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Nach der WM 2014 sagten viele James Rodriguez eine große Karriere voraus. Fünf Jahre später steht der Star von Real Madrid am Scheideweg. Eine Bestandsaufnahme.

Es war die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien als der Stern von James Rodríguez aufging.

Der damals 23-Jährige führte Kolumbien bis ins Viertelfinale, wo die Cafeteros gegen den Gastgeber denkbar knapp mit 1:2 unterlagen und ausschieden.

Mit sechs Toren und zwei Vorlagen wurde der Offensiv-Künstler bei dieser WM mit dem Goldenen Schuh ausgezeichnet und wechselte im Anschluss für 75 Millionen Euro von der AS Monaco zu Real Madrid.

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Fünf Jahre später steht James Jahren am Scheideweg.

SPORT1 erklärt, warum ihm der Sprung zum ganz großen Weltstar verwehrt blieb.

- Verletzungshistorie

Nachdem der FC Bayern München nach zweijähriger Leihe die Kaufoption in Höhe von 42 Millionen Euro verstreichen ließ, musste James erstmal zu den Königlichen zurückkehren. 35 Scorer-Punkte in 65 Partien waren für den Rekordmeister nicht überzeugend genug.

Madrid sollte eigentlich nur eine kurze Zwischenstation sein, da Real-Coach Zinedine Zidane mit James gar nicht mehr plante. Ein Wechsel zu Atlético Madrid bzw. zum SSC Neapel zerschlug sich dann aber, sodass der Spielmacher in der spanischen Hauptstadt bleiben musste.

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Bei den Madrilenen fielen mit Eden Hazard, Marco Asensio und Co. gleich fünf Offensivspieler aus: Eine unerwartete Chance für den 28-Jährigen. Blöd nur, dass James sich am Wochenende gegen Real Valladolid (1:1) selbst eine Muskelverletzung im rechten Unterschenkel zuzog und nun auch ausfällt. Mal wieder.

Wie lange der Real-Star nicht zur Verfügung steht, ist noch offen. Doch das Verletzungspech bleibt James treu. Seit der WM 2014 fiel der Kolumbianer sage und schreibe 359 Tage wegen zahlreicher Blessuren aus.

- Einstellung/Charakter

Nach der jüngsten Verletzung meldete sich der frühere Teamarzt der kolumbianischen Nationalmannschaft in der spanischen Tageszeitung Marca zu Wort und bemängelte ganz offen seine Professionalität: "Der Junge ist nicht fokussiert", sagte Hector Fabio Ruiz über James. "Anstatt sich auf die neue Saison vorzubereiten und an sich zu arbeiten, lässt er sich seine Augenbrauen und Haare richten."

"Top-Teams wie Madrid erwarten Professionalität, Einstellung und Charakter. Er ist aber nicht vorbereitet. Der Junge hat einen schlechten Kopf", sparte Fabio Ruiz nicht mit Kritik. "Ich habe bereits vorhergesehen, dass es schlecht ausgehen wird. Denn er arbeitet nicht."

Cristiano Ronaldo zeige, wie es wirklich laufen sollte: "Cristiano war eine Woche auf einer Yacht mit seiner Familie im Griechenland-Urlaub", so der Doktor. "Und die Woche drauf waren 15 Leute da, um ihn auf die neue Saison vorzubereiten. Er ist der Professionellste, den ich kenne."

James dagegen habe die WM 2014 angeschlagen verlassen, sich einen Privatjet genommen und relaxte lieber am Strand. "Das kann nicht angehen", wurde Ruiz deutlich.

Auch beim FC Bayern fiel James immer wieder durch Undiszipliniertheiten auf, kam unter anderem zu spät im Training und soll in der Kabine Trainer Niko Kovac kritisiert haben.

- Falsche Position

Dass James nicht immer ganz bei der Sache ist, könnte auch damit zusammenhängen, dass der offensive Mittelfeldspieler nicht immer auf seiner Lieblingsposition zum Zuge kommt. Der Kolumbianer fühlt sich als Zehner am wohlsten und glänzt meistens, wenn ihm zwei Mittelfeldabräumer den Rücken freihalten und von lästigen Defensivpflichten befreien.

Beim FC Porto und in Monaco durfte er meist als Spielmacher vor zwei Sechsern auflaufen und dankte es mit Top-Werten: Für die Portugiesen kam James auf 32 Tore, 41 Assists in 108 Spielen, für die Monegassen auf 10 Tore und acht Assists in 38 Partien.

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Bei den Bayern und Real aber musste der kolumbianische Nationalspieler häufig auf den Flügeln auflaufen und nach hinten mitarbeiten, dabei fehlt James dafür die nötige Schnelligkeit und das Durchsetzungsvermögen sich im 1-gegen-1 zu behaupten.

In der schwächeren Ligue 1 oder Liga NOS konnte er das noch kompensieren, in der Bundesliga, La Liga und Champions League nicht mehr. So kommt es auch nicht von ungefähr, dass er seine besten Spiele für die Königlichen auf der Zehn (in 112 Partien stehen immerhin 76 Scorer-Punkte auf seinem Konto) machte.

- Fazit

Der klassische Spielmacher kaum noch gefragt. Spielertypen wie James, Mesut Özil und Co. sind daher vom Aussterben bedroht. Der Spielaufbau geschieht bereits aus der Abwehr heraus oder aus dem zentralen Mittelfeld und das Flügelspiel mit schnellen, dynamischen Spielern wie Jadon Sancho oder Eden Hazard stehen nun für den modernen Fußball.

Sofern James sich nicht neu erfinden kann oder einen Klub findet, der ihn als reinen Zehner sieht und einsetzt, wird der kolumbianische Superstar wohl in der Sackgasse feststecken bleiben. Diesen Weg hat 2014 aber niemand für James vorhersehen können.

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