Provinz statt Weltfußball: Die Irrfahrt eines Neymar-Gefährten
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München - Ze Eduardo spielte an der Seite von Neymar, nun ist er bei einem Schweizer Zweitligisten gelandet - hat aber immer noch große Pläne. Bei SPORT1 spricht er.

Er war dabei, als Neymar seinen ersten großen Titel mit Brasilien gewann. Jetzt soll ein früherer Coach des 1. FC Kaiserslautern seine Karriere wieder in Gang bringen - in der zweiten Schweizer Liga.

Ze Eduardo, 27 Jahre alt, aus der 300.000-Einwohner-Stadt Uberaba, hat eine wilde Fußballer-Odyssee hinter sich. 

Jetzt spielt er beim FC Wil, unter der Anleitung des deutschen Trainers Konrad Fünfstück - und hofft auf einen zweiten Frühling. 

"Der FC Wil hat mir die Chance gegeben, in Europa wieder Fuß zu fassen. Ich bin erst 27 und kann noch viel erreichen", sagt Eduardo im Gespräch mit SPORT1.

Neymar wird zum Star, Ze Eduardo zum Globetrotter

Sieben Jahre ist es her, dass der Mittelfeldspieler als Verheißung galt, mit Brasilien Südamerika-Meister in der U20 wurde. Seine Teamkollegen: ein illustrer Kreis.

Mit dabei Neymar (Paris Saint-Germain), Oscar (früher FC Chelsea, heute Shanghai), Danilo (Manchester City), Casemiro (Real Madrid), Alex Sandro (Juventus Turin), Lucas Moura (Tottenham Hotspur). Von der stärksten Nachwuchsauswahl, die die Selecao je hatte, war damals die Rede - und sie lieferte.

Neymar wurde bei der Kontinentalmeisterschaft 2011 auch zum besten Spieler gekürt
Neymar wurde bei der Kontinentalmeisterschaft 2011 auch zum besten Spieler gekürt © Getty Images

Während Neymar zum Superstar avancierte, wurde Eduardo zum Fußballglobetrotter.

Mit 17 wechselte der Mittelfeldspieler zum brasilianischen Top-Klub Cruzeiro, nach nur einem Jahr zog er weiter zu Ajax Amsterdam, dann geriet seine Laufbahn ins Stocken. Anderthalb Jahre Pause in Parma nach einer schweren Verletzung waren der Höhepunkt seiner Leidenszeit.

Die Odyssee ging weiter. Es folgte ein Wechsel nach Kreta, dann nach Cesena und wieder zurück nach Brasilien. Heute ist in der Schweizer Challenge League gelandet, beim aktuellen Tabellenführer der zweithöchsten Spielklasse.

Auch beim FC Wil lief's chaotisch

Eduardos Karriere verlief ähnlich chaotisch wie die des FC Wil. Der Verein war zwischen 2015 und 2017 noch ein Chaos-Klub, der damals mit dubiosen türkischen Investoren Europa erobern wollte. Im Winter 2017 erreicht das Chaos beim Team aus der italienischen Schweiz seinen Höhepunkt.

Die Spieler mussten auf ihre Löhne warten und der türkische Verwaltungsleiter tauchte ab. Erst im März gab es die Gehälter und die Investoren aus der Türkei zogen sich zurück und hinterließen ein Millionen-Loch.

Mittlerweile ist Ruhe eingekehrt in Wil. Coach Fünfstück (von 2013 bis 2016 beim 1. FC Kaiserslautern) peilt nun erstmal wieder die Rückkehr ins Schweizer Oberhaus an - und setzt dabei auf Eduardos Qualitäten.

Konrad Fünfstück trainierte von 2013 bis 2016 den 1. FC Kaiserslautern
Konrad Fünfstück trainierte von 2013 bis 2016 den 1. FC Kaiserslautern © Getty Images

"Werde mich für die große Bühne empfehlen"

"Ze Eduardo ist ein sehr intelligenter und lebenslustiger Typ. Seine positive Einstellung und die Lebensfreude, die er verkörpert, sprechen für sich", sagt der 38 Jahre alte Coach bei SPORT1.

Seit einem Jahr spielt Eduardo in der Ostschweiz. Die Eingewöhnung fiel leicht, schließlich ist sportlicher Erfolg da. "Die Aufnahme in den Klub und die Mannschaft ist sehr schnell gelungen. Durch seine italienischen Sprachkenntnisse war eine Verständigung mit einem Großteil der Mannschaft von Beginn an gegeben", erinnert sich Fünfstück.

"Ich habe den Fußball erlebt, es gibt immer Höhen und Tiefen. Mit dem FC Wil bin ich wieder im Hoch", freut sich Eduardo: "Ich bin sehr glücklich hier, werde weiter hart arbeiten und mich so für die große Bühne empfehlen."

Was nun den Wilern zu Gute kommt: "Durch seine Qualität bereichert er die Mannschaft. Er hat die Fähigkeit die jüngeren Spieler zu führen, mitzureißen und ist ein wichtiger Baustein in unserem Team", erklärt Fünfstück.

Eduardo gibt das Lob gerne zurück: "Er ist ein junger Trainer, der uns immer motiviert und stets positiv ist. Er bringt Erfahrung mit, sodass ich viel von ihm lernen kann. Die Zusammenarbeit mit ihm empfinde ich als sehr gut."

Kontakt zu Neymar? "Jeder hat sein eigenes Leben"

Was Fünfstück Eduardo noch zutraut?

"Ze Eduardo hat sich bewusst für den FC Wil entschieden und ist auf einem sehr guten Weg", so der Coach. "Seine Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen und es liegt letztlich an ihm, was er aus seinen Fähigkeiten und unbestrittenen Talent macht." Fünfstück ist davon überzeugt, "dass er demnächst wieder in der höchsten Liga spielen wird".

Star-Allüren aufgrund seiner Vergangenheit mit Neymar habe Eduardo "definitiv nicht. Ze ist sehr bescheiden und arbeitet konzentriert an seiner Karriere. Er ist sehr zielorientiert und fokussiert sich auf seine Arbeit."

Ob Eduardo noch in Verbindung steht mit Neymar, dem berühmten Weggefährten? Nicht mehr viel. "Jeder hat sein eigenes Leben", erzählt er: "Ich habe mit Neymar nicht mehr so viel Kontakt wie früher. Vor einem Jahr haben wir uns das letzte Mal gesehen."

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