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Hamburg und Herning - Deutschland spielt bei der Handball-WM "nur" um Platz drei. Ein bronzener Abschluss wäre aber wichtig, auch wenn das Turnier bereits als Erfolg gewertet wird.

Ein letztes Mal darf die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2019 noch aufs Feld.

Doch auch wenn die DHB-Auswahl am Sonntag nicht zur erhofften Uhrzeit antritt, sondern im Spiel um Platz 3 gegen Frankreich (Handball-WM: Deutschland - Frankreich ab 14.30 Uhr im LIVETICKER), ist es mitnichten eine belanglose Partie.

Das zweite WM-Duell mit dem entthronten Titelträger Frankreich entscheidet darüber, ob Deutschlands Handballer mit leeren Händen und einem bitteren Nachgeschmack nach Hause fahren - oder mit einer Medaille und einem guten letzten Eindruck, der bekanntlich besonders im Kopf bleibt.

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"Eine Bronzemedaille mag auf den ersten Blick einen Trostpreis darstellen, aber wenn wir bei so einer tollen WM auf den dritten Platz gelangen, ist das einfach eine überragende Leistung. Dann wären wir sehr stolz", meinte Axel Kromer, Sportvorstand beim Deutschen Handballbund (DHB). Es geht um die erste WM-Medaille seit dem goldenen Wintermärchen 2007.

Heinevetter will "verfi**** Medaille"

Direkt nach dem bitteren 25:31 im Halbfinale gegen Norwegen hatte bei den Spielern neben der Enttäuschung der Trotz regiert.

"Wir hatten ein Ziel - zehn Spiele. Im Idealfall das Finale, das haben wir leider nicht geschafft", sagte Silvio Heinevetter in der ARD. Doch der Keeper, der gegen Norwegen lange auf der Platte stand, versprach "volle Tatkraft" für das Bronze-Match. In seiner Instagram-Story wurde er noch deutlicher: "Jetzt gilt es, diese verfi**** Medaille zu holen."

Auch die Teamkollegen und Trainer Prokop peilen einen versöhnlichen Abschluss an. "Wir haben die Chance, eine Medaille zu erzielen bei dieser Heim-WM. Wir werden alles reinlegen in das letzte Spiel", kündigte Prokop an: "Wir haben das ganze Turnier nicht negativ gedacht, und das werden wir jetzt nicht ändern."

Spieler wollen Medaille für die Fans

Die Spieler dachten auch an die Zuschauer.

"Wir sind es den Fans auch schuldig", meinte Fabian Böhm, gegen Norwegen einer der besten Deutschen: "Wir haben so eine tolle Atmosphäre in den Hallen gehabt. Wir wollen einfach unbedingt diese Bronzemedaille."

Jannik Kohlbacher ergänzte: "Wir können uns mit einer Medaille belohnen. Wir können Wiedergutmachung betreiben für unsere fantastischen Fans, die uns hier immer unterstützt haben."

Euphorie vor Ort und am Fernseher

Auf die Unterstützung der kompletten Fans kann sich Deutschland diesmal zwar nicht verlassen, da der Finaltag im dänischen Herning stattfindet. Der Großteil der Zuschauer sollte sich aber auf die Seite des Co-Gastgebers schlagen.

Nicht bloß in den Arenen entfachten die Handballer eine lange nicht mehr erlebte Euphorie. Das Halbfinal-Aus sorgte für eine Rekord-Einschaltquote.

11,91 Millionen Zuschauer verfolgten das Spiel am Freitagabend zur Prime Time in der ARD, das entspricht einem Marktanteil von 35,0 Prozent. Zuvor lag der Höchstwert für ein deutsches Spiel bei der WM 2019 bei 10,02 Millionen im Hauptrundenspiel gegen Kroatien (ZDF).

Hanning: "Haben viel für den Handball getan"

DHB-Vizepräsident Bob Hanning wollte deswegen die Bewertung des Turniers nicht vom abschließenden Wochenende abhängig machen.

"Man kann schon heute sagen: Es ist eine sehr gelungene Weltmeisterschaft", sagte Hanning am Freitag. Denn "wir haben begeisternden Handball gespielt und sehr viel für den deutschen Handball getan".

Prokop sprach von "zwei Herzen, die da in der Brust schlagen". Natürlich sei die Enttäuschung wegen des verpassten Finals da.

WM-Helden mit Bronze-Abschluss?

"Auf der anderen Seite ging es nicht nur um diese numerische Platzierung, sondern auch darum, diese Sportart so zu präsentieren, dass wir viele Vorbilder entwickeln, dass wir für unseren Nachwuchs da sind, dass Deutschland merkt, dass es auch noch eine Sportart gibt, bei der das ganze Land dahinter steht", meinte Prokop: "Das haben wir hervorragend, überragend hinbekommen."

Doch auch Prokop, der sich eindrucksvoll rehabilitiert hat, weiß: WM-Helden, die ein begeisterndes Turnier mit einer Bronze-Medaille abgeschlossen haben, hätten für den erhofften nachhaltigen Handball-Hype eine weitaus größere Strahlkraft als enttäuschte Vierte, die sich mit zwei Niederlagen verabschieden - auch wenn sie als "Weltmeister der Herzen" gelten.

Denn dann droht die Gefahr, dass auch die Spieler das Turnier schneller als gewünscht abhaken wollen. Trotz der Leistung, die sie in den vergangenen zweieinhalb Wochen gezeigt, und der Euphorie, die sie verursacht haben.

Ein bronzenes Wintermärchen ließe sich einfach besser verkaufen als ein blechernes.

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