Lesedauer: 4 Minuten
teilenE-MailKommentare

Berlin - Deutschland gibt gegen Russland und Frankreich den Sieg aus der Hand. Andreas Wolff beschwört das Ende der Pechsträhne, Oliver Roggisch setzt auf den Lerneffekt.

Montagabend, es laufen die Schlusssekunden im Spiel zwischen Deutschland und Russland. Die deutsche Mannschaft führt mit einem Tor. Reicht es zum Sieg? Nein. Sergei Kosorotov zimmert den Ball ins Netz und sorgt für das Unentschieden.

Dienstagabend, es laufen die Schlusssekunden im Spiel zwischen Deutschland und Frankreich. Die deutsche Mannschaft führt mit einem Tor. Reicht es zum Sieg? Nein. Timothey N'Guessan zimmert den Ball ins Netz und sorgt für das Unentschieden.

In den 28 Stunden der Wahrheit kassierte Deutschland einen doppelten Last-Minute-Schock, nachdem man es jeweils verpasst hatte, vorzeitig den Sieg zu sichern.

Anzeige

Zwei Mal brachte sich das Team um den verdienten Lohn, auch wenn besonders der Punkt gegen Frankreich im "besten Länderspiel einer deutschen Nationalmannschaft seit zwei Jahren" (DHB-Vizepräsident Bob Hanning) aller Ehren wert ist - und die Ausgangssituation für die Hauptrunde rosig scheint.

Doch was fehlt dem deutschen Team in der Crunchtime? Die Erfahrung? Die Cleverness? Gar die Winner-Mentalität? Oder hatte es einfach nur Pech?

Selbstkritik nach unglücklicher Schlussphase

"Im Endeffekt ist es einfach unglücklich. Das waren zwei hervorragende Würfe", erklärte Keeper Andreas Wolff auf der Pressekonferenz am Tag nach dem Spiel gegen Frankreich. Auch Hanning und Kreisläufer Patrick Wiencek empfanden die Endphase als "unglücklich".

Die individuellen Einzelleistungen sind schwer zu verhindern, nur von Pech zu reden, wäre aber zu einfach - das wissen auch die Spieler.

"Wir werden uns noch mal Gedanken machen, wie wir das demnächst effizienter lösen können. Dass dann solche Szenen nicht mehr passieren", versprach Wolff, der dabei auch Co-Trainer Alexander Haase anblickte.

Wiencek, der im Verbund mit Hendrik Pekeler eine überragende Abwehrleistung ablieferte, monierte: "Gerade in den letzten Minuten haben wir wieder einige Ballverluste gehabt. In der Abwehr standen wir auch nicht so kompakt wie die 50 Minuten vorher."

Crunchtime-Drama: Roggisch gibt Tipps

Oliver Roggisch sprach mehrere Erfahrungswerte an.

"In der Crunchtime müssen wir uns einfach bewusster sein, dass wir da vielleicht auch mal einen Freiwurf ziehen, dass wir ein bisschen Druck rausnehmen, dass wir das Ding länger ausspielen, dass wir vielleicht Frankreich gar nicht mehr in Ballbesitz kommen lassen", erklärte der Team-Manager.

Dazu habe das Team in den letzten Spielen "ein paar Ballverluste" gehabt, "die richtig weh getan haben". Roggisch fordert: "Wir müssen einfach ein bisschen cooler sein."

Das Nervenkostüm soll möglichst keine Rolle mehr spielen, sollte es in der Hauptrunde um alles gehen und ein Tor entscheidend sein.

Wolff beschwört Ende der Pechsträhne

Während Hanning und Steffen Fäth "nicht so viel Aufmerksamkeit" auf das Deja-vu-Drama legen wollten, gab Wiencek zu, dass die Szenen "vielleicht schon im Hinterkopf bleiben".

Für den weiteren Turnierverlauf beschwört das Team die Rückkehr des Glücks. "Wir haben uns gestern als Mannschaft zumindest erfolgreich eingeredet, dass wir die ganzen Pechsträhnen in diesen Situationen hinter uns haben", erklärte Wolff mit einem Schmunzeln.

Rot auf Weiß zeugte die Anzeigetafel in Berlin vom neuerlichen deutschen Last-Second-Drama
Rot auf Weiß zeugte die Anzeigetafel in Berlin vom neuerlichen deutschen Last-Second-Drama © Getty Images

"Vielleicht haben wir im nächsten Spiel das Glück und haben den letzten Angriff und machen ihn rein", sagte Fäth.

In einem solchen Turnier habe man "immer mal Phasen, in denen es nicht so gut läuft oder man Pech hat. Jetzt hatten wir zwei Spiele in Folge, wo es nicht passieren sollte oder dürfte, aber doch passiert ist. Deswegen hoffen wir, dass es in der Hauptrunde nicht mehr passieren wird", ergänzte Wiencek.

Prokop hofft auf Belohnung

Dazu kommt der Lerneffekt. "Jede Sekunde hilft den Jungs", meint Roggisch. Dass bei einer Heim-WM Druck vorhanden ist "und vor 14.000 Zuschauern mal die Hand ein bisschen zittert, gehört auch dazu. Daraus müssen wir lernen und es besser machen".

Auch Wiencek setzt darauf, "dass wir aus den Fehlern, die wir gemacht haben, lernen und diese dann abstellen werden." Jeder Spieler sei "in der Pflicht, die Fehler abzustellen".

Er spricht von "Lösungen, die wir dann angehen werden". Lösungen, die auch Bundestrainer Prokop und Co-Trainer Haase finden müssen, wie vor dem Tor von Jannik Kohlbacher zum 24:22 nach einer Auszeit.

"Irgendwann werden wir uns belohnen", versicherte Prokop: "Das ist glasklar."

-----

Lesen Sie auch:

Warum es für Deutschland jetzt ganz weit gehen kann

Weinhold verletzt! Häfner stößt zum DHB-Team

Nächste Artikel
previous article imagenext article image