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JS Saint-Pierroise nach dem Sensationssieg
JS Saint-Pierroise nach dem Sensationssieg © Eric POLLET
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München - JS Saint-Pierroise gelingt im Coupe de France eine Sensation. Der Klub von einer Insel im indischen Ozean verzaubert Frankreich und steht im Sechzehntelfinale.

Reisestrapazen gehören längst zum Fußball, wie paradiesische Sandstrände zu Mauritius. Ein Auswärtsspiel in einem über 9.000 Kilometer entfernten Ort auszutragen, ist dann aber doch alles andere als alltäglich.

Genau das stand für die Fußballer des JS Saint-Pierroise Anfang Januar auf dem Programm. Für ein Gastspiel im Coupe de France beim französischen Zweitligisten Chamois Niort stiegen die Strand-Kicker in ein Flugzeug, um elf Stunden später auf dem französischen Festland zu landen.

Gestartet war der Flieger auf der Insel La Réunion, die ein Übersee-Département Frankreichs im indischen Ozean ist und zur europäischen Union gehört. Die "Insel der Zusammenkunft" liegt rund 700 Kilometer östlich von Madagaskar und ist etwa 200 Kilometer von Mauritius entfernt.

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Saint-Pierroise gelingt die Sensation

Das Spiel in Niort war das größte, das die Klubgeschichte von JS Saint-Pierroise bis dato gesehen hatte. Ermöglicht wurde es durch einen außergewöhnlichen Durchmarsch bis in die neunte Runde des Coupe de France. Ein Highlight, dass sich die Spieler verdient hatten.

Akteure wie Betreuer beschlossen, den Trip dazu zu nutzen, Freunde und Verwandte in Frankreich zu besuchen. Erst ein paar Tage nach dem Spiel wollte sich die Reisegruppe dann auf den langen Rückweg machen.

Am Spätabend des 4. Januars warfen die Verantwortlichen des Klubs diese Pläne allerdings hektisch über den Haufen. Jetzt sollte es so schnell wie möglich Richtung Heimat gehen. Immerhin mussten sich die Spieler nach dem sensationellen 2:1-Sieg auf das Sechzehntelfinale des Coupe de France vorbereiten.

"Die Schlüssel zum Paradies", war am nächsten Tag auf der Titelseite der französischen Sportzeitung L´Equipe zu lesen. Darunter waren die jubelnden Spieler von Saint-Pierroise zu sehen, die mit ihren Fans feierten.

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Ungefähr ein Dutzend Anhänger hatten die lange Reise mit ihrem Team zurückgelegt, viele weitere Fans, die mittlerweile in Frankreich leben, waren hinzugekommen. Einer davon war Florent Sinama-Pongolle.

Der frühere Stürmer des FC Liverpool, begann und beendete seine Karriere in Saint-Pierre. Der 35-Jährige, der es bis zum französischen Nationalspieler brachte, war tief bewegt: "Das Größte, was du im Fußball schaffen kannst, ist Spuren zu hinterlassen, die auch für zukünftige Generation noch sichtbar sind", sagte er nach dem Spiel zu L´Equipe. "Das haben sie vollbracht."

Auch Yves Etheve, der Präsident des Ligabetriebs auf La Réunion zeigte sich begeistert: "Das ist mehr als nur Fußball. Das ist eine großartige Werbung für den Sport und für unsere Insel."

Der Klub aus Saint-Pierre ist erst das zweite Team außerhalb des französischen Festlands, der das Sechzehntelfinale des Coupe de France erreicht hat.

In der nächsten Runde wartet ein Viertligist

Bislang war wohl das bekannteste an dem Verein, dass Dimitri Payet dort seine ersten Schritte ging. Der 38-malige Nationalspieler Frankreichs wurde in Saint-Pierre geboren.

"Jetzt haben die Menschen gesehen, dass es Qualität auf La Réunion gibt", schwärmte Mittelfeldspieler Thomas Souevamanien nach dem Abpfiff in Niort.

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Zurück auf der Insel offenbarte Kapitän Jean-Michel Fontaine noch eine ganz andere Sicht auf die Geschehnisse. "Es war kalt dort, also sind wir wirklich glücklich, wieder hier zu sein", sagte er am heimischen Flughafen, an dem die Party mit den Fans im vollen Gange war.

Zum Wochenende hin müssen die Spieler und Verantwortlichen von JS Saint-Pierroise die paradiesische Insel im indischen Ozean dann wieder verlassen und ins kalte Frankreich zurückkehren. In der Runde der letzten 32 gastiert der Klub am Samstag bei SAS Épinal, einem Viertligisten.

Vielleicht befinden sich die Spieler während des elfstündigen Flugs auf dem Weg zur nächsten Sensation.

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