich eher im Team Ronaldo.

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SPORT1: Sie haben einst unter Carlo Ancelotti zum ersten Mal bei den Bayern-Profis reinschnuppern dürfen. Gab es Spieler, die Sie damals besonders beeindruckt haben?

Fein: Arjen Robben hat jeden Tag eine extrem professionelle Einstellung vorgelebt, war jeden Tag im Kraftraum, hat individuell sehr viel gemacht. Insgesamt ist es bei Bayern aber schwierig, da jemanden herauszuheben, weil jeder hart arbeitet. Wenn man in so einer Top-Mannschaft nur ein paar Prozent nachlässt, dann spielt man eben nicht mehr. Wer mir auch sehr positiv in Erinnerung geblieben ist, ist Joshua Kimmich, der uns junge Spieler an die Hand genommen und uns immer wieder gepusht hat. Das ist für einen jungen Spieler sehr wichtig, wenn man seine ersten Einheiten bei den Profis macht.

SPORT1: Sportdirektor Hasan Salihamidzic hat kürzlich erklärt, dass er Ihnen eine Rückkehr zum FC Bayern absolut zutrauen würde. Wie gut tut das, so etwas zu hören?

Fein: Es ist ein schönes Kompliment, das freut einen natürlich zu hören. Aber das sind Dinge, mit denen ich mich aktuell gar nicht so beschäftige. Mein Fokus liegt im Moment beim HSV und bei der U21 - der Rest wird sich ergeben.

Beim FC Bayern durfte Adrian Fein (r.) schon in diversen Testspielen für die Profis ran
Beim FC Bayern durfte Adrian Fein (r.) schon in diversen Testspielen für die Profis ran © Imago

SPORT1: Wenn man Sie genauer anschaut, fällt auf, dass Sie zahlreiche Tattoos haben. Welche Bedeutung haben die für Sie?

Fein: Ich habe viele Familienmitglieder auf dem linken Arm und auf der linken Brust: meinen Opa, meine Geschwister und meine Eltern. Oben habe ich dann noch einen Schutzengel, der die Familie beschützen soll - aber da kommen sicherlich noch ein paar dazu.

SPORT1: Letzte Frage: Ein guter Fußballer, der den Namen Fein trägt - wie viele schlechte Wortspiele mit Ihrem Namen mussten Sie sich schon anhören?

Fein: Da gab es wirklich schon extrem viel (lacht). "Feiner Fuß" oder "Feingefühl", solche Sachen gab es öfter - schon ziemlich schlecht. Aber es ist natürlich auch eine Vorlage, wenn man so einen Namen hat.

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