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Christian Prokop übernahm das Traineramt von Dagur Sigurdsson
Christian Prokop übernahm das Traineramt von Dagur Sigurdsson © Getty Images
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Vizepräsident Bob Hanning hat sich nach dem Hauptrunden-Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der EM für Bundestrainer Christian Prokop ausgesprochen.

Der Deutsche Handballbund (DHB) hat sich offenbar entschieden, zunächst keine Konsequenzen aus dem enttäuschenden Hauptrunden-Aus bei der EM in Kroatien zu ziehen.

Vizepräsident Bob Hanning versprach eine "ernste, ehrliche und harte Analyse".

Dabei müssten sich alle hinterfragen. "Angefangen bei mir, bis zum Trainerstab und jedem einzelnen Spieler", sagte Hanning am Donnerstag vor der Rückreise und ergänzte: "Für mich steht der Trainer nicht zur Disposition, wir haben das Ziel, mit ihm weiterzumachen."

Der DHB hatte das Halbfinale als Minimalziel ausgegeben, der Titelverteidiger mühte sich jedoch durch das Turnier.

Die katastrophale zweite Hälfte gegen Spanien geriet zum Tiefpunkt - auch für Prokop, der schon vor dem Turnier für seinen Kader heftige Kritik hatte einstecken müssen.

Prokop schließt Rücktritt aus

Prokop selbst hatte einen Rücktritt schon direkt nach dem Spiel weggewischt: "Ja. Das kann ich ausschließen, weil ich etwas vorhabe. Ich möchte eine Mannschaft in Zukunft präsentieren, mit der man sich sehr gut identifizieren kann."

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Zweifel am Nachfolger des so erfolgreichen Dagur Sigurdsson bleiben. Immer wieder gab es Gerüchte über atmosphärische Störungen zwischen Prokop und dem Team.

Fragende Blicke bei Auszeiten und die fehlende Umsetzung seiner Anweisungen verstärkten diesen Eindruck noch. In Verbindung mit den Diskussionen um die Nichtnominierungen von Finn Lemke habe dies dem Team "nicht gutgetan", wie Hanning zugab.

Ein Jahr vor der Heim-WM machte der Auftritt der deutschen Handballer nur wenig Mut.

"Es fehlt nicht viel, aber es fehlt genug", sagte Hanning, der an seinen "unverhandelbaren Visionen" der WM-Medaille 2019 und Olympia-Gold 2020 in Tokio festhalten will. Prokop darf zunächst weitermachen - aber wohl auf Bewährung.

HBL stärkt Prokop den Rücken

DHB-Präsident Andreas Michelmann wollte die Situation nicht beschönigen. "Unser sportliches Ziel haben wir nicht erreicht. Wir stellen uns unserer Verantwortung. Wir werden alles gründlich auswerten und dann mehr dazu sagen", sagte Michelmann.

Der HBL-Geschäftsführer nahm Prokop derweil in Schutz. "Es war für ihn sein erstes großes Turnier. Da muss man ihm zugestehen, dass er noch ein bisschen lernen muss. Die gegnerischen Trainer waren meist viel erfahrener", sagte Frank Bohmann.

Er sieht in dem Hauptrunden-Aus keinen Imageschaden für den deutschen Handball. "Das ist kein Beinbruch. Schlimmer wäre es, wenn es so bei der Heim-WM laufen würde. Trotzdem muss man sich selber hinterfragen. Mit der Liga stehen wir da in der zweiten oder dritten Reihe. Wo wir helfen können, helfen wir aber gerne", sagte Bohmann.

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