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München - Nach der Pleite gegen Deutschland fühlt sich Kroatien wegen eines Stürmerfouls betrogen. Nicht ohne Grund - wie jetzt auch die Schiedsrichter zugeben.

Für Kroatien ist der Traum vom Halbfinale bei der Handball-WM geplatzt. Nach der Pleite gegen Deutschland hat das Team von Trainer Lino Cervar keine Chance mehr auf das Weiterkommen - stattdessen steht die deutsche Nationalmannschaft schon vor dem letzten Hauptrundenduell mit Spanien in der Runde der letzten Vier (Handball-WM: Deutschland - Spanien ab 20.30 Uhr im LIVETICKER).

Die Entrüstung nach der Partie auf Seiten der Kroaten war groß. Denn: Cervar fühlte sich von den Schiedsrichtern betrogen.

Grund für die Entrüstung war vor allem ein umstrittenes Stürmerfoul knapp eineinhalb Minuten vor dem Ende. Die Kroaten waren beim Stand von 20:21 aus ihrer Sicht im Angriff, als Linksaußen Marius Strlek in Richtung Tor zog und dabei Deutschlands Kreisläufer Jannik Kohlbacher zu Fall brachte. Das Schiedsrichter-Gespann entschied auf Offensiv-Foul und brachte damit die kroatische Bank gegen sich auf.

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Im Nachhinein haben die Unparteiischen nun ihren Fehler eingestanden. "Eines der Kriterien für ein Stürmerfoul ist, dass der Verteidiger im Moment des Körperkontaktes steht", sagte Martin Gjeding, der das Duell mit seinem Kollegen Mads Hansen leitete. "Das war in der Szene nicht der Fall. Ich musste das Video nicht oft ansehen, um zu erkennen, dass es eine Fehlentscheidung war."

Schiedsrichter hadern mit Fehlentscheidung

Der Pfiff sorgte nicht nur für Entrüstung bei Cervar, auch den Schiedsrichtern selbst ließ die falsche Entscheidung keine Ruhe. Sie hätten in der Nacht nicht besonders gut geschlafen, erzählte Gjeding. "Und die nächste wird auch nicht einfach. Aber wir müssen darüber hinwegkommen", meinte der Däne.

Auch an Hansen gehe der Fauxpas nicht spurlos vorüber: "Meistens sind wir gut in dem, was wir machen. Aber jeder, der in seinem Job einen Fehler macht, weiß, wie unangenehm das ist. Allerdings wissen wir, dass Fehlentscheidungen dazugehören."

Für das dänische Gespann steht viel auf dem Spiel. Der folgenschwere Fehler könnte einer Empfehlung für die Schlussphase des Turniers im Wege stehen. Der Forderung der Kroaten, das Schiedsrichtergespann aus dem Turnier auszuschließen, kam der Handball-Weltverband IHF jedoch nicht nach. 

Kroaten schreiben Beschwerdebrief an IHF

Unterdessen hat der kroatische Verband aufgrund der vermeintlichen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter im Spiel gegen Co-Gastgeber Deutschland einen Beschwerdebrief an den Handball-Weltverband IHF geschrieben. Das bestätigte der Verband Spiegel Online.

Einen offiziellen Protest gegen die 21:22-Niederlage gebe es allerdings nicht.

Ihrem Beschwerdebrief fügten die Kroaten einen Videozusammenschnitt mutmaßlicher Fehlentscheidungen der dänischen Schiedsrichter bei. 

Kroatien-Coach fühlt sich betrogen

Kroatiens Trainer Lino Cervar war nach der 21:22-Niederlage gegen Deutschland und dem geplatzten Titeltraum seines Team bei der Handball-WM auf 180. "Die Schiedsrichter haben ihren Job nicht gut gemacht heute", schimpfte der 68-Jährige: "Unser Team hatte heute nicht die gleichen Chancen wie Deutschland. Das ist die dritte WM, bei der wir um unsere Chance betrogen wurden."

Cervar, als Heißsporn an der Seitenlinie bekannt, wütete weiter: "In 45 Jahren Trainertätigkeit habe ich so etwas noch nicht erlebt. Der olympische Gedanke wurde beschmutzt. Die Schiedsrichter haben sich nicht fair verhalten."

Auch Kroatiens Starspieler Domagoj Duvnjak war sichtlich unzufrieden mit der Leistung der beiden Unparteiischen. Während der Partie gestikulierte er beinahe nach jedem Pfiff in Richtung der Referees und brachte seinen Unmut verbal zum Ausdruck. 

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