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München - Paris Saint-Germain gibt den sicheren Pokalsieg aus der Hand, Neymar rastet aus und kritisiert seine Mitspieler. Und auch Thomas Tuchel gerät immer mehr in die Kritik.

Die Nerven liegen blank bei Paris Saint-Germain.

Innerhalb von sieben Wochen ist aus einer womöglich überragenden eine an den eigenen Ansprüchen gemessen ungenügende Saison für den französischen Meister geworden.

Anfang März das viel zu frühe und sehr unglückliche Aus in der Champions League gegen Manchester United, vor einigen Tagen die 1:5-Klatsche gegen den OSC Lille. Höhepunkt dieser Entwicklung war das Finale in der Coupe de France, als PSG gegen Stade Rennes eine 2:0-Führung leichtfertig verspielt und im Elfmeterschießen verlor. Somit bleibt dem erfolgsverwöhnten Scheich-Klub mit der Meisterschaft "nur" ein Titel.

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Obendrein zeigte sich das französische Starensemble als äußerst schlechter Verlierer, allen voran Superstar Neymar. Der Brasilianer, der gegen Rennes sein Startelfcomeback nach langer Verletzung gefeiert hatte, versetzte einem Rennes-Fan, der ihn provoziert hatte, einen Schlag ins Gesicht.

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Nachdem er erst vor wenigen Tagen wegen Schiedsrichterbeleidigung für die ersten drei Champions-League-Spieler der kommenden Saison gesperrt worden ist, droht ihm diesmal eine wohl noch empfindlichere Strafe. Daran dürfte auch seine Entschuldigung via Instagram wenig geändert haben.

Mbappe fliegt, Neymar kritisiert Teamkollegen

Zudem verlor Kylian Mbappe kurz vor Ende der Verlängerung die Kontrolle über sich und sah für ein übles Foul eine höchst berechtigte Rote Karte.

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Neymar kritisierte im Anschluss der Finalniederlage seine Mitspieler. "Die jungen Spieler sind ein wenig verloren, sie hören nicht zu. Die Erfahrenen geben ihnen Ratschläge, und sie erwidern etwas", erklärte der 27-Jährige gegenüber französischen Medien.

Sein Trainer sah das ähnlich. Er kritisierte seine Spieler ebenfalls warf ihnen Leichtsinn vor. "Wir haben nicht realisiert, dass es mit 2:1 noch ein offenes Spiel ist. Es war unser Fehler, dass es nicht schon 3:0 oder 4:0 gestanden hat", sagte Tuchel auf der Pressekonferenz nach dem Spiel.

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Solche Aussagen lassen gravierende Probleme innerhalb der Mannschaft erahnen. Probleme, die auch ein Tuchel bislang nicht lösen konnte. Nicht zuletzt deshalb wird die Luft langsam dünner für den Coach. Die Kritik aus der französischen Medienlandschaft richtet sich zunehmend gegen ihn.

Medien üben harsche Kritik an Tuchel

"Thomas Tuchel scheint der Erste zu sein, der bedroht ist. Er hat seine zweite Hälfte der Saison komplett verkorkst", schrieb Le Parisien. Und auch die größte französische Sportzeitung L’Equipe sieht die Schuld vor allem bei Tuchel.

"Er muss seine Einstellung für die großen Spiele ändern. Er schafft es nicht, seine Mannschaft in Bestform zu bringen", kritisierte das Blatt den deutschen Trainer.

Auch die Wechsel im Pokalfinale wurden kritisiert, Edinson Cavani sei beispielsweise zu spät gekommen. Der Uruguayer wurde erst zur Verlängerung eingewechselt.

Tuchel selbst wirkte in letzte Zeit äußerst dünnhäutig und zunehmend ungehalten. Die 2:3-Niederlage gegen Nantes, nach der seine Mannschaft zum wiederholten Mal die Meisterfeier verschieben musste, sah er gesperrt von der Tribüne aus mit an.

Zudem sparte der 45-Jährige in letzter Zeit nicht mit Kritik an der aus seiner Sicht verfehlten Personalpolitik der Vereinsführung. "Ich hatte zum zehnten Mal in dieser Saison nur 15 Spieler auf dem Spielbericht. Das ist unmöglich!", schimpfte Tuchel beispielsweise nach der Niederlage gegen Lille.

Keine Rücktrittsgedanken bei Tuchel

In dieselbe Kerbe schlug er auch nach der Pokalpleite wieder, nahm die Verantwortung für das Scheitern dennoch auf seine Kappe. "In jedem Spiel habe ich 14 Spieler, zwei davon verletzt, sodass wir während der Partien nicht zuverlässig sein können. Aber ich bin verantwortlich", erklärte Tuchel.

Er müsse die Niederlage erst einmal sacken lassen, gestand er ein. Sein Vertrag in Paris gilt bis 2020, eine Einigung auf ein weiteres Jahr soll bereits vor einigen Wochen erfolgt sein. Hinwerfen wolle er daher aber nicht. "Ich will weitermachen!", erklärte Tuchel.

Bislang genoss der deutsche Trainer großes Vertrauen der PSG-Führung um Nasser Al-Khelaifi. Doch auch Tuchel wird letzten Endes größtenteils an Titeln gemessen. Und davon hat seine Mannschaft in seiner Debütsaison mit Champions League, Pokal und Ligapokal bereits drei teils leichtfertig verspielt. 

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