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Der THW Kiel um Trainer Filip Jicha sind wütend wegen der Corona-Verordnungen und das Termin-Beharren in der Handball-Bundesliga
Der THW Kiel um Trainer Filip Jicha sind wütend wegen der Corona-Verordnungen und das Termin-Beharren in der Handball-Bundesliga © Imago
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Kiel - Wegen der Corona-Maßnahmen sind die Handballer des THW Kiel in Quarantäne, können noch nicht mal wirklich trainieren. Direkt wieder in der Liga ran zu müssen, sorgt für Zoff.

Das nächste Flensburger Ausrufezeichen im Kampf um die deutsche Meisterschaft verfolgten die Kieler Handballer gezwungenermaßen auf dem heimischen Sofa. (NEWS: Alles zur HBL)

Während der Erzrivale aus dem hohen Norden in der Bundesliga von Sieg zu Sieg eilt, sind die THW-Stars seit 14 Tagen zum Zuschauen verdammt.

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"Die Jungs haben zwei Wochen lang nur im Wohnzimmer trainiert, durften nicht laufen gehen oder konnten auch nur einen Ball werfen", sagte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi verärgert.

Verärgert deshalb, weil die aktuelle Landesverordnung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Schleswig-Holstein sogenannte Quarantäne-Ersatzmaßnahmen für Berufssportler nicht vorsieht und dem Rekordmeister deshalb eine Trainingsgenehmigung für Donnerstag und Freitag durch das zuständige Gesundheitsamt verwehrt wurde.

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THW-Boss Szilagyi sauer über Corona-Behörden

Verärgert aber vor allem, weil Kiel am kommenden Sonntag, nur einen Tag nach der Rückkehr aus der Quarantäne, auf Geheiß der Handball-Bundesliga (HBL) gegen den SC Magdeburg (16.00 Uhr) antreten muss. Da fehlen mir bei der Entscheidung, einer Verlegung nicht zuzustimmen, die Verhältnismäßigkeit und das Fingerspitzengefühl", so Szilagyi. 

Es sei "im Hinblick auf die Gesundheit der Spieler bedenklich, nach 14 Tagen Quarantäne und nur einer gemeinsamen Trainingseinheit in der Halle zu einem Bundesligaspiel antreten zu müssen". (Tabelle der Handball-Bundesliga).

Auch THW-Coach Filip Jicha ist in Rage: "Ich fühle mich ungerecht behandelt. Die Handball-Familie hat sich entschieden, die Saison wie geplant zu Ende spielen zu wollen. Flensburg und wir repräsentieren den deutschen Handball in einer spielintensiven Champions League, sind da erfolgreich."

"Dass man in dieser Situation bei der HBL auf die vorhandenen Regeln verweist und einem Mitglied der Familie so etwas antut, keine andere Lösung findet – das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen", so der Tcheche weiter, der in seiner ersten Emotion, "weil ich den Jungs gegenüber auch eine Fürsorgepflicht habe", sogar bereit gewesen wäre, das Spiel ausfallen zu lassen und den Magdeburgern die Punkte am grünen Tisch zu überlassen.

Coach Jicha erwog sogar Spielverzicht

Am Ende aber, berichtete Szilagyi, habe "ausnahmslos jeder unserer Spieler (...) sich dagegen ausgesprochen, die Punkte kampflos herzuschenken. Das zeigt einmal mehr die überragende Einstellung unserer Mannschaft."

Die Regeln der HBL sehen vor, dass eine Mannschaft eine Spielverlegung dann beantragen kann, wenn mehr als 50 Prozent der Spieler im Kader – beispielsweise durch Quarantäneauflagen – nicht spielfähig sind.

Der THW hatte auf eine Ausnahme gehofft wie im Fall der MT Melsungen, der nach 14 Tagen Quarantäne der Wunsch nach mehr Vorbereitungszeit auf die Partie gegen den Bergischen HC gestattet wurde, die HBL das Spiel schließlich von Donnerstag auf Sonntag verlegte. (Spielplan und Ergebnisse der Handball-Bundesliga).

"Die Jungs haben entschieden, keine Opfer sein zu wollen. Wir wollen dieses Spiel unbedingt gewinnen", meint Jicha - wenngleich "die Spieler wissen, dass das Verletzungsrisiko enorm ist."

THW Kiel im Fernduell mit Flensburg 

Die Corona-Posse um die Kieler, die nach Minuspunkten (22:2 Punkte) in der Tabelle zwar weiterhin vorn liegen, inzwischen aber schon vier Spiele in Rückstand sind, drängte den sechsten Flensburger Sieg in Serie ein wenig aus dem Fokus.

Dabei unterstrich das Team von Trainer Maik Machulla (29:3 Punkte) mit dem ungefährdeten 33:29 (15:13) gegen den Verfolger Füchse Berlin seine Ansprüche - und kickte den Hauptstadt-Klub ganz nebenbei endgültig aus dem Titelrennen.

Beim Blick auf das Tableau wird klar: Obwohl nicht einmal die Hälfte der Saison gespielt ist, dürfte zum dritten Mal nacheinander alles auf einen Zweikampf der beiden Erzrivalen hinauslaufen.

Wie Berlin haben auch die anderen Konkurrenten Rhein-Neckar Löwen, der SC Magdeburg und die MT Melsungen allesamt schon neun Minuspunkte auf dem Konto.

SG Flensburg besiegt auch Füchse Berlin

Zeit zum Genießen bleibt den Flensburgern nicht. Schon am Sonntag (16.00 Uhr/Sky) steht das Duell mit dem TBV Lemgo auf dem Programm, für Machulla aber kein Grund zu klagen.

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"Das ist der Weg, den wir gehen müssen in dieser schwierigen und besonderen Zeit", so der SG-Coach: "Wir müssen die Spiele alle spielen und die Lücken füllen, um die Saison zu Ende zu bekommen."

Der THW Kiel kann ein Lied davon singen - denn gerade für den Abonnementsmeister hat es das Rest-Programm mit sieben Spielen binnen 14 Tagen noch mehr als sonst in sich: Nach dem Magdeburg-Duell folgt am Dienstag das Champions-League-Heimspiel gegen Aalborg, am Donnerstag ist dann das Duell in Nantes angesagt.

Weiter geht es mit den Heimspielen gegen Berlin (28. Februar), Celje (2. März), Zagreb (4. März) und Nordhorn-Lingen (6. März).

Mammut-Programm für THW wie nie zuvor

Damit nicht genug: Nach der sich anschließenden Nationalmannschaftswoche inklusive Olympia-Qualifikation drohen bis zu 31 weitere Partien in nur 105 Tagen bis zum letzten Spieltag am 27. Juni.

Jicha bringt es so auf den Punkt: "Das werden die härtesten 17 Wochen der Vereinsgeschichte. In so einer Situation war ja noch kein Verein der Welt."

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)

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