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München - Real Madrid holt sich mit Reinier den sechsten Brasilianer ins Team. Bauen sich die "Königlichen" mit ihrer Strategie die nächsten Galaktischen?

Mit dem Mega-Transfer von Reinier Jesus zu Real Madrid ist klar: Die Samba-Fraktion in der spanischen Hauptstadt ist so groß wie noch nie.

Mit dem Neuzugang stehen jetzt insgesamt sechs Brasilianer im Kader von Trainer Zinedine Zidane: Marcelo, Casemiro, Vinícius Júnior., Éder Militao, Rodrygo und jetzt eben auch das neue Wunderkind Reinier.

So manch ein Real-Fan dürfte sich 14 Jahre zurückversetzt fühlen, in die Ära der Galaktischen, als in der Saison 2005/2006 mit Ronaldo, Roberto Carlos, Cicinho, Julio Baptista und Robinho fünf Brasilianer für die Königlichen aufliefen.

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Vinicius, Rodrygo, Reiner - Real baut Brasilien-Fraktion aus

Damals wie heute ist Brasilien für Real ein beliebtes Ziel auf der Suche nach Nachwuchstalenten. Das liegt nicht zuletzt auch an Reals Chefscout Juni Calafat.

Er ist selbst Brasilianer und bringt regelmäßig Samba-Flair in die Reihen der Weißen - vor allem mit Blick auf die Zukunft baut Real aktuell auf brasilianische Spieler.

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Denn mit Vinícius (19 Jahre) und Rodrygo (19) hat Real schon 2018 und 2019 zwei junge brasilianische Toptalente für je 45 Millionen Euro nach Madrid geholt. 

Beide - Vinícius kam von Flamengo, Rodrygo vom FC Santos - haben sich nach und nach zu wichtigen Spielern im System von Zidane entwickelt. Neben den erfahrenen Kollegen Marcelo, der kurz vor seinem 500. Spiel für Real steht, und Casemiro sollen sich die Spieler zu den nächsten Superstars entwickeln.

Casemiro als Paradebeispiel und Vorbild bei Real

Gerade Casemiro ist Paradebeispiel für Reals Weg - und damit das perfekte Vorbild für die jungen Brasilianer, die es jetzt bei den Königlichen packen wollen.

Torwart-Legende Bodo Illgner erklärt bei SPORT1: "Man hatte ja vor einigen Jahren mit Casemiro den ganz großen Fang gemacht. Den kannte erstmal niemand. Er kam für das zweite Team nach Madrid, schlug überragend ein und ist nun nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken."

Casemiro kam 2013 von Sao Paulo für knapp sechs Millionen Euro zu Real. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, welche Rolle er im Anschluss bei Real spielte und dass der Marktwert des Abräumers laut Transfermarkt in den vergangenen Jahren auf 70 Millionen Euro gestiegen ist.

Der 27-Jährige hat sich in den letzten Jahren zum unumstrittenen Stammspieler und einer unverzichtbaren Stütze in Madrid entwickelt. Diesen Weg sollen im Idealfall auch Vinícius, Rodrygo und jetzt eben Reinier gehen.

Dass dies aber nicht immer klappt, zeigt der Fall Militão. Der 22-Jährige kam nicht wie die anderen direkt von einem brasilianischen Verein nach Madrid, sondern wechselte 2019 für 50 Millionen Euro von Porto zu den Weißen. 

Richtig angekommen ist er indes noch nicht. Keine Tore und nur acht Einsätze sind die aktuell überschaubare Bilanz des Innenverteidigers.

Ein anderer Weg zu den neuen Galaktischen?

Der Reinier-Transfer zeigt aber: Real ist weiterhin "auf der Suche nach einem Super-Talent, dass den Klub weiterbringen und Symbol sein kann für die Königlichen", erklärt Illgner, der selbst von 1996 bis 2001 in Madrid spielte.

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Dabei verfolge man bei Real nun einen besonderen Ansatz, zeigt Illgner auf. Statt "gestandene Spieler zu kaufen wie einst Figo, Kàkà oder Beckham", habe sich der Trend nun "dahin entwickelt, dass man junge, talentierte Spieler verpflichtet, die man auch gut weiter transferieren kann, wenn sie nicht so einschlagen wie gewünscht". Das Risiko sei dann "vergleichsweise gering, wenn man Real Madrid heißt".

Die Hoffnung, gerade in Brasilien das eine ganz besondere Talent zu finden, rührt vor allem aus Erfahrungswerten der Vergangenheit.

Auf den Spuren der Legenden Ronaldo und Roberto Carlos?

Denn in der letzten großen brasilianischen Ära bei Real Madrid elektrisierten vor allem zwei Namen die Massen und ließen die Galácticos hell strahlen: Ronaldo und Roberto Carlos.

Der legenderä Angreifer Ronaldo wechselte 2002 für 45 Millionen Euro von Inter Mailand zu Real und blieb dort vier Jahre. Längst gehört er zu den größten Fußballern aller Zeiten und hat das mitunter auch seinen 104 Toren in 177 Spielen bei Real zu verdanken. Bei Real wurde der zweifache Weltmeister zwei Mal spanischer Meister und Weltpokalsieger - nur die Champions League gewann einer der besten Stürmer aller Zeiten nie, auch mit Real nicht.

Das hat ihm sein damaliger Kollege Roberto Carlos voraus. Als einer der besten und vor allem offensiv berüchtigten Linksverteidiger aller Zeiten hat er die Galácticos-Ära entscheidend mitgeprägt und durfte 1998, 2000 und 2002 den Henkelpott in die Höhe stemmen.

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Robinho als warnendes Beispiel

Augenscheinlich eine sportliche Enttäuschung, aber letzten Endes doch ein guter Transfer war der Brasilianer Robinho.

Genau wie Reinier wurde auch er als das große Wunderkind betitelt und 2005 für 24 Millionen vom FC Santos geholt. Der große Durchbruch gelang ihm nicht. Dafür konnte Real ihn aber knapp drei Jahre später für 43 Millionen weiterverkaufen.

Bei Reinier wird sich zeigen, ob Real wieder eine feine Nase beim Aufspüren von brasilianischen Top-Talenten hatte.

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