vergrößernverkleinern
Island hatte dem DHB-Team wenig entgegen zu setzten, wie hier beim Wurf von Julius Kühn  (2.v.l.)
Island hatte dem DHB-Team wenig entgegen zu setzten, wie hier beim Wurf von Julius Kühn (2.v.l.) © Getty Images
teilenE-MailKommentare

Den deutschen Handballern ist die Generalprobe vor der Europameisterschaft 2018 in Kroatien mehr als geglückt. Die "Bad Boys" siegen deutlich gegen Island.

Bundestrainer Christian Prokop spendete seiner Mannschaft anerkennend Beifall, die Spieler verabschiedeten sich mit einer Ehrenrunde und einem guten Gefühl Richtung EM: Die Titeljagd der deutschen Handballer kann beginnen.

Der Europameister besiegte Island im letzten Testspiel vor dem Turnier in Kroatien deutlich mit 30:21 (13:8) und tankte damit reichlich Selbstvertrauen für die erneute Gold-Mission. "Wir haben uns sehr gut präsentiert und noch einmal eine Schippe draufgelegt. Viele Konzepte sind aufgegangen. Wir fahren mit einem guten Gefühl nach Kroatien", sagte Torhüter Andreas Wolff.

Kapitän Uwe Gensheimer war stolz auf die Leistung des Teams: "Die Breite im Kader ist unsere große Stärke. Das macht es für jeden Gegner schwer. Deswegen sind wir ziemlich optimistisch."

Sechs Tage vor dem deutschen EM-Auftaktspiel am kommenden Samstag (ab 17.15 Uhr im LIVETICKER) gegen Montenegro überzeugte das deutsche Team mit einem beherzten Auftritt besonders in der Defensive und unterstrich zum Abschluss der Vorbereitung seine Ambitionen. Schon das erste Testspiel gegen Island hatte die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) am Freitag deutlich gewonnen (36:29).

"Man kann über weite Strecken zufrieden sein. Ich habe mit der Mannschaft ein gutes Gefühl tanken können", sagte Prokop, für den die EM das erste Turnier als DHB-Coach sein wird. In der Abwehr habe man "zugelegt" und "ein variables Angriffsspiel" gezeigt. "Aber in Kroatien wird uns eine andere Aggressivität gegenüberstehen", warnte der Nachfolger von Dagur Sigurdsson.

"Eklige Entscheidung" steht an

Beste Torschützen am Sonntag vor 4800 Zuschauern in der ausverkauften Arena in Neu-Ulm waren Rückraumspieler Philipp Weber, Gensheimer und Rechtsaußen Tobias Reichmann mit je vier Treffern. Zudem hielten die beiden Torhüter Silvio Heinevetter und Wolff bärenstark.

Die Spiele gegen die überforderten Nordeuropäer standen ganz im Zeichen der Kader-Nominierung des Bundestrainers. Prokop wechselte viel und nutzte die letzte Gelegenheit, um sich ein Bild über den Leistungsstand seiner Wackelkandidaten zu machen. Denn in Kroatien dürfen zunächst nur 16 Spieler aus dem 20er-Aufgebot auflaufen. Prokop muss noch vier Akteure streichen.

"Das ist eine eklige Entscheidung, die er treffen muss", sagte Torhüter Andreas Wolff. Und auch Julius Kühn befand: "Ich bin froh, dass ich nicht in seiner Haut stecke. Wir haben eine ungeheuer hohe Leistungsdichte im Team auf jeder Position."

Vieles deutet darauf hin, dass die beiden Grünschnäbel Bastian Roschek und Marian Michalczik beim Abflug gen Zagreb am Donnerstag nicht dabei sein werden. Und auch der Kieler Europameister Rune Dahmke, der gegen Island nur sporadisch zum Einsatz kam und mit Gensheimer einen Weltklasse-Linksaußen vor sich hat, steht auf der Kippe.

Defensive lehrt Island das Fürchten

Zum großen Plus beim Turnier auf dem Balkan könnte die Ausgeglichenheit des Teams werden. Egal, wie oft Prokop wechselte und wen er brachte: Es war kein Bruch im deutschen Spiel erkennbar.

Vor allem in der Offensive, der es in der Vergangenheit immer wieder an Konstanz fehlte, agierte die DHB-Auswahl variabel und tankte mit Toren von sämtlichen Positionen reichlich Selbstvertrauen. 

Die Defensive um Abwehrchef Finn Lemke deutete am Sonntag in vielen Situationen an, warum sie international gefürchtet ist. Kaum eine Aktion der Isländer fand den Weg durch die aggressive deutsche 6:0-Formation. Und falls doch mal ein Wurf Richtung Kasten ging, waren die Keeper Heinevetter und Wolff oft zur Stelle.

"Vor der EM ist mir nicht bange. Die Atmosphäre in Kroatien wird aufgeheizt sein, aber ich freue mich drauf. Das wird ein geiles Turnier", sagte Torjäger Kühn. Und Linkshänder Kai Häfner meinte: "Wir müssen uns vor niemandem verstecken und können dort ein Wörtchen mitreden. Wir sind einfach eine mega-augeglichene Mannschaft, das macht uns schwer ausrechenbar."

Das Spiel im Stenogramm:

Deutschland - Island 30:21 (13:8)
Tore für Deutschland: Weber (4), Gensheimer (4/1), Reichmann (4/2), Kühn (2), Häfner (2), Groetzki (2), Pekeler (2), Drux (2), Weinhold (1), Fäth (1), Janke (1), Wiencek (1), Kohlbacher (1), Roschek (1), Michalczik (1), Wolff (1) - Gudmundsson (6) bester Torschütze für Island.
Schiedsrichter: Salah/Brunner (Schweiz)
Zeitstrafen: 3:3
Siebenmeter: 5/3:3/3
Zuschauer in Neu-Ulm: 4800 (ausverkauft)

Nächste Artikel
previous article imagenext article image