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Luis Campos steckt hinter dem steilen Aufstieg von OSC Lille
Luis Campos steckt hinter dem steilen Aufstieg von OSC Lille © Imago
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München - Luis Campos hat den Ruf des "unsichtbaren Mannes". Der Transfer-Mastermind verantwortete den Aufstieg mehrerer Klubs. Das hat Begehrlichkeiten geweckt.

An Selbstbewusstsein mangelte es Luis Campos nicht. 

"Ich will nicht arrogant erscheinen, aber ich versichere Ihnen, dass ich in meiner Karriere andere "Meisterwerke" wie diese schaffen werde", sagte Campos in einem Interview mit Yahoo! Sports' Duncan Castles im Jahr 2017. Das war, nachdem er als technischer Direktor des AS Monaco zurückgetreten war. 

Doch es waren nicht nur leere Worthülsen, die da von dem 54-Jährigen kamen. Mit seinem aktuellen Klub OSC Lille schaffte Campos, der in einer kleinen Küstenstadt mit 3.000 Einwohnern im Norden Portugals geboren wurde, in der vergangenen Saison einen wahren Höhenflug. Am Ende der abgelaufenen Runde landete der Klub auf Platz zwei, ein Jahr nach dem Fast-Abstieg aus der Ligue 1. 

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Campos bei Europas Großklubs auf der Liste

Die Liste der Vereine, die Interesse an den Diensten des Sportdirektors von Lille gezeigt haben sollen, liest sich wie ein Who is Who der europäischen Elite: Manchester United, FC Arsenal, FC Chelsea, FC Barcelona, Real Madrid, AC Mailand, AS Rom, Paris Saint-Germain und Olympique Marseille - sie alle hatten Campos auf der Liste.  

"Es ist kein Zufall, dass sein Name mit Chelsea oder Mailand oder den anderen Top-Klubs der Welt in Verbindung gebracht wurde", sagt Aitor Karanka, der sich mit Campos anfreundete, während er bei Real Madrid mit ihm zusammenarbeitete. Heute ist er der Transfer-Mastermind im internationalen Fußball. 

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"Wenn man sich die Spieler ansieht, die er in Monaco und Lille unter Vertrag genommen hat, ist der Unterschied zwischen dem Preis, den sie hatten, und dem Preis, den sie jetzt haben, erstaunlich", führt Karanka weiter aus. "Er ist einer der Besten."

Wer ist der Mann, der im internationalen Fußball aufhorchen lässt?

Er wird als "der unsichtbare Mann" oder "der mysteriöse Herr Campos" bezeichnet. Seine ganz großen Stärken: der unerschütterliche Glaube an seine fußballerische Philosophie und sein Blick für Talente. In Portugal schloss er sein Studium zum Sportwissenschaftler ab und erhielt wie seine Landsleute Jose Mourinho und Carlos Queiroz sogar den Titel "Professor".

Bevor er als technischer Direktor arbeitete, war er als Trainer in den unteren Spielklassen Portugals tätig. Im Alter von 27 Jahren bekleidete er zum ersten Mal eine Führungsposition. Das Spiel seiner Teams war immer durch eine hohe Intensität am Ball geprägt.

Campos beendet Serie von Mourinho

Ein Highlight in der Trainerkarriere von Campos: 2004 traf er mit Gil Vicente auf den FC Porto mit Coach Mourinho. Campos beendete dabei die Serie von "Mou" mit 27 ungeschlagenen Partien.  

Mourinho war beeindruckt von Campos' Arbeit und übernahm dessen Spielsystem. 2012 ernannte er ihn zum taktischen Analysten und Talentscout bei Real Madrid und beauftragte ihn mit der Analyse gegnerischer Teams und der Identifizierung geeigneter Transferziele aus aller Welt.

In der kurzen Zeit, in der Campos mit Mourinho arbeitete, verfeinerte Campos sein Wissen über den Fußball immer mehr. Die Aktie Campos wurde immer interessanter, sein Ruf im Fußball-Business immer besser. 

Seinen großen Durchbruch erlebte Campos 2013, als er bei AS Monaco Berater wurde und dank seiner Spürnase den Aufsteiger in obere Gefilde führte.

Campos holt Rodriguez

So holte er Joao Moutinho und den ehemaligen Bayern-Profi James Rodriguez im Paket nach Monaco. Seine Strategie war es aber nicht nur, Mega-Deals einzutüten. Der brasilianische Mittelfeldspieler Fabinho kam dank Campos für ein relativ preisgünstiges Leihgeschäft nach Monaco, zudem gelang es, Anthony Martial für rund zwölf Millionen Euro von Olympique Lyon zu verpflichten.

Weitere Transfer-Coups von Campos waren Ricardo Carvalho, Eric Abidal und der frühere Leverkusener Angreifer Dimitar Berbatov. Der Einfluss von Campos wurde immer stärker. Als technischer Direktor überzeugte er nicht nur die Verantwortlichen in Monaco, sondern über die Grenzen Frankreichs hinaus - noch bevor er 2017 den Grundstein für Monacos sensationellen Titelgewinn gelegt hatte.    

Campos gründete ein eigenes Scouting-Team aus sechs Experten. Die beiden Zauberworte für den Portugiesen waren dabei "Kompetenz und Hingabe".

Im Sommer 2014 kam es zu großen Veränderungen, unter anderem wechselte James für rund 70 Millionen Euro zu Real Madrid. Die Zielsetzung von Campos aber hieß, AS Monaco weiter in der Ligue 1 zu halten - auf höchstem Niveau. Campos agierte weiter sehr klug, kaufte Topspieler zu niedrigen Preisen, verkaufte sie dann gewinnbringend. 

AS Monaco wurde immer mehr zu einem "guten Schaufenster" für junge Spieler. Dabei orientierte sich Campos zunehmend am vielversprechenden Modell des FC Porto. Der akribische Arbeiter, schrieb sich dabei auf die Fahne, vor allem den Menschen und nicht nur den Spieler beurteilen zu wollen.  

Abschied aus Monaco

Im August 2015 verließ Campos Monaco, der Erfolg beim Klub aus dem Fürstentum blieb zunächst dank seiner hervorragenden Arbeit. 

Ende 2016 übernahm Gerard Lopez den OSC Lille, und er wollte nur einen als Sportdirektor: Campos. Dieser sagte schließlich Olympique Marseille ab, heuerte in Lille an - und brachte den Erfolg gleich mit. Allein in der vergangenen Saison verbuchte Campos beachtliche Erfolge auf dem Transfermarkt.

Unter anderem holte er den Türken Zeki Celik, der heute als einer der besten jungen Rechtsverteidiger in der Ligue 1 gilt. Damals versprach Campos, dass seine Arbeit in Monaco nicht sein letztes Meisterwerk sein würde. Er scheint Wort zu halten.  

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