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Marcel Schiller (sitzend) sicherte Deutschland das so wichtige Remis gegen Schweden
Marcel Schiller (sitzend) sicherte Deutschland das so wichtige Remis gegen Schweden © Imago
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Deutschland rettet zum Auftakt des Quali-Turniers für die Olympischen Spiele ein Remis. Marcel Schiller geht in der entscheidenden Phase voran.

Uwe Gensheimer schmiss sich überglücklich auf Marcel Schiller, zahlreiche Teamkollegen kamen auf ihn zugestürmt: Der Linksaußen ist im ersten Spiel der deutschen Handballer beim eminent wichtigen Olympia-Quali-Turnier zum Helden avanciert.

Ein Treffer des Mannes von Frisch Auf Göppingen wenige Sekunden vor der Schlusssirene hat den deutschen Handballern alle Chancen im Kampf um die Olympischen Spiele bewahrt. Das Team von Bundestrainer Alfred Gislason erkämpfte sich gegen Vizeweltmeister Schweden ein 25:25 (14:13) - der Traum von Tokio lebt! (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

"Das bedeutet, dass wir noch leben", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning: "Aber wir brauchen eine Leistungssteigerung, um uns für die Olympischen Spiele zu qualifizieren." Gislason war ebenfalls erleichtert: "Wir brauchten dringend diesen Punkt." Insgesamt war der Isländer mit der Leistung seines Teams aber "nicht zufrieden".

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Schiller stellt Gensheimer in den Schatten

Das deutsche Team zeigte zum Auftakt des Viererturniers in Berlin zumindest ganz viel Moral und bog in einer dramatischen Schlussphase einen Vier-Tore-Rückstand noch um. Schiller, der im zweiten Abschnitt für den glücklosen Gensheimer ran durfte, sorgte mit seinem fünften Treffer für das zeitweise nicht mehr für möglich gehaltene Remis.

"Wir sind einfach happy, dass wir diesen Punkt geholt haben", sagte Schiller in der ARD erleichtert, der von seinem Coach bei der nächsten Aufgabe wohl den Vorzug vor Kapitän Gensheimer bekommen wird. "Marcel Schiller wird gute Chancen haben, morgen anzufangen", erklärte Gislason.

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Torhüter Johannes Bitter, der in der Schlussphase wichtige Paraden zeigte, meinte: "Es geht um wahnsinnig viel, da geht die Lockerheit ein bisschen flöten. Jetzt ab in die Eistonne, und dann freue ich mich auf morgen."

Damit es mit dem Tokio-Ticket am Ende auch klappt, sollte das deutsche Team am Samstag (15.35 Uhr) gegen den EM-Vierten Slowenien, der sich am Freitagabend mit 36:28 gegen Algerien durchsetzte, und am Sonntag (15.45 Uhr/beide im LIVETICKER) gegen den Afrikavertreter aber konstanter auftreten. Vor allem die Chancenverwertung war am Freitag phasenweise miserabel. Immer wieder scheiterten Gensheimer und Co. freistehend an Schwedens Keeper Andreas Palicka.

Besser machte es Schiller. Er war nicht nur auffälligster Mann der deutschen Aufholjagd in der Schlussphase, er war zudem mit drei Treffern aus drei Versuchen eiskalt vom Siebenmeterpunkt, nachdem Gensheimer bei seinem gescheitert war.

Wolff darf gegen Slowenien ran

"Wir haben nach der Pause eine schlechte Viertelstunde gespielt in Angriff wie Abwehr", monierte Gislason. Zudem verriet er, dass Andreas Wolff, auf den der Isländer gegen Schweden überraschend verzichtet hatte, am Samstag zum Einsatz kommen werde.

Die deutsche Mannschaft war mit viel Zuversicht und großer Motivation in das von Verbandsvize Bob Hanning ausgerufene "Wochenende der Wahrheit" gestartet. "Wir haben eine sehr schwierige Aufgabe vor der Brust, aber wir wollen es unbedingt nach Tokio schaffen", hatte Gensheimer angekündigt.

Den große Worten ihres Anführers ließ das deutsche Team zunächst Taten folgen. Vor allem die bei der WM so schmerzlich vermissten Stars vom Champions-League-Sieger THW Kiel drückten dem deutschen Spiel von Beginn an ihren Stempel auf. Hinten ackerten Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek und Steffen Weinhold im Abwehrzentrum nebeneinander, vorne sorgte das Kieler Trio für fünf der ersten zehn deutschen Tore.

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Lagergren glänzt im zweiten Abschnitt für Schweden

"Das war sicherlich eine ansprechende Leistung", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer zur Pause. Teammanager Oliver Roggisch monierte im ARD-Interview dagegen die Chancenverwertung: "Wenn wir die Freien reinschießen, sind wir im Soll. Wir spielen ganz ordentlich, der Ball läuft – jetzt müssen wir nur noch die Tore machen."

Doch genau dies blieb zunächst das Problem. Im zweiten Abschnitt dauerte es genau sieben Minuten, bis das deutsche Team erstmals traf. Die mit elf Bundesliga-Profis gespickten Schweden übernahmen das Kommando. Vor allem Albin Lagergren von den Rhein-Neckar Löwen traf nun in Serie, die Skandinavier führten nach 43 Minuten plötzlich mit 20:17.

Das deutsche Team wirkte in der Folge ziemlich ratlos - und hatte beim 21:23 (52.) doch noch einmal die Chance auf den Anschlusstreffer. Doch Schiller schmiss den Ball am Tor vorbei. Mit viel Moral stemmte sich aber das DHB-Team gegen die Niederlage - und wurde nach einer spannenden Schlussphase belohnt.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)

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