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München - Beim FIFA-Kongress am Freitag wird wohl der nächste Versuch unternommen, eine WM im Zweijahres-Rhythmus auf den Weg zu bringen. Der Plan sorgt für Aufsehen.

Gerade noch haben sich die beiden großen Fußball-Verbände bei der Ablehnung einer europäischen Super League in seltener Einigkeit präsentiert. Da droht schon wieder neues Konfliktpotenzial zwischen FIFA und UEFA.

Denn der Weltverband um Präsident Gianni Infantino forciert nun seine Bemühungen, die Weltmeisterschaft alle zwei Jahre und damit doppelt so oft austragen zu lassen wie bisher.

Eine Idee, die den Europäern schon allein deshalb nicht gefallen kann, weil sich bislang ihre EM-Endrunde im Zweijahres-Rhythmus mit der WM abwechselt. Zusätzliche Weltmeisterschaften würden eindeutig in Konkurrenz zu den Europameisterschaften stehen und nebenbei den ohnehin schon randvollen Kalender endgültig zum Bersten bringen. (Spielplan der WM-Qualifikation)

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WM ab 2026 mit 48 Mannschaften

Der Vorstoß aus den Reihen der FIFA, die Weltmeisterschaften alle zwei Jahre auszutragen, passt indes nur zu gut zur Politik des Gigantismus unter Infantino. Schließlich hat er bereits dafür gesorgt, dass ab der übernächsten Auflage 2026 in den USA, Kanada und Mexiko die WM mit 48 statt bislang 32 Nationen ausgespielt wird. Dazu wird es eine neue Klub-WM mit 24 Teams geben.

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Am Freitag aber werden die 211 Mitgliedsverbände im Rahmen des 71. Kongresses erst einmal über den Vorschlag einer WM im Zweijahres-Rhythmus beraten, der übrigens von der bislang nicht als Fußball-Weltmacht bekannten Öl-Monarchie Saudi-Arabien eingebracht wird. (Tabellen der WM-Qualifikation)

Der Golfstaat würde gerne eine Machbarkeitsstudie zur entsprechenden Durchführung der Titelkämpfe bei Männern und, ja, auch bei Frauen auf den Weg bringen. Dies dürfte dem Saudi-Arabien durchaus nahestehenden FIFA-Boss Infantino gefallen.

Schließlich machte der sich zuletzt für Änderungen im internationalen Spielkalender ab dem Jahr 2024 stark. Plänen zur Austragung der Weltmeisterschaft alle zwei statt wie bislang bloß alle vier Jahre schien er alles andere als abgeneigt.

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FIFA-Boss Infantino: "Offen gegenüber allen Ideen"

"Wir müssen gegenüber allen Vorschlägen und Ideen offen sein", antwortete der 51-Jährige im März auf die entsprechende Frage. Auf der Suche nach den bestmöglichen Lösungen dürfe es "keine Tabuthemen" geben. Die Zustimmung zu der Machbarkeitsstudie würde schonmal eine kleine Tür für seine nächste Revolution öffnen - und in seine Ära passen.

Denn die Schaffung von größeren und auch mehr Wettbewerben unter dem Dach der FIFA hat sich Infantino besonders auf die Fahne geschrieben, schließlich wachsen damit auch die Einnahmen des Weltverbandes.

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Für die Erfüllung dieser Mission geht er gerne auch auf Konfrontationskurs mit der Europäischen Fußball-Union (UEFA) und den schon jetzt vor Belastung ächzenden Spielern.

Die Idee der alle zwei Jahre stattfindenden Weltmeisterschaft ist nicht gänzlich neu. Schon vor 20 Jahren hatte der damalige FIFA-Präsident Sepp Blatter den Vorschlag gemacht, doch dann wurde es lange still um die Pläne. Erst 2018 belebte der Chef des südamerikanischen Verbandes CONMEBOL die Idee wieder.

"Es ist für die Spieler, weil sie vier Weltmeisterschaften spielen könnten, wenn wir zu einem Zweijahreszyklus übergehen", argumentierte CONMEBOL-Präsident Alejandro Dominguez.

Der ehemalige Weltklassetrainer Arsene Wenger schlug in die gleiche Kerbe. "Da die Weltmeisterschaft alle vier Jahre stattfindet, gibt es nur sehr wenige Chancen, sie zu gewinnen", sagte der 71-Jährige beIN Sports: "Deshalb sollten wir die Weltmeisterschaft vielleicht alle zwei Jahre veranstalten." Gleiches gelte für Europameisterschaften.

Wenger: Weg mit der Nations League

Dafür solle der "ganze Rest" an vermeintlich verzichtbaren Wettbewerben wie die Nations League gestrichen und Länderspielpausen verdichtet werden, so Wenger weiter.

Doch noch ist das ganze ohnehin Zukunftsmusik. Denn die Zustimmung des Kongresses zu einer Machbarkeitsstudie wäre erst ein kleiner Schritt auf dem Weg zu Weltmeisterschaften im Zwei-Jahres-Rhythmus. Änderungen des internationalen Spielkalenders obliegen ausschließlich dem FIFA-Council, in dem Peter Peters als deutsches Mitglied am Donnerstag seine Arbeit aufnahm.

Es könnte aber durchaus sein, dass er in seiner vierjährigen Amtszeit eine wegweisende Entscheidung in Sachen Weltmeisterschaft mit treffen wird.

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