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Die 3:7-Schlappe gegen Atlético war für Real Madrid ein echter Wirkungstreffer. Spaniens Presse schreibt die Königlichen schon vor Beginn der neuen Saison ab.

Es hatte etwas vom legendären WM-Halbfinale 2014 zwischen Deutschland und Brasilien, was sich am späten Freitagabend in New York abspielte. 

Im Rahmen des International Champions Cups stieg in der US-Metropole das Madrider Derby zwischen Real und Atlético - und hinterließ bei den Königlichen einen vergleichbaren Totalschaden wie bei der Selecao vor fünf Jahren.

Auch dieses Mal lag der Favorit schon zur Halbzeit 0:5 hinten, nach 70 Minuten hieß es 1:7. Dass Real in der Schlussphase noch zum 3:7 verkürzte, machte es für die Beteiligten keinen Deut besser. 

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Sieben Gegentore gegen den Stadtrivalen zu kassieren, war für das stolze Real ähnlich unvorstellbar, wie die deutsche Abreibung für Brasilien. 

"Ein Untergang, der alle Alarme auslöst"

"Es fehlte an allem", lautete das ernüchterte Fazit von Cheftrainer Zinédine Zidane. "Sie haben sieben Tore erzielt, das darf nicht passieren." Dass Zidane den Testspielcharakter des Duells hervorhob ("Man muss es auch nicht übertreiben. Es war ein Vorbereitungsspiel"), machte die Blamage nicht besser.

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Für die traditionell exaltierten Real-Kommentatoren der spanischen Presse waren die 90 Minuten ein gefundenen Fressen. "Ein Untergang, der alle Alarme auslöst. Eine beschämende Leistung, die die Historie Real Madrids beschmutzt", schreibt etwa die AS. "Ein sportlicher Selbstmord, ein erschreckender Auftritt in New York. Atlético schlägt ein lächerliches Real Madrid, das mit Füßen getreten wird und einer Ruine gleicht."

Für die Real-freundliche Marca ist schon jetzt klar, dass die Zidane-Elf nach dem Fiasko der vergangenen Spielzeit auch in der anstehenden Saison keinen Blumentopf gewinnen wird. "3:7! Ein Untergang für die Geschichte, eine Demütigung mit einer Message: Real Madrid ist nicht bereit, um in dieser Saison um irgendetwas zu kämpfen."

Die Alarmstimmung rund ums Bernabeu-Stadion wird noch durch Reals großes Verletzungspech befeuert. Der Kreuzbandriss von Marco Asensio hatte die Stimmung schon sichtlich gedrückt, wenig später verletzte sich auch noch Ferland Mendy, Ausfallzeit: mindestens ein Monat.

Der Fluch setzte sich in New York fort, als Frankfurt-Neuzugang Luka Jovic nach einem Zusammenprall mit Atlético-Keeper Jan Oblak vom Feld humpelte. Noch steht eine genaue Diagnose aus, doch auch beim neuen Stürmer könnte es mit dem Saisonstart eng werden.

Zwölf Gegentore in drei Spielen

Die größte Baustelle betrifft aber ohnehin die Defensive, die in drei Spielen unglaubliche zwölf Tore schlucken musste (3:7 gegen Atlético, 3:2 gegen Arsenal, 1:3 gegen Bayern) - die Hälfte davon innerhalb der ersten 25 Minuten. Das mangelhafte Umschaltspiel nach Ballverlusten zog sich dabei wie ein roter Faden durch die Gegentore.

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Trotz des Zukaufs von Tempodribbler Eden Hazard blüht vielen Real-Fans, dass der Zenit der einstigen Dominatoren um Sergio Ramos, Toni Kroos und Karim Benzema merklich überschritten ist - und der Absturz in der vergangenen Saison kein Ausrutscher war.   

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Wie sich die Zidane-Elf kampflos dem Stadtrivalen ergab, lässt nur den Schluss zu, dass die alternden Stars sich nicht mehr auf einstige Höchstleistungen trimmen können oder wollen. "Real stellt sich wie ein jugendlicher Boxer an, wirkt verloren, apathisch, mittelmäßig", schreibt die Tageszeitung El Pais. "Es mangelt an Leidenschaft. Und das Schlimmste: das Ergebnis spiegelt das Spiel nicht einmal wider, sondern fällt sogar noch knapp aus."

Und Kroos? Der 30-Jährige, der vor fünf Jahren mit Deutschland noch auf der Seite der Gewinner stand, erlebte nun, wie sich eine solche Niederlage anfühlt. 

Die Euphorie um die Rückkehr von Zidane, der das Team am 12. März von seinem unglücklichen Vorgänger Santiago Solari übernahm, ist jedenfalls völlig verflogen. Nun wird es darauf ankommen, dass Reals Verantwortliche die Scherben schnell zusammenkehren - damit die Saison nicht vorbei ist, bevor sie begonnen hat.

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