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München - Nach der Pleite gegen Atlético hängt der Haussegen bei Real Madrid schief. Bei SPORT1 spricht Hamit Altintop, 2011/12 selbst für Real aktiv, über die brenzlige Situation.

1:3 gegen den FC Bayern, 3:2 gegen den FC Arsenal und 3:7 gegen Atlético Madrid: Eine erfolgreiche Vorbereitung sieht anders aus. Real Madrid zeigt sich in der Sommer-Vorbereitung 2019 ziemlich angeschlagen und alles andere als souverän.

Zudem ist das Lazarett nach den Verletzungen von Marco Asensio, der nach einem Kreuzbandriss sogar die gesamte Saison fehlen könnte, Brahim Diaz, Ferland Mendy, Luka Jovic und neuerdings auch Thibaut Courtois schon jetzt voll.

Vor dem Spiel beim Audi Cup in der Münchner Allianz Arena gegen Tottenham (Di., ab 18 Uhr im LIVETICKER) machen sich die Fans der Königlichen Sorgen um ihre Mannschaft - und die spanischen Tageszeitungen gehen nicht zimperlich mit dem Starensemble von Zinedine Zidane um. 

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Zidane, der im März 2019 für den geschassten Santiago Solari sein Comeback bei den Königlichen gefeiert hatte, schaffte am Ende einer extrem unbefriedigenden Saison noch Platz drei.

Nun sollte alles besser werden - doch das 3:7 riss die Wunden der vergangenen Spielzeit wieder auf. Seitdem hängt der Haussegen schief.

"Das nagt am Selbstvertrauen"

"Das war eine deftige Niederlage, die man als Real-Fan und Verantwortlicher erstmal verarbeiten muss. Das nagt natürlich auch am Selbstvertrauen des gesamten Teams", sagt Hamit Altintop im Gespräch mit SPORT1

Der frühere Spieler von Real (2011/2012) arbeitet aktuell beim türkischen Fußballverband im Vorstand und ist für die Jugend verantwortlich. Der 36-Jährige, der vor seiner Zeit in Madrid auch beim FC Bayern (2007 bis 2011) spielte, fordert die Wende bei seinem Ex-Klub: "Jetzt muss ein Neuanfang her. Mit den neuen Transfers wurde auch ein deutliches Zeichen gesetzt."

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Real verpflichtete neben Luka Jovic von Eintracht Frankfurt auch Eden Hazard (FC Chelsea), Ferland Mendy (Olympique Lyon), Eder Militao (FC Porto) und Rodrygo(FC Santos). Rund 300 Millionen Euro ließ man sich die fünf Spieler kosten.

"Das heißt aber nicht, dass alles so funktioniert wie 2017/2018. Es wird eine sehr interessante und wichtige Saison für Real", meint Altintop.

Umfrage: 71 Prozent gegen Kroos

Ungemütlich wird es derzeit vor allem für einige Arrivierte - darunter Toni Kroos. In einer Umfrage der Tageszeitung Marca, welcher Star das Team verlassen solle, wählten 71 Prozent den deutschen Mittelfeldmann aus - nur Marcelo (72 Prozent) und Lucas Vazquez (73 Prozent) kamen auf höhere Werte.

Altintop, der einst bei Real wie Kroos auf der Sechser-Position spielte, wundert sich: "Man muss mit der Kritik an Toni Kroos und einigen anderen vorsichtig sein. Das sind alles wertvolle Spieler. Zidane muss es nur wieder hinbekommen, dass da eine Einheit, eine funktionierende Mannschaft entsteht."

Und weiter: "Real ist jetzt leider sehr beschädigt worden, weil man auch versucht, gewisse Dinge zu erzwingen, wie einen Verkauf von Gareth Bale. Da ist die Presse auch gnadenlos. Da wird gerade auch viel reininterpretiert, was vielleicht gar nicht stimmt." 

Kroos werde jetzt zum Sündenbock gemacht, meint Altintop, "aber das ist er nicht. Gegen Atlético hat die ganze Mannschaft nicht funktioniert. "Toni hat in den vergangenen Jahren fast immer starke Leistungen gebracht. Ihn jetzt zum Schuldigen zu machen, ist nicht fair."

Altintop stärkt Kroos den Rücken

Altintop räumt aber auch ein: "Klar, er muss sich auch Kritik gefallen lassen, er ist nicht gerade der zweikampfstärkste Spieler, aber dafür hat er ganz andere Stärken und die hat er in der Vergangenheit auch gezeigt. Toni und einige andere Spieler können noch einige Jahre auf Top-Niveau bei Real spielen. Kroos ist nicht der Grund für die Niederlage gegen Atlético."

Ein Verkauf des Nationalspielers scheint ohnehin unwahrscheinlich, erst im Mai dieses Jahres verlängerte Kroos seinen Vertrag bis 2023. 

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Was aber muss besser werden? "Zidane muss nur eins schaffen, nämlich eine Einheit zu bilden. Jeder Spieler muss wieder für den anderen da sein. Das Team ist in der vergangenen Saison leider von der Spielweise und von den Ergebnissen her immer weiter abgerutscht. Das tat weh. Es muss das alte Selbstvertrauen her, was den Klub immer ausgemacht hat, auch als Marke."

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Doch der Weg zum alten Real werde ein längerer Prozess. Altintop glaubt nicht an eine schnelle Besserung. "In dieser Saison wird es wieder schwierig erfolgreich zu sein." Er hat nur einen Wunsch: "Der Mythos Real muss wieder neu belebt werden. Wenn die Spieler das wieder hinkriegen und die Ergebnisse dann auch wieder stimmen, dann läuft es auch wieder."

Zidane kenne den Verein und die gesamte Struktur "in- und auswendig" und wisse auch, "dass er sich an den drei Champions-League-Titeln messen lassen muss. Das zu toppen bzw. daran anzuschließen, wird unglaublich schwer. Das weiß Zidane, er ist ein sehr intelligenter und aufmerksamer Mensch. Seine Rückkehr war nicht bloß eine sportliche Entscheidung, sondern eine reine Herzensangelegenheit."

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