Hier begründet Zidane seinen Rücktritt
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München - Zinedine Zidane verlässt Real, weil er nach dem Champions-League-Triple nur noch hätte verlieren können. Damit lässt er die Madrilenen auch im Stich. Kommentar.

Man soll ja immer aufhören, wenn es am Schönsten ist. Dieser Gedanke schien Zinedine Zidane schon am vergangenen Samstagabend um 22.54 Uhr durch den Kopf zu gehen.

Während seine Stars freudestrahlend den Henkelpokal in den Nachthimmel von Kiew streckten, stand der Erfolgstrainer von Real Madrid in sich gekehrt am Rande des Siegerpodests. Er genoss seinen dritten Champions-League-Triumph in Folge als gäbe es nichts Normaleres auf der Welt. Keine 120 Stunden später verkündete er seinen Rücktritt. Überraschend, aber konsequent.

Seine Mannschaft brauche neue Impulse, um weiterhin erfolgreich zu sein, erklärte der Franzose erstaunlich gefasst auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Donnerstag. Er habe in den vergangenen Monaten einen großen Kräfteverschleiß verspürt und traue sich keine weiteren Heldentaten zu.

Es war ein ehrliches Geständnis, das auf der einen Seite höchsten Respekt verdient. Zidane ist ein Gentleman, der das Wohl seines Herzensvereins, zu dem er 2001 als einer der besten Fußballer seiner Zeit kam, über alles stellt. Er schützt in erster Linie aber sich selbst und sein Denkmal. Nach dem historischen Coup gegen den FC Liverpool hätte er nur noch verlieren können. Deshalb lässt er Real auch in gewisser Weise im Stich.

Auf die Mannschaft um Weltmeister Toni Kroos kommt in absehbarer Zeit ein Umbruch zu. Superstars wie Cristiano Ronaldo oder Gareth Bale liebäugeln schon jetzt mit einem Abschied, neue Galacticos wie Neymar oder Harry Kane könnten den Weg ins Estadio Santiago Bernabeu finden. Außerdem werden Leistungsträger wie Sergio Ramos, Marcelo oder Luka Modric keineswegs jünger. 

Zidane sieht sich nicht gewappnet, diesen schwierigen Generationenwechsel zu managen. Der brutale Druck in Madrid hinderte ihn schon in der abgelaufenen Saison daran, vielversprechende Talente wie Dani Ceballos, Theo Hernandez oder Jesus Vallejo in sein Team zu integrieren. 

Der 45-Jährige wirkte besonders nach der schwachen Hinrunde mit peinlichen Aus im Pokal-Viertelfinale gegen CD Leganes Ende Januar stark angezählt. Dass er in der Meisterschaft letztlich abgeschlagen hinter den großen Rivalen Barcelona und Atletico auf Platz drei landete, wurmte ihn aber am meisten.

Real meets Zizou: Eine epische Erfolgs-Story

Intern wackelte Zidanes Stuhl trotz des schwachen nationalen Abschneidens allerdings nie. Der charismatische Menschenfänger formte Reals Egoisten zu einer homogenen Truppe, die sich auch neben dem Rasen wie eine Familie präsentierte. Real-Boss Florentino Perez sah in seinem Ziehsohn schon so etwas wie den Sir Alex Ferguson von Madrid, wünschte sich in seinen letzten Amtsjahren Kontinuität statt Chaos.

Kein Wunder, dass Perez am Donnerstag wie ein Häufchen Elend neben Zidane Platz nahm. Der 71-Jährige hatte erst am Vorabend von dessen Wunsch erfahren und muss jetzt vollkommen unvorbereitet nach einem Nachfolger suchen.

Mauricio Pochettino (Tottenham Hotspur), Ex-Arsenal-Trainer Arsene Wenger und A-Jugend-Coach Guti gelten ersten Medienberichten zufolge als heiße Kandidaten. Egal, auf wen am Ende die Wahl fällt: In Zidanes Fußstapfen zu treten, wird eine gewaltige Aufgabe.

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